Das Klima hat sich schon immer verändert. Selbst innerhalb eines Eiszeitalters wechseln Kaltzeiten und Warmzeiten einander stets ab - und jede Zeit hat ihre Verlierer und Gewinner. Wir befinden uns gerade in einer Warmzeit eines Eiszeitalters. In Österreich ist es heute um fast zwei Grad wärmer als 1880, freilich vorangetrieben durch den Menschen und seine CO2-Produktion. Die Dürreperioden werden mehr. Jedes Ende einer Art war und ist aber auch wieder eine Chance für all jene, die mit den neuen Gegebenheiten besser zurechtkommen.

Doch was, wenn diese Neuankömmlinge ebenfalls durch den Menschen eingeschleppt oder gar angesiedelt und gezielt befördert werden? Und sie sich dadurch ihr neues Lebensumfeld nicht einmal mühsam erkämpfen müssen, sondern um vieles schneller als von der Natur vorgesehen ausbauen können? Dann kann das das ebenso um vieles schnellere Sterben der ursprünglich heimischen Arten bedeuten - vor allem, wenn diese kleiner und schwächer sind.

Fast ein Drittel der Gefäßpflanzen eingeschleppt

Mit der voranschreitenden Zivilisation, verbunden mit dem wachsenden Geflecht an Handelswegen und Reiserouten, holte sich der Mensch auch immer mehr Exoten, sogenannte Neobiota, ins Land. Heute stellen bereits rund 31 Prozent aller Gefäßpflanzen in Österreich eingeschleppte Arten dar. Bei den Tieren sind es 1,4 Prozent.

Der wärmeliebende Asiatische Marienkäfer ist einer von ihnen. Als Blattläuse fressender, biologischer Schädlingsbekämpfer wurde er in die heimischen Pflanzenkulturen geholt. Die Situation entglitt, als er vor mehreren Jahren aus den Glashäusern entkam. Das Problem dabei: "Wie bei fast allen Marienkäfern fressen die Larven bevorzugt Blattläuse - sobald es aber keine mehr gibt, fressen sie die heimischen Marienkäferlarven", sagt Björn Schoas von "Die Umweltberatung". Das heimische Pendant hat so gut wie keine Chance gegen den orangefarbenen Sechsbeiner aus Asien, der nicht nur mehr als sieben Punkte hat, sondern auch viel größer ist.

Schlüpft aus der verpuppten, wohlgenährten Larve schließlich der Käfer, kann sich dieser im Herbst auch noch über Österreichs Trauben hermachen - und wird zum Wirtschaftsschädling. Und dennoch: "Der Asiatische Marienkäfer ist immer noch besser, als Pestizide für den Garten zu kaufen", meint Schoas zur "Wiener Zeitung".

Die Reblaus und der Kartoffelkäfer, die beide als blinde Passagiere aus Nordamerika ins Land kamen, gelten indes als reine Schädlinge. Speziell Allergiker können wiederum unter dem Beifußblättrigen Traubenkraut, der Ambrosia ("Ragweed") aus Nordamerika, leiden. Diese braucht eine lange warme Periode, um sich zu entwickeln. Ihr Pollen ist hoch allergen. Die immer heißeren Sommer der vergangenen Jahre haben zu ihrer Verbreitung in Österreich geführt. Ihr Samen verbirgt sich meist im Vogelfutter - der Mensch wird somit unbewusst zum Importeur. Zierpflanzen gelangen hingegen nicht zufällig ins Land. So wurde etwa der großblättrige Japanische Staudenknöterich aus Ostasien in die heimischen Gärten importiert, aus denen er jedoch sehr bald ausbrach, um mit seinen unterirdischen Ausläufern sämtliche Aupflanzen zu verdrängen.

Die Robinie wurde 2020 zum Baum des Jahres gewählt: Als eingeschleppter Neophyt kommt sie mit der Klimaerwärmung bestens zurecht und ist eine gefragte Energieholz-Alternative. 
- © APA / ANNA ARMBRUST PIXABAY

Die Robinie wurde 2020 zum Baum des Jahres gewählt: Als eingeschleppter Neophyt kommt sie mit der Klimaerwärmung bestens zurecht und ist eine gefragte Energieholz-Alternative.

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Invasiv oder eine biologische Falle

So klassisch wiederum die Thujenhecke geradlinig und bestimmt Österreichs Gärten begrenzt, so wertlos ist sie für das Ökosystem. Der Abendländische Lebensbaum, wie die Thuje paradoxerweise auch heißt, kam Mitte des 16. Jahrhunderts aus Nordamerika nach Europa. Sie bietet den heimischen Insekten keine Nahrung, und auch die Vögel meiden sie daher. Ähnlich wertlos sind laut dem Biologen Timo Kopf Rhododendren, die ursprünglich aus der Schwarzmeerregion kommen, und die Forsythien aus Asien - wobei Erstere auch noch invasiv und Zweitere zur "massiven biologischen Falle werden können", so Kopf: Die leuchtend gelben Blüten der Forsythie haben eine enorme Lockwirkung, aber keinen Nektar.

Eine zweifelhafte Ehre wurde der Robinie 2020 zuteil. Sie wurde zum Baum des Jahres gewählt, während sie 300 Jahre nach ihrer Ankunft aus Nordamerika noch immer stickstoffarme Naturräume wie die heimischen Magerrasen verdrängte. Der Grund dafür sind Knöllchen-Bakterien, die wie bei vielen weiteren Hülsenfrüchtlern an ihrer Wurzel leben und Luftstickstoff fixieren, wodurch sich dieser im Boden anreichert. Robinien verbreiten sich schnell und zerstören den Originalzustand des Bodens. Davon, diese einst als Zierbaum eingeschleppte "Pseudoakazie" in den eigenen Garten zu setzen, wird daher weithin abgeraten. Auf den mageren Böden in sonnigen und trockenen Lagen, wo Pappel und Weide nicht mehr genügend wachsen, wird die Robinie allerdings zunehmend als eine gefragte Energieholz-Alternative gehandelt. Als "Klimawandel-Baum" erlebt sie gerade eine Renaissance.

Tatsache sei, sagt Kopf, dass das wärmere Klima die Blühzeiten der Pflanzen verlängere und auch die Anzahl der Insekten steigen werde. Die Wärme sei also grundsätzlich gut für Flora und Fauna. "Je fremder die Pflanze, desto fremder sind aber auch die Insekten auf ihr." Viele neue Arten kämen dabei nicht nur durch den Menschen, sondern auch ganz von selbst hierher.