Die Corona-Epidemie hat nicht nur mit zusätzlichen Assistenz- und Unterstützungsleistungen verstärkte Herausforderungen für das Bundesheer gebracht, sondern auch die Einberufungen junger Burschen zum Präsenz- und Zivildienst kräftig durcheinandergebracht. Nach einem zwölfwöchigen Aussetzen der Stellungspflicht bis Juni 2020 wegen der Coronakrise kam es zu einem Rückstau von 13.000 jungen Männern des Jahrganges 2002 bei der Stellung. Inzwischen ist der "Rückstau" auf 1930 Stellungspflichtige reduziert, berichtete Verteidigungsministerin Klaudia Tanner am Freitag.

Dieser Rückstau bei der Stellungspflicht beim Bundesheer  in den insgesamt sechs Stellungstraßen in Österreich soll in den kommenden Wochen bis Mai ebenfalls beendet werden. In Stellungstraßen in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich ist vorgesehen, dass die Rückstände bis zur übernächsten Woche aufgeholt werden, in Kärnten ist das bereits geschehen, in Tirol soll das bis Mai erfolgen. Die Verteidigungsministerin sicherte zu, dass man dabei auch um Einzellösungen für Betroffene für den Wehrdienst bemüht sei, sodass diese bereits begonnene Ausbildungen fortsetzen können. Betroffene junge Männer sollten sich diesbezüglich selbst an die jeweiligen Militärkommanden in den Bundesländern wenden.

Im heurigen Jahr gilt die Stellungspflicht für junge Männer des Jahrgangs 2003, das betrifft nach Angaben von Generalmajor Harald Vodosek rund 37.400 Stellungspflichtige. Für diese gilt allerdings eine Neuerung, denn seit dem heurigen Jahr kommt die sogenannte Teiltauglichkeit zum Tragen. Das bedeutet, dass auch Burschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, die in der Vergangenheit dann als untauglich für den Präsenzdienst eingestuft worden sind, nunmehr leichter zum Heeres- oder Zivildienst verpflichtet werden können. Damit hat das Verteidigungsministerium vor allem darauf reagiert, dass in der Vergangenheit rund ein Viertel der Stellungspflichtigten als untauglich wegen gesundheitlicher Einschränkungen eingestuft worden sind und damit für den Präsenz- oder auch den Zivildienst ausgefallen sind. Außerdem hat sich insgesamt durch eine Reduktion der Geburten die Zahl der Stellungspflichtigen eines Jahrgangs reduziert.

Erste Erfahrungen mit Teiltauglichkeit

Inzwischen liegen erste Erfahrungen mit der Teiltauglichkeit bei den Stellungen vor. Laut Verteidigungsministerin Tanner zeige sich, dass durch die Teiltauglichkeit pro Jahr etwa 2000 junge Männer zusätzlich für Präsenz- und Zivildienst zur Verfügung stehen werden. Damit würden sich die vor der Einführung angenommenen Schätzungen über die Auswirkungen der Neuregelungen bestätigen. Von den 2000 würden etwa 1200 zusätzlich den Grundwehrdienst absolvieren und etwa 800 den Zivildienst.

14.000 Zivildiener im Vorjahr

Im vergangenen Jahr haben rund 14.000 junge Männer den Zivildienst absolviert. Der Bedarf der insgesamt rund 1600 Trägerorganisationen vor allem im Sozialbereich, die Zivildiener beschäftigen, ist allerdings größer. Denn nach einer Bilanz der für den Zivildienst zuständigen Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) konnte der Bedarf im Vorjahr nur zu 85 Prozent gedeckt werden. Die meisten, rund 5700 junge Männer, waren im Rettungsdienst im Einsatz, knapp 4000 in der Sozial- und Behindertenhilfe.

Was die Stellungsstraßen betrifft, so ist in Ostösterreich trotz des geltenden Lockdowns mit ausgeweiten Schutzmaßnahmen für den Betrieb vorgesorgt. Für Wien ist außerdem künftig die Einrichtung einer völlig neuen Stellungsstraße in der Van Swieten-Kaserne geplant. Dafür sind nach Angaben der Verteidigungsministerin Investitionen von elf Millionen Euro vorgesehen.