Ist auf einmal die Zahl der Covid-Todesfälle in Österreich explodiert? Das Gesundheitsministerium meldete am Donnerstagvormittag nach der Videokonferenz mit den Bundesländern 218 Sterbefälle. Tatsächlich handelte es sich dabei um allein 120 Nachmeldungen aus Wien, die aufgrund einer nun erfolgten Definitionsumstellung dem Ministerium gemeldet wurden. In Wien sind nun offiziell 909 Personen an Covid-19 gestorben. 15 kamen in den vergangenen 24 Stunden hinzu.

Es gibt, auch international, unterschiedliche Definitionen eines Covid-Todesfalls. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind all jene Fälle zu zählen, die binnen 28 Tagen vor Todeszeitpunkt positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden sind, auch wenn die Covid-19-Erkrankung laut Totenbeschau nicht ursächlich für den Tod gewesen ist.

Das habe, heißt es in einer Aussendung des Krisenstabs aus Wien, "in der Vergangenheit immer wieder zu Nachmeldungen geführt, wenn die Todesfälle keine aktiven Covid-Fälle betrafen." Zusätzlich seien die Fälle von den Bundesländern und der Gesundheitsagentur Ages zum Teil unterschiedlich zugeordnet worden, entweder nach der jeweiligen Zuständigkeit entsprechend dem Sterbeort oder nach dem Wohnort.

Verwirrungen sollen vermieden werden

Die Stadt Wien wird deshalb nur mehr jene Covid-Todesfälle darstellen, die von der Ages kommuniziert werden, "um unnötige Verwirrungen und Nachmeldungs-bedingte Inkonsistenzen für den weiteren Verlauf der Pandemie auszuschließen", wie es heißt. Die Umstellung führte nun aber zu einer deutlichen Anhebung der Todeszahlen.

Dass es immer wieder zu Nachmeldungen kommt, eben auch wochenlang zurückliegend, liegt in der Natur der Falldefinition. Dem Innen- und Gesundheitsministerium werden in der Früh von den Bundesländern neue Eintragungen gemeldet, im Dashboard der Ages werden diese Meldungen dann dem Sterbetag zugeordnet, um die epidemiologische Entwicklung besser darstellen zu können. Jeden Tag sterben in Österreich durchschnittlich etwa 100 Personen.

1.017 Todesfälle in Oberösterreich

Oberösterreich hat am Donnerstag als erstes Bundesland die Marke von 1.000 Verstorbenen im Zusammenhang mit Covid-19 überschritten. Der Krisenstab meldete zu Mittag 1.017 Fälle, nachdem schon in der Früh 999 ausgewiesen worden waren. Für Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) zeige die "traurige Statistik leider schonungslos auf, wie gefährlich dieses Virus ist. Diese hohe Anzahl an Todesfällen muss auch die letzten Skeptiker wachrütteln", meinte er.

Unter den Toten befinden sich sieben, die noch nicht einmal 50 Jahre alt waren. Besonders stark betroffen - mit einem Anteil von 38 Prozent der gesamten Sterbefälle - sind Alters- und Pflegeheime, in denen seit Ausbruch der Pandemie 390 Bewohner an oder mit Corona gestorben sind. Angesicht dieser Statistik hinter der "vor allem Schicksalsschläge und viel Leid in den Familien" stehen, appellierte der Landeshauptmann an den Weihnachtsfeiertagen "Abstand zu halten, unbedingt die Schutzmaßnahmen zu befolgen, aber auch das Angebot, sich kostenlos testen zu lassen, in Anspruch zu nehmen".

Laut der tagesaktuellen gemeinsamen Statistik der Bundesländer sowie des Innen- und Gesundheitsministeriums rangiert Oberösterreich mit 670,3 Toten pro einer Million Einwohner auch bei der relativen Rate im traurigen Spitzenfeld. Höher ist die Rate demnach nur in Kärnten und der Steiermark mit mehr als 700 pro einer Million. (sir/apa)