Von einer Überlastung in Österreichs Spitälern ist zwar nach wie vor keine Rede, in mehreren Bundesländern aber gibt es Vorbereitungen. Die oberösterreichischen Spitäler beginnen wieder damit, nicht zwingend notwendige Leistungen herunterzufahren. Zugleich werden Covid-19-Patienten gleichmäßig auf alle Häuser verteilt, um die medizinische Versorgung so lange wie möglich aufrechterhalten zu können. 

Im Moment gibt es keinen Engpass in Oberösterreich, aber: "Auch ein sehr gutes Gesundheitssystem kann an seine Grenzen geraten", warnte Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Linzer Kepler Uniklinikum (KUK). Von den knapp 7.500 Normal- und 243 Intensivbetten in Oberösterreich sind - nach einem starken Anstieg in den vergangenen Tagen - mehr als 330 von Covid-19-Patienten belegt, davon 30 auf Intensivstationen. Die Intensivbetten können zwar etappenweise auf 270, 358 und in einem dritten Schritt sogar auf 420 aufgestockt werden, das Problem sind aber weniger die Beatmungsgeräte etc., sondern das Personal, warnte Jens Meier, Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des KUK.

Vorarlberg und Kärnten erweitern Kapazitäten

Auch in Vorarlberg ist die Anzahl der Covid-19-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen von Montag auf Dienstag stark angestiegen. Am Sonntag waren es noch 43, am Dienstagmittag bereits 69. Unverändert blieb allerdings die Zahl von elf Intensivpatienten. Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) hatte bereits am Montag angekündigt, dass im Fall stark steigender Infektionszahlen der Wiederaufbau eines stationären Notversorgungszentrums auf dem Messegelände in Dornbirn zu prüfen sei. Das Notversorgungszentrum mit 200 Betten war im Frühjahr eingerichtet worden, in Betrieb genommen werden musste es aber nicht.

Auch Kärnten prüft eine schrittweise Erhöhung der Kapazitäten für Covid-19-Patienten, denn laut AGES-Dashboard (Stand: 26. Oktober, 14.00 Uhr) ist die Auslastung bei den Intensivbetten zwar vorerst weiter gering, aber etwa die Hälfte der als verfügbar gemeldeten Normalbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Eine Spitalsbehandlung benötigten 53 Patienten, davon lagen drei auf der Intensivstation, berichtete der Landespressedienst. Dazu führe man aktuell Gespräche, Landeshauptmann-Stellvertreterin Beate Prettner (SPÖ) werde voraussichtlich am Mittwoch bekanntgeben, welche Maßnahmen gesetzt werden sollen, um Engpässe zu verhindern. 

Steirer sind "teilweise am Limit", Tiroler Lage ist "ernst"

Die Kapazitäten in den steirischen KAGes-Spitälern sind nach Auskunft der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft "teilweise am Limit", aber noch könne sowohl Regelbetrieb als auch die Versorgung der Covid-19-Patienten voll aufrechterhalten werden, hieß es am Dienstag. Vorstandsvorsitzender Karlheinz Tscheliessnigg warnte aber: "Wenn die Zahlen längere Zeit so ansteigen, kann es wieder zur Überlastung der Spitäler und folglich zu Verschiebungen im Regelbetrieb kommen."

Auch aus Tirol hieß es, dass die Lage "durchaus ernst" sei, so Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und der Infektiologe und Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin, angesichts steigender Zahlen an Covid-19-Patienten in den Spitälern. "Wir müssen mit aller Kraft verhindern, dass sich das Virus allen voran in älteren Bevölkerungsgruppen und bei Risikopersonen ungebremst ausbreiten kann, um unser Gesundheitssystem nicht an den Rand des Machbaren zu bringen", erklärte Weiss. Während Ende letzter Woche noch 107 Corona-Infizierte stationär behandelt wurden, acht davon auf der Intensivstation, so waren es am Dienstag bereits 152 Personen, davon 18 intensivmedizinisch.

