Vor der für 19. Mai angekündigten Lockerung der Corona-Maßnahmen gilt zwei Bundesländern besondere Aufmerksamkeit: Wien entscheidet am Dienstag, ob es den seit 1. April laufenden harten Lockdown als einziges Bundesland verlängert. Vorarlberg, seit Mitte März die Modellregion für großflächige Öffnungen, kämpft dagegen mit stark steigenden Infektionszahlen. Zurück in den Lockdown will man dort trotzdem nicht und verweist auf nach wie vor freie Plätze auf den Intensivstationen.

Vorarlberg war am Montag mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 239 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern das österreichische Bundesland mit den am stärksten steigenden Fallzahlen. In Österreich liegt die Inzidenz durchschnittlich bei 175. Zum Start der Öffnung am 15. März betrug die Inzidenz in Vorarlberg 67 und war damit deutlich niedriger als in allen anderen Bundesländern.

Am anderen Ende stehen derzeit Niederösterreich und das Burgenland, wo der am 1. April verhängte vierte harte Lockdown (der "Ost-Lockdown") die Infektionszahlen besonders stark gedrückt hat. Im Burgenland lag die Wocheninzidenz am Montag bei 111,1. Das Burgenland ist bereits wieder in den "Lockdown-Light" gewechselt, wie er anderswo seit November gilt. Niederösterreich hat das für 2. Mai angekündigt. Wien entscheidet am Dienstag. Hier waren die Infektionen zuletzt deutlich höher als in den anderen beiden Ost-Bundesländern - mit einer von der AGES ausgewiesenen Inzidenz von 190 am Montag.

Wenige Intensivpatienten

Dass Vorarlberg trotz der stark steigenden Infektionszahlen seine Öffnungen weitgehend beibehält, begründet der Corona-Berater der Landesregierung, Armin Fidler, mit der anhaltend geringen Auslastung der Intensivstationen. Die steigenden Infektionszahlen führt Fidler in den "Vorarlberger Nachrichten" auf die Ausbreitung der "britischen Variante" des Virus zurück, die in Vorarlberg vor der Öffnung kaum präsent war, sowie auf regionale Cluster. Daher werden die Oberstufen im Bregenzerwald und in Lustenau auf Fernunterricht umgestellt, die Ausreisetestpflicht im Bregenzerwald verlängert.

Tatsächlich ist die Zahl der Intensivpatienten mit einer Corona-Infektion zuletzt wieder leicht gesunken und liegt mit aktuell acht in etwa im Durchschnitt der letzten drei Wochen. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland haben die sinkenden Infektionszahlen dagegen noch nicht zu einer Entlastung der Intensivstationen geführt. Alle drei Länder lagen zuletzt über der kritischen Auslastungsgrenze von 33 Prozent Corona-Patienten. Allerdings hat auch Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Wochenende gewarnt, dass steigende Infektionen erst mit zwei bis drei Wochen Abstand auf die Intensivstationen durchschlagen. (apa)