Mit Dezemberbeginn kündigt sich ab dem morgigen Mittwoch  ein Wetterumschwung in Österreich an. In der Nacht auf Donnerstag könnte es in großen Teilen Österreichs bis hin ins östliche Flachland nach einem Italien-Tief schneien.

Der November 2020 war einer der zehn trockensten der Messgeschichte und auf den Bergen auch der drittwärmste November seit Messbeginn mit 3,9 Grad über dem vieljährigen Mittel. Anderswo war davon nichts zu merken: "In den Niederungen hingegen lag dieser November mit einer Abweichung von nur 0,6 Grad nur knapp über dem Durchschnitt", sagte der Klimatologe Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Zumindest im Bergland präsentierte sich der November fast als Gegenentwurf zum nassen und trüben Vormonat, denn dort zeigte sich die Sonne größtenteils um 30 bis 50 Prozent länger als in einem durchschnittlichen elften Kalendermonat - im Oktober hingegen lag die Zahl der Sonnenstunden um 27 Prozent unter dem vieljährigen Mittel. Laut ZAMG sind es die der Jahreszeit entsprechenden typischen großen Gegensätze in Form einer Inversionswetterlage mit oft sonnigem und mildem Wetter im Bergland und kühlem Nebelwetter im Flachland, die sich dieses Jahr gezeigt haben.

Typisches Nebelwetter im Flachland

Die Nebelregionen im Flachland verzeichneten in diesem November auch eine einigermaßen durchschnittliche Sonnenscheindauer, sehr sonnig war es hier nur rein statistisch: In der Auswertung über die gesamte Fläche Österreichs ergibt sich in Summe um 40 Prozent mehr Sonnenscheindauer als im Mittel und damit einen der fünf sonnigsten November der Messgeschichte.

Das trockene Hochdruckwetter sorgte aber auch für einen der zehn niederschlagsärmsten November der Messgeschichte. In der österreichweiten Auswertung gab es 74 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel - und das wirkte sich auch auf die Schneelage aus. "Unterhalb von 1.000 Meter Seehöhe blieb dieser November nahezu schneefrei", stellte ZAMG-Klimatologe Orlik fest, "im Hochgebirge blieb die Schneedecke aus dem Oktober zum Teil erhalten, aber die Summe der täglichen Neuschneemengen lag deutlich unter dem Mittel. Zum Beispiel schneite es an der Wetterstation Rudolfshütte, auf 2.317 Meter Seehöhe in den Hohen Tauern in Salzburg, in diesem November nur 34 Zentimeter. In einem durchschnittlichen November fallen hier 178 Zentimeter Neuschnee.

Die Inversionswetterlagen, wenn sich die kalte Luft in Bodennähe sammelt und in den Niederungen ausgedehnte Hochnebelfelder ausbilden, sorgten für Temperaturabweichungen, die mit zunehmender Seehöhe immer größer wurden. Die relativ kältesten Regionen waren diesmal die tieferen Lagen Unterkärntens sowie die West- und Oststeiermark, das Mur- und Mürztal und das Südburgenland. Hier lagen die Temperaturabweichungen zwischen minus 0,5 und plus 0,5 Grad Celsius. Im Großteil Oberösterreichs und Niederösterreichs, in Wien, im Nord- und Mittelburgenland sowie in den Tallagen von Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberkärnten war der November zwischen 0,5 bis 1,5 Grad wärmer als das vieljährige Mittel. Die relativ wärmsten Regionen des Landes lagen mit Abweichungen von plus vier bis 4,4 Grad oberhalb von 2.000 Meter Seehöhe.

Zwei Tiefdruckgebiete aus Italien

Jetzt kommt Bewegung ins Wetter. Diese Woche entstehen nacheinander zwei Tiefdruckgebiete in Oberitalien, die das Wetter in Östereich prägen werden. Die Schnee- und Regenmengen sind noch unsicher, so der Stand der Zentralanstalt für Meteorologie mit der Prognose vom Dienstag. Sicher ist jedoch, dass es mit dem ersten Italien-Tief am Mittwoch im Süden bis in tiefe Lagen zu schneien beginnt. In der Nacht auf Donnerstag breitet sich der Schneefall auf den Großteil Österreichs aus und klingt am Donnerstagnachmittag wieder ab.

Zehn bis 20 Zentimeter Neuschnee dürfte das erste Italien-Tief Mitte der Woche in Osttirol, Kärnten und in den südlichen Regionen der Steiermark bringen. Vereinzelt sind auch um die 30 Zentimeter möglich, wie im Gailtal. Im Flachland, wie im Raum Wien, sind am Donnerstag erstmals Schneeflocken möglich. Stellenweise könnte es dabei auch für eine dünne Schneedecke reichen.

Ab Freitag strömt vom Mittelmeer her feuchte und milde Luft nach Österreich, staut sich an der Südseite der Alpen und lässt das nächste Italien-Tief entstehen. Dabei kommen aus aktueller Sicht im Süden Österreichs sehr große Regen- und Schneemengen zusammen. Speziell in Oberkärnten und in Osttirol sowie im Bereich des Tiroler Alpenhauptkamms sind von Freitag bis Sonntag 100 und 200 Liter pro Quadratmeter möglich, vereinzelt auch mehr.

Im Hochgebirge können dabei ein bis über zwei Meter Neuschnee zusammenkommen. Die Schneefallgrenze ist sehr unterschiedlich und liegt zwischen etwa 600 und 1.500 Meter. Speziell in Osttirol und Oberkärnten kann es bis in die Täler stark schneien. Dabei ist in Hochtälern wie im Defereggental auch über ein Meter Neuschnee möglich. Die starke Südströmung sorgt auf den Bergen für Föhnsturm mit mehr 100 km/h und greift zeitweise auch in den Niederungen an der Nordseite der Alpen durch. (apa)