Ein Großteil der Eltern, nämlich 62,5 Prozent, hat sich wegen der Corona-Krise eher nicht oder gar keine Sorgen um die Gesundheit ihrer Schulkinder gemacht. Auch über langfristige psychische Auswirkungen zeigten sich 57 Prozent wenig besorgt. Gleichzeitig empfanden bei einer neuen Untersuchung eines Forscherteams der Fakultät Psychologie der Universität Wien über "Lernen unter Covid-19-Bedingungen" alle Gruppen - Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleiter - die Situation als sehr stark belastend.

Bei der fünften Erhebung seit Beginn der Pandemie, die heuer im April und Mai durchgeführt wurde, lag der Fokus besonders auch auf Eltern und Pädagogen. Insgesamt haben 3.941 Personen an der Erhebung teilgenommen. Bei den 1.353 befragten Müttern und Vätern waren 90 Prozent berufstätig, rund ein Viertel von diesen arbeitete im Homeoffice. Mit 52,4 Prozent rechnete gut die Hälfte der Eltern nicht mit langfristigen Nachteilen für die Ausbildung ihrer Kinder durch Lücken im Unterrichtsstoff. Immerhin ein Fünftel (20,4 Prozent) erwartete aber derartige Nachteile voll und ganz, weitere 14,1 Prozent "eher schon" und 13,2 Prozent "schon".

43 Prozent der Eltern
fehlte Zeit für sich

Eltern, die meinten, dass sie trotz der schwierigen Umstände ihr Kind bei den Schulaufgaben und Anforderungen des Alltags gut unterstützen könnten, waren auch eher davon überzeugt, dass dieses keine langfristigen Nachteile durch die Krise haben würde. Das Gleiche galt für Eltern, in deren Augen es ihrem Kind gut gelungen sei, sich an den Fernunterricht anzupassen,

Trotz der weitgehenden Zuversicht fühlten sich die Eltern selbst überdurchschnittlich stark durch die Lernsituation ihrer Schulkinder belastet, geht aus der Untersuchung hervor. Jede zweite Mutter oder Vater stimmte der Aussage zu, es gebe Zeiten, in denen sie oder er nicht allen Anforderungen gerecht werden könne. Nur 27,2 Prozent stimmten dieser Aussage nicht zu. Gleichzeitig berichteten 43,1 Prozent der befragten Eltern, dass sie nie Zeit für sich selbst hätten.

Als besonders schwierig erlebten viele Eltern, ihren Kindern den Kontakt mit Freunden nicht ermöglichen zu können. Für viele war es herausfordernd, eine Balance zwischen der Unterstützung ihrer Kinder beim Lernen zuhause, Homeoffice, privaten Verpflichtungen etwa im Haushalt und Freizeit zu finden. Entscheidend für die Einschätzung der Belastung war die jeweils erlebte Unterstützung: Eltern, die angaben, mit Vertrauenspersonen über ihre Probleme sprechen zu können und Hilfe zu erhalten, berichteten auch, weniger belastet zu sein.

Von den 1.027 befragten Lehrerinnen und Lehrern gaben 85,1 Prozent an, mehr Stunden als unter normalen Umständen zu arbeiten. Rund ein Viertel der Pädagogen fühlte sich unter den Corona-Bedingungen im April/Mai dieses Jahres überfordert - zuvor hatte es bereits monatelang Heimunterricht und Schichtbetrieb an den Schulen bis 17. Mai gegeben. Als besondere Herausforderungen wurden die oft sehr kurzfristig erfolgten Informationen durch die Politik und die häufig wechselnden Rahmenbedingungen, die eine Planung des Unterrichts erschwerten, wahrgenommen.(ett)