Unterricht zuhause, kein Treffen mit Freunden, keine Reisen, Festivals oder Konzerte und abendliche Ausgangssperren: Österreichs Jugendliche verstehen zwar laut einer repräsentativen Umfrage von DocLX und Marketagent die Sinnhaftigkeit der meisten Coronavirus-Regierungsmaßnahmen - es macht sich aber auch zunehmend Frustration breit. Vor allem, wenn Zukunftsträume zerplatzen, könne das deren Psyche langfristig beeinflussen, sagt der Kinder- und Jugendpsychologe Roland Bugram zur "Wiener Zeitung".

Für die Umfrage im Rahmen des "Jugend Trend Monitor" wurden 2.658 Menschen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren zwischen Ende September und Ende Oktober befragt. 87,2 Prozent ist demnach bewusst, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen müssen, um die Verbreitung der Pandemie einzudämmen. 38 Prozent beurteilen die Arbeit der Bundesregierung positiv, nur 5,4 Prozent stellen ihr ein "Nicht genügend" aus.

Bezüglich der konkreten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sprechen sich 88,3 Prozent für die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln aus, rund 85 Prozent für Hygiene- und Abstandsregeln. Nur 36,7 Prozent begrüßten die frühe Sperrstunde in der Gastronomie - dass Lokale nun nur noch Abhol- und Lieferdienste anbieten dürfen, wurde erst am 31. Oktober verkündet und floss daher nicht in die Umfrage mit ein.

78 Prozent der jungen Österreicher halten sich demnach auch an die Maßnahmen, allen voran an die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht. Allerdings gelingt es nur rund einem Drittel, den Abstand immer einzuhalten. Fast die Hälfte gibt an, in der vergangenen Woche gar nicht ausgegangen zu sein, ein Viertel war an zumindest einem Abend aus. Frauen seien bei den Maßnahmen konsequenter, heißt es.

Und: Nur noch 16,3 Prozent verfolgen die Pandemie-Nachrichten aufmerksam. 10,5 Prozent haben das Interesse daran verloren.

"Social Media unbefriedigend"

Warum? "Junge Menschen geben sich im ersten Moment meist locker, wenn man sie auf den Lockdown anspricht. Wenn man näher hinschaut, sieht man aber, dass sie zunehmend frustriert und traurig sind", sagt dazu Kinder- und Jugendpsychologe Bugram.

Es seien das Fehlen der sozialen Kontakte, wenn durch den Online-Unterricht die Schule als psychosoziale Bildungsstätte wegfällt, aber auch die berufliche Ungewissheit, die den Jungen zu schaffen machten. Der Umfrage zufolge ist persönlicher Kontakt mit Freunden für 91,2 Prozent wichtig - sich ausschließlich über soziale Medien auszutauschen, sei langfristig unbefriedigend, sagt Bugram. Und wenn ein junger Mensch, der zum Beispiel immer schon Koch werden wollte, vermutlich für längere Zeit keine Lehrstelle mehr finden wird, verliere er seinen Anhaltspunkt.

Knapp die Hälfte meint laut Umfrage zudem, dass sich der Online-Unterricht zuhause negativ auf die Qualität der Ausbildung auswirkt. Nur zwei Drittel konnten diese trotz des Virus zur geplanten Zeit abschließen. 87,5 Prozent sind überzeugt, dass es Berufseinsteiger nun besonders schwierig haben.

"Die Jugendzeit ist jene Zeit, in der man lernt, zu sagen, was man möchte und was nicht, in der man weg von der Obhut der Eltern kommt und sich auf seine Zukunft freut. Das ist ein wesentlicher Teil der Persönlichkeitsentwicklung", so Bugram. Fällt diese Perspektive weg, könne die Freude am Leben verloren gehen. "Aus der Angstforschung wissen wir: An erster Stelle steht nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Angst vor dem Unbekannten."

Denn problematisch sei auch, nicht zu wissen, wann die Krise vorüber ist. Der Umfrage zufolge können sich 69,1 Prozent ab Mai 2021 einen Besuch von Konzerten und 57,2 Prozent von Festivals vorstellen. 86,7 Prozent glauben, dass zumindest wieder Kurzstreckenreisen innerhalb Europas möglich sein werden.