Lehrer mit einem positiven Coronatest oder auch Verdachtsfälle bei Pädagogen sind seit Beginn des laufenden Schuljahres 2020/21 der Albtraum der Schuldirektorinnen und -direktoren. Denn die Schulleiter müssen dann die Stundenpläne umstellen, damit der Unterricht auch in Schulklassen sichergestellt wird, in denen es keine Corona-Fälle gibt, aber erkrankte Lehrer zuvor ebenfalls unterrichtet haben. In Extremfällen hat das in den vergangenen Wochen seit Schulbeginn auch bereits zu Schulschließungen geführt, weil nicht mehr ausreichend Ersatzlehrer zur Verfügung gestanden sind. Solchen Schulschließungen möchte die SPÖ mit Ex-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid vorbeugen. Im parlamentarischen Unterrichtsausschuss wurde daher ein Entschließungsantrag eingebracht, damit Bildungsminister Heinz Faßmann einem entsprechenden Mangel an Pädagogen durch eine Aufstockung der Planstellen für Lehrer an Pflichtschulen und höheren Schulen des Bundes vorbeugt.

Im Bildungsministerium wird seit Beginn des Schuljahres 2020/21 darauf hingewiesen, dass die Zahl der Corona-Infektionen sowohl bei den rund 1,1 Millionen Schülern als auch bei den rund 120.000 Lehrern in Österreich bundesweit niedrig sei. Bis Anfang Oktober wurden 178 Lehrer und 51 Mitarbeiter in der Schulverwaltung positiv getestet. Es sei aber "besonders besorgniserregend", dass es seit Anfang September dennoch bereits zu ersten Schulschließungen wegen der Corona-Infektionen von Lehrern gekommen sei, weil am Schulstandort nicht mehr genügend gesunde Pädagogen zur Verfügung gestanden seien, wird von der SPÖ als Begründung für den Entschließungsantrag angeführt.

Warnung vor weiteren Schulschließungen

Es sei daher eine "zweckgebundene Aufstockung" der Stellenpläne für Bundes- und Pflichtschullehrer durch das Bildungsministerium vorzunehmen, wird von der jetzigen SPÖ-Bildungssprecherin Hammerschmid verlangt, um Schulschließungen wegen Corona-Erkrankungen mehrerer Lehrer zu vermeiden. Bildungsminister Faßmann ist mit der SPÖ grundsätzlich einig, dass Schulschließungen wie im heurigen Frühjahr vermieden werden soll. Die SPÖ warnt in ihrem Antrag jedoch: "Falls dies nicht geschieht, werden sich in den nächsten Wochen die Nachrichten über Schließungen von Schulen und elementarpädagogischen Einrichtungen weiter häufen. Es braucht rasch klare Maßnahmen, um weitere Schulschließungen zu verhindern und das Recht auf Bildung für Kinder und Jugendlichen zu garantieren."

Die SPÖ vermisst darüber hinaus eine Corona-Teststrategie für Schulen und Kindergärten. Man habe schon Wochen vor Schulbeginn darauf hingewiesen, dass eine solche Teststrategie notwendig sei, um Corona-Infektionsketten schon im Vorhinein zu unterbinden. Weil dies nicht passiert sei, müsse nun an Schulen bereits wieder wie im Frühjahr auf Heimunterricht umgestellt werden. In Tirol, wo die Corona-Infektionszahlen zuletzt insgesamt vor allem in Innsbruck und im Bezirk Innsbruck-Land stark gestiegen sind, hat es am Montag sogar einen gemeinsamen Protest von Schülern, Eltern und Lehrern in der Landeshauptstadt gegen Heimunterricht gegeben.

Teststrategie für Schulen und Kindergärten

Hammerschmid und ihre SPÖ-Fraktionskollegen drängen daher auf ein Screening-Programm für Schulen und auch Kindergärten. Für die Betreuung in Horten sind die Länder zuständig. Kindergärten sind bisher im Zuge der Corona-Krise völlig im Schatten der Schulen gestanden. Die SPÖ begründet ihre Warnung vor Heimunterricht während der Corona-Krise vor allem damit, dass Schülern vielfach nicht mit entsprechend technischer Ausrüstung für einen digitalen Unterricht daheim ausgestattet seien. In der Sommermonate sei diesbezüglich wenig unternommen worden, ob dem Bildungsministerium bekannt sei, dass 45.000 digitale Endgeräte für Schüler fehlten. Nach dem Digitalisierungsplan des Bildungsministeriums würden Schulen erst ab dem kommenden Schuljahr zusätzlich mit Tablets und Laptops ausgestattet, beklagt die SPÖ. Bis dahin werde "Corona hoffentlich vorbei" sein, heißt es im SPÖ-Antrag. Von Schulexperten ist kritisiert worden, dass der Heimunterricht über Wochen heuer im Frühjahr vor allem für Schüler mit Lernproblemen und nicht-deutscher Muttersprache nachteilig gewesen sei.