Trotz Coronapandemie sorgen sich die Österreicher weiterhin um das Thema Integration - und zwar jeder Zweite, wie eine regelmäßige Befragung des Meinungsforschers Peter Hajek im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds ergab. "Es ist ein manifestes Thema über die Jahre hinweg", betonte Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) am Donnerstag bei der Präsentation der Zahlen. Zudem habe die Pandemie die Integration erschwert, gelten doch persönliche Kontakte als Motor.

Hajek befragte für das "Integrationsbarometer" zum elften Mal 1.000 österreichische Staatsbürger ab dem 16. Lebensjahr. Die maximale Schwankungsbreite liegt bei plus/minus 3,1 Prozent. Die Befragungen wurden vom 8. bis zum 23. Februar per Telefon und online durchgeführt. Erhoben wird das Integrationsbarometer seit November 2015.

Sorgen wegen Pandemie bedeutender

55 Prozent der Befragten gaben an, sich um die Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern "sehr oft bzw. öfter" Sorgen zu machen, 53 Prozent nannten den politischen Islam als Grund. Damit rangierten die beiden Themen auf Platz sechs und acht der Sorgenleiste, die freilich aktuell von der Pandemie dominiert wird. An erster Stelle stehen dabei die wirtschaftliche Lage (68 Prozent), ein erneuter Anstieg von Covid-19-Fällen (67 Prozent) aber auch Klimaerwärmung & Umweltfragen (63 Prozent) sind unter den Top-Sorgen der Österreicher zu finden.

Auf nahezu gleichbleibendem Niveau bewegt sich jedoch die Einstellung der heimischen Bevölkerung zum Zusammenleben mit Zuwanderern. 51 Prozent bezeichnen dieses aktuell als schlecht, 42 Prozent als gut. Jenes mit Flüchtlingen sehen 59 Prozent als schlecht, 30 Prozent als gut an. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Beurteilung des Miteinanders mit Muslimen, was 59 Prozent als schlecht, lediglich 27 Prozent als gut werten.

Das Sicherheitsgefühl hat sich laut Hajek "signifikant verschlechtert". Dabei könnte freilich der Terroranschlag von November eine Rolle spielen. Eine Steigerung gab es auch bei der Frage der Wahrnehmung von Parallelgesellschaften. 73 Prozent sehen diese, neun Prozent hingegen nicht.

Austausch fördert positiveres Bild

"Wirklich spannend" ist für Hajek, dass jene, die Kontakt mit Migranten haben, das Zusammenleben "exorbitant" positiver beurteilen. "Habe ich zu den Menschen ein Gesicht, habe ich Austausch und Kontakt, dann habe ich eine signifikant bessere Einstellung", so Hajek. Wenn die Gruppe anonym ist und als Masse wahrgenommen wird, hat man verstärkt Sorge. Daher müsse die Politik Rahmenbedingungen schaffen, um den Kontakt zu intensivieren.

Integrationsministerin Raab kündigte an, nach der Pandemie etwa die Freiwilligenarbeit und das Ehrenamt zu stärken, um mehr persönlichen Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Migration zu ermöglichen.  - © Apa / Hans Punz
Integrationsministerin Raab kündigte an, nach der Pandemie etwa die Freiwilligenarbeit und das Ehrenamt zu stärken, um mehr persönlichen Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Migration zu ermöglichen.  - © Apa / Hans Punz

Genau das kündigte Raab für die Zeit nach der Pandemie an. Derzeit seien persönliche Kontakte stark eingeschränkt, diese seien aber die Basis für die Integration. Man habe versucht, auf andere Formate wie Online-Deutschkurse umzuschwenken, das sei aber einfach kein Ersatz, um die Menschen zu erreichen, so Raab. Daher wolle man nach der Pandemie den Schwerpunkt bei den persönlichen Kontakten setzen, etwa die Freiwilligenarbeit und das Ehrenamt stärken. Auch sollen verpflichtende Deutsch- und Wertekurse ausgebaut werden. Auch Parallelstrukturen könnten nur aufgebrochen werden, wenn man Kontakte ermöglicht.

Eine "große Hürde" stelle bisweilen auch das unterschiedliche Frauenbild dar, dieses bereite vielen Menschen Sorge. Dabei gelte es kulturell bedingte, patriarchale Rollenbilder zu "durchbrechen". Frauen und Mädchen sollen gestärkt werden, insbesondere am Arbeitsplatz. (apa)