"Heute keine Tickets mehr verfügbar!" Mit hellgrüner Kreide geschrieben stand der Satz am Sonntag schon zu Mittag auf einer schwarzen Tafel unter der Skigebietskarte vor dem Kassenhaus in St. Corona am Wechsel. Der Parkplatz war zu diesem Zeitpunkt noch nicht voll ausgelastet, ein paar mehr Familien hätten also mit ihren Kindern noch zum Skifahren lernen oder zum Rodeln kommen können - wenn nicht das strenge Corona-Regime gegriffen hätte, das neben FFP2-Maskenpflicht in allen geschlossen oder schließbaren Liften und Gondeln auch eine strikte Limitierung der Kontingente bei den Liftkarten vorsieht. Teilweise wurden lediglich Halbtageskarten ausgegeben.

Sturm legt Hochkar lahm, Stuhleck öffnet

Die Folge: Während die einen sich ärgerten, dass sie keine Liftkarten mehr kaufen konnten, hatten die anderen insbesondere am Sonntag das, was man gemeinhin als perfekten Skitag empfindet: Kaiserwetter am Himmel und teilweise leere Pisten auf dem Berg. Und so konnten die meisten großen Skigebiete in Ostösterreich am Sonntag ihre (auf unter die Hälfte der üblichen Gästezahlen reduzierten) Kontingente voll ausschöpfen: Semmering, Mönichkirchen-Mariensee, Annaberg, Hochkar, Ötscher und St. Corona meldeten die Erreichung des Höchststandes. Und selbst am Hochkar, wo ein Sturm für Liftsperren sorgte, konnte man letztlich doch mehrere Stunden Skivergnügen verbuchen. Besagter Sturm sollte allerdings noch heftiger werden, weshalb der Skibetrieb am Hochkar für heute, Montag, eingestellt werden muss. Ob am Dienstag wieder gefahren werden kann, wird noch entschieden. Dafür sperrt heute das Stuhleck, das größte Skigebiet in der näheren Umgebung Wiens, auf. Die Vorbereitung des Hygienekonzeptes hat dort offenbar etwas länger gedauert, dafür versprechen die Verantwortlichen jede Menge Toiletten inklusive Desinfektionsmittel.

Apropos Virenschutz: Das erste lange Skiwochenende, das sich mit dem Beginn des dritten Corona-Lockdowns überschnitten hat, zeigte, dass die überwiegende Mehrzahl der Skigäste sich an die Regeln hält: Die Mindestabstände werden auch beim Anstellen vor dem Lift fast immer eingehalten (wobei die Betreiber die Schleusen entsprechend eingerichtet haben, dass man einander seitlich ohnehin nicht zu nahe kommt, während nach vorne und hinten die Ski automatisch für eine gewisse Distanz sorgen), und auch Maskenverweigerer dürfte es kaum gehen. "Die Leute, die zu uns kommen, wissen, worauf sie sich einlassen", hatte Hochkar-/Ötscherlifte-Geschäftsführer Rainer Rohregger im Vorfeld gemeint. Und er sollte rechtbehalten. Wobei sich auch zeigte: Die Einhaltung der Sicherheitsabstände steht und fällt mit dem Leitsystem bei den Liften.

Die meisten offenen Skigebiete rund um Wien waren am Sonntag ausgebucht (so wie hier in St. Corona am Wechsel. - © WZ
Die meisten offenen Skigebiete rund um Wien waren am Sonntag ausgebucht (so wie hier in St. Corona am Wechsel. - © WZ

Rodler als Problem

Trotz Kontingentreduktion teilweise völlig überlaufen war der Semmering. Bilder von dicht an dicht gedrängten Skifahrern im Liftzugang kursierten am Wochenende im Netz, das Verkehrsleitkonzept stieß an seine Grenzen. Problematisch dabei waren allerdings vor allem die Rodler und Bobfahrer, hieß es. Viele reisten nämlich einfach auf gut Glück an, parkten ihre Autos dabei "wild" und sorgten somit nicht nur für überlaufene Rodelwiesen, sondern machten auch den Ordnern bei den Zufahrten zum Skigebiet zu schaffen. Die Gemeinde Semmering zog deshalb am Samstag die Notbremse und stellte nicht nur 250 Absperrgitter auf, sondern sperrte auch die Rodelwiesen. Die offizielle Rodelstrecke blieb offen - man brauchte dafür freilich ebenfalls ein Online-Ticket.

Die Konsequenzen aus dieser Maßnahme zeigten sich am Sonntag: Einerseits berichteten die Parkplatzwächter am Semmering in der Früh, dass es "heute bisher um etliches weniger schlimm ist als gestern und vorgestern", und das trotz der bevorstehenden Damen-Weltcuprennen, die die Kapazitäten für den Publikumsskilauf weiter reduzieren. Allerdings gab es auch am Sonntag in der Früh Schlangen vor dem Skiverleih. Andererseits zeigte sich im nahen Familienskiresort St. Corona am Wechsel ein vermehrtes Rodler- und Bobfahreraufkommen. Auch hier musste freilich ein Online-Ticket gelöst werden, um Lift und Rodelwiese benutzen zu dürfen. Unachtsame Eltern, die mit Kind und Bob einfach den Hang hinauf stiefelten, um sich die Liftkarte zu ersparen, gerieten dabei mehrmals auch auf die Kinderskipiste, wo sie im Parcour im Weg standen - die allgegenwärtigen Aufsichten sorgten aber dafür, dass es zu keinen Kollisionen kam. Überhaupt wurden mehrere Skilehrer dafür abgestellt, für die Einhaltung der Corona-Regeln rund um die Lifte zu sorgen.

