Einen ernüchternden Blick auf die Geschlechtergleichstellung hat eine Studie zur Verteilung unbezahlter Arbeit im Krisenmodus der Pandemie zutage gefördert. In Familien mit Kindern wurde demnach meist die Erwerbsarbeit der Väter über jene der Mütter gestellt. Die etwa durch Homeschooling gestiegene Betreuungsarbeit blieb laut Ökonomin Katharina Mader stark an den Müttern hängen. Die Lockdownsituation habe vielfach die "Illusion von Gleichstellung" geraubt, so ein Fazit.

Das Team um die Forscherin vom Institut für Heterodoxe Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) und der Arbeiterkammer (AK) Wien hat während und kurz nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr 2.113 Personen online dazu befragt, wie sie ihre Zeit verwenden. Bei den Untersuchungsteilnehmen handle es sich jedenfalls nicht um eine auf mehr oder weniger auf ganz Österreich umlegbare Stichprobe, sondern eher um eine "urbane Mittelschichtstudie", sagte Mader am Dienstag in der Online-Vortragsreihe "Wien erforscht Corona" des Wiener Wissenschafts-, Forschungs-und Technologiefonds (WWTF).

Dementsprechend seien die aus Gleichstellungssicht nicht sehr rosigen Aussichten darin gesamtgesellschaftlich vermutlich noch ausgeprägter. Man habe sich vor allem deshalb auf die Mehrfachbelastung am Start der Covid-19-Krise in den Haushalten konzentriert, da die Anteile der Kinder in Betreuungseinrichtungen in den folgenden Lockdowns ab Herbst 2020 deutlich höher waren.

Insgesamt habe sich der Anteil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit, die von Männern erledigt wird, seit dem Jahr 1981 zwar erhöht. Jene Zeit, die Frauen dafür aufwenden, hat sich seither aber trotzdem nicht merklich reduziert, wie Zeitverwendungserhebungen zeigen würden, sagte Mader. Sozusagen im ersten Schock der Eindämmungsmaßnahmen zeichneten einige Befragte nun ein nochmals auffallend konservatives Rollenbild was die Verteilung betrifft.

So leisteten Alleinerzieher insgesamt die allermeiste unbezahlte Arbeit, Mütter in Paarhaushalten standen ihnen aber kaum um etwas nach. Durch den Partner im Haushalt wurde die Arbeit nicht gleichmäßiger verteilt, so die Forscherin. Je jünger die Kinder waren, desto weniger Erwerbstätigkeit leisteten Frauen, aber auch bei älteren Kindern im Familienverband war die Hausarbeit kaum gleichmäßiger verteilt. Das etwa in den 1990er Jahren stark propagierte "50:50" bei der Hausarbeit finde sich nahezu "nirgendwo annähernd".

Zudem habe das Homeschooling tatsächlich bei kleinen und großen Kindern viel Zeit in Anspruch genommen. Reduziert sich sonst bei derartigen Erhebungen die Betreuungszeit für Kinder, umso älter diese werden, war dies im April und Mai letzten Jahres nicht so. Mehr Freizeit war den Müttern in der Lockdownsituation tendenziell erst gegönnt, wenn die Kinder älter waren.

Väter hatten demnach insgesamt mehr Freizeit. Das funktionierte in etwa nach dem Motto: "Seine Erwerbsarbeit ist die wichtigere, also ist auch seine Freizeit wichtiger", sagte Mader. Dass die Erwerbsarbeit der Väter oft höher gewichtet wurde, zeige sich auch darin, dass sie seltener mit den Kindern im selben Raum arbeiteten. Wie schlecht sich die Homeofficesituation mit Kindern vereinbaren ließ, könne man auch an "ganz massiven Schuldgefühlen gegenüber Kindern und Arbeitgebern" bei den Eltern herauslesen.

Den Diskurs über ein Comeback der Rollenverteilung der 1950er Jahre habe es mit Beginn der Krise zwar rasch gegeben, die Daten würden aber auch zeigen, dass die Situation schon davor oft kaum anders war. "Der unbezahlte Bereich wurde von einem sukzessive diskriminierungsfreieren Raum am Erwerbsarbeitsmarkt überlagert", so Mader. "Dass wir eigentlich gar nicht dort waren, wo wir angenommen haben" in Sachen Gleichstellung habe die Krise nun aufgezeigt. Das würden auch Daten aus anderen Ländern illustrieren, sagte die Wissenschafterin: "Alle Frauen eint die Zuschreibung der Betreuungspflicht und der Nachteil daraus im Moment ganz stark." (apa)