Wiens Spitäler sind zu einem Viertel ausgelastet

Mit 75 Intensivbetten liegt die Auslastung mit Covid19-Patienten in Wien am Mittwoch bei rund 24 Prozent, insgesamt gibt es 231 Betten. Bei den Normalbetten liegt man bei knapp über zehn Prozent: Von den verfügbaren 2.417 Normalbetten sind 283 belegt. In Wien sind die Planungen bezüglich weiterer Betten für Corona-Patienten seit Sommer bereits abgeschlossen, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). 

Nach der Schließung der Betreuungseinrichtung in der Messe Wien wurden über den Sommer bereits 30 Unterkünfte für Covid-19-Patienten gescreent. Zusätzlich zu den drei Unterkünften im Geriatriezentrum am Wienerwald (GZW) Pavillon 9, Otto-Wagner-Spital und in den Kliniken Floridsdorf (ehemals KH Nord), die weiter in Betrieb waren und sind, konnte der medizinische Krisenstab so 6.000 Betreuungsplätze über die Stadt verteilt schaffen. Sie weisen unterschiedliche Eignungen bezüglich Personal oder Pflegebedarf auf, doch mit den Plätzen in Hotels, Jugendherbergen, Wohnhäuser wurden die Betreuungsmöglichkeiten in der Messe zahlenmäßig verdoppelt.

Hospitalisierung nimmt zu

Österreichweit wurden in den vergangenen 24 Stunden 2.835 Neuinfektionen gemeldet. Deutlich gestiegen ist die Zahl der Patienten im Spital. 1.400 Erkrankte lagen am Dienstag im Krankenhaus, davon 203 auf Intensivstationen - am Montag waren es noch 188. Die Kapazitäten bei den Intensivbetten seien aktuell wichtigstes Steuerungsinstrument, hieß es am Dienstag von Gesundheitsminister Rudolf Anschober . Kritisch wäre eine Auslastung von 60 bis 70 Prozent, sagte er im Morgenjournal - wichtig sei, die Gesamtzahl der Intensivbetten von jenen speziell für Covid-19-Patienten zu unterscheiden. Die 203 Patienten in Intensivbehandlung von insgesamt 854 verfügbaren Betten bedeuten eine Auslastung von 24 Prozent.

288 waren es hier beim Höchststand im Frühjahr. Dennoch stieg die Belegung innerhalb einer Woche um 40 Prozent auf 203. Die 14-tägige Prognose der Gesundheit Österreich (GÖG) sieht für den 4. November 243 Intensivbetten belegt, womit in den nächsten acht Tagen Schnitt nicht mehr als fünf Patienten dazu kommen dürfen - acht waren es im Schnitt jedoch in den vergangenen acht Tagen.

Wenn es "zu überraschend starken Infektionsausbrüchen kommt, dann steigt einerseits der Bedarf an Intensivbetten rasch an, andererseits könnte es zu einer deutlichen Verringerung der personellen Kapazitäten kommen", ließ Gesundheitsminister Rudolf Anschober darüber hinaus per Aussendung wissen. Mitentscheidend sei hier neben den Infektionszahlen aber auch der Schutz der Alten- und Pflegeheime sowie der Schutz des Gesundheitssystems, hier werde durch massiv verstärkte Testungen jedoch ein besonderer Fokus gesetzt, kündigte Anschober an.

Acht Monate nach den ersten bestätigten SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich ist die Zahl der Personen, die an den Folgen von Covid-19 verstorben sind mit bislang 1.005 Toten auf über 1.000 gestiegen. Österreich liegt damit im EU-Vergleich im Mittelfeld. An der Spitze bei der kumulierten Anzahl der Todesfälle in den vergangenen 14 Tagen lag laut EU-Gesundheitsbehörde ECDC Tschechien mit 12,3 Toten je 100.000 Einwohner, gefolgt von Belgien, Ungarn und Rumänien mit 5,8, 5,5 bzw. 5,2 Toten. Österreich hielt zum Erhebungszeitpunkt mit 988 Verstorbene 1,3 an Covid-19 verstorbenen Menschen pro 100.000 Einwohnern. (apa, red)