Über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren hinweg soll ein Niederösterreicher 52 Minderjährige sexuell missbraucht haben. Bei den Opfern handelt es sich nach Polizeiangaben vom Montag um Personen männlichen Geschlechts im Alter von elf bis 17 Jahren. Der Beschuldigte aus dem Bezirk Amstetten wurde festgenommen und sitzt in der Justizanstalt St. Pölten in Untersuchungshaft. Er ist umfassend geständig.

Die Opfer stammen aus den niederösterreichischen Bezirken Amstetten, Scheibbs und Melk sowie aus dem Bezirk Perg in Oberösterreich. Zur Last gelegt werden dem 27-Jährigen fünffacher schwerer sexueller Missbrauch Unmündiger, elffacher sexueller Missbrauch Unmündiger, der sexuelle Missbrauch Jugendlicher in 36 Fällen sowie die mehrfache pornografische Darstellung Minderjähriger und die mehrfache Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen, berichtete die Landespolizeidirektion Niederösterreich.

Der Mann hat die Kontakte zu seinen späteren Opfern Polizeiangaben zufolge meist über Messengerdienste hergestellt. Mit Zahlungsangeboten oder anderen Versprechen soll er die Minderjährigen zu einschlägigen Videoaufnahmen oder persönlichen Treffen verleitet haben. Die sexuellen Übergriffe soll der österreichische Staatsbürger in seiner Wohnung, seinem Pkw, aber auch in abgelegenen Waldstücken verübt haben.

Gestartet haben soll der Mann mit den illegalen Handlungen im Jahr 2014. Er flog auf, nachdem er im Mai zu einem 12-Jährigen Kontakt aufgenommen hatte - wie üblich via Messengerdienst. Von einem geplanten Treffen erfuhr die Staatsanwaltschaft St. Pölten, am 13. Mai wurde der Beschuldigte in seiner Wohnung festgenommen.

Bei den folgenden Ermittlungen kam auch ans Licht, dass der 27-Jährige gemeinsam mit einem 22 Jahre alten türkischen Staatsbürger aus dem Bezirk Amstetten über längere Zeit einen psychisch beeinträchtigten Mann regelrecht gequält hatte. Das Duo soll unter anderem Zigaretten auf dem Körper des 23-Jährigen ausgedämpft und ihn gefesselt und geschlagen haben. Der Mostviertler soll auch unter Androhung von Gewalt zu Sprüngen in kalte Gewässer gezwungen worden sein. Nicht zuletzt soll der 27-jährige Hauptbeschuldigte auch geschlechtliche Handlungen an der psychisch beeinträchtigten Person vorgenommen haben. Für den 22-jährigen Türken klickten am 18. September die Handschellen. Er war teilweise geständig und sitzt wie sein Komplize in der Justizanstalt St. Pölten in Untersuchungshaft.

Seitens der Landespolizeidirektion Niederösterreich wurde am Montag ein genereller Rat an Angehörige ausgesprochen, "mit ihren Kindern rechtzeitig zu sprechen". Die sozialen Netzwerke und Messengerdienste seien an sich ein tolles Mittel zur Kommunikation, "aber leider gilt wie überall, wo Licht ist, ist auch Schatten". (apa)