Ihre Kollegen wiederum waren gut gebucht. Einerseits, weil heuer unzählige Schulskitage und -wochen ausfallen und somit mehr privat gebucht werden dürfte. Andererseits, weil die aktuelle Verordnung nur die Betreuung von Kindern jeweils aus einem Haushalt erlaubt. Sprich: Gruppenkurse fallen derzeit weitgehend aus. Das hat für beide Seiten Vor- und Nachteile: Eltern müssen für den Einzelunterricht mehr bezahlen, dafür können sie von maximaler Betreuung ausgehen. Die Skilehrer wiederum können zwar auf das eine Kind voll eingehen, dafür fällt die gegenseitige Motivation durch die sogenannte Peer-Group weg. "Wir haben unser Skilehrer-Kontingent immer wieder aufgestockt, weil die Buchungslage besser ist als erwartet", erzählte Ines Buchgeher am Sonntag.

Anrufen bringt nichts, wenn online alle Tickets weg sind

Die Marketing-Verantwortliche der Erlebnisarena St. Corona zog im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" eine sehr positive Bilanz und stellte ebenso wie ihre Kollegin vom Hochkar, Karin Munk, den Skigästen insgesamt ein sehr gutes Zeugnis in Sachen Disziplin aus. Nur eine Bitte konnte sich Buchgeher dann doch nicht verkneifen: "Schreiben Sie bitte, dass man unserem Online-Buchungssystem trauen kann. Wenn unsere Website sagt, dass wir ausgebucht sind, dann hat sie leider recht. Da bringt es dann auch nichts, wenn man bei uns nochmal extra anruft. Es gibt auch am Telefon keine Tickets mehr, und die Leute hängen umsonst in der Warteschleife."

Die Maskenpflicht wurde von den allermeisten Skigästen ohne Murren eingehalten (hier am Hochkar). - © WZ
Die Maskenpflicht wurde von den allermeisten Skigästen ohne Murren eingehalten (hier am Hochkar). - © WZ

Auch am Sonntag mussten in einigen Skigebieten immer wieder Gäste weggeschickt werden, die ohne Online-Buchung auf Verdacht angereist waren. Um sich derartige Diskussionen - und damit unnötiges Gedränge - im Kassenbereich zu ersparen, nutzt man etwa am Hochkar die dortige Mautstation nun auch gleich für die Liftkartenkontrolle: Wer kein Ticket vorweisen kann, kommt gar nicht erst zum Skigebiet durch. Zusätzlich gibt es eigene Pick-up-Automaten, bei denen man das Auto gar nicht verlassen muss, um sich seine bezahlte Liftkarte auszudrucken. In den meisten anderen Skigebieten stehen inzwischen ebenfalls Selbstbedienungskartenautomaten, die man zu Fuß ansteuert.

Ärger mit Ticket-Plattform

Für einigen Unmut sorgte am Wochenende allerdings die Ticket-Plattform www.starjack.at, die immerhin 72 namhafte Skigebiete bedient: User beschreiben sie als "kompliziert und unübersichtlich". Am meisten verärgert allerdings, dass die Information, wenn ein Kontingent ausgeschöpft ist, erst ganz am Schluss beim Bezahlen kommt und nicht gleich bei der Auswahl des jeweiligen Skigebiets. Außerdem bekommt man offenbar keine Rabatte, etwa mit der Niederösterreich-Card. Entgehen kann man dem nur bedingt, weil mehrere Skigebiet-Websites beim Kartenkauf direkt auf die Plattform weiterleiten.

Insgesamt können die östlichen Skigebiete das weihnachtliche Startwochenende aber als Erfolg verbuchen, wenn schon nicht wirtschaftlich, so zumindest imagemäßig. Auch, weil den anwesenden Skigästen stets das Gefühl vermittelt wurde, dass man die Corona-Maßnahmen wirklich ernst nimmt, das Ganze aber sehr freundlich verpackt. Am Hochkar etwa konnte man (auch wegen der Liftsperren im oberen Bereich) fast den Eindruck gewinnen, dass zeitweise mehr Personal als Skigäste im Liftbereich war. Negativ wirkte sich das Verbot von Skihütten aus. Zwar wurden in den Talstationen die Lounges geöffnet beziehungsweise Zelte zum Aufwärmen aufgestellt, diese sind jedoch streng limitiert, was die Zahl der zugelassenen Personen betrifft. Gerade in alpinen Regionen fehlt dann in der Höhe eine Möglichkeit, sich zwischendurch kurz aufzuwärmen. "Heute geht es ja noch mit dem Wetter. Aber wenn es hier einmal so richtig kalt wird, dann wird es echt ungemütlich", meinte denn auch ein Skigast am Hochkar gegenüber der "Wiener Zeitung".

Angesichts von Temperaturen um den Nullpunkt war wenigstens das Thema Mund-Nasen-Schutz kein Thema. Selbst die Kinder auf dem "Zauberteppich" waren ordentlich ausgerüstet. Manche Skifahrer sah man sogar auf Liften, wo sie nicht vorgeschrieben waren, FFP2-Masken tragen und damit auch den Berg hinunterfahren. Ihnen war offenbar das Auf- und Absetzen der Maske zu mühsam. Der Praxistest zeigte auch einmal mehr: Skihelm und Masken-Gummizug sind eine denkbar unangenehme Kombination, und die Maske unters Kinn zu schieben, ist auch nicht wirklich praktikabel. Hier wird es noch viele Diskussionen geben, nicht nur in den Online-Foren und Sozialen Medien.