Tausende junge Menschen standen bereits Stunden vor Beginn nervös und erwartungsfroh auf den Straßen. Nur 1.740 von den 17.840 Bewerbern erreichen ihr Ziel. Nein, am Mittwoch-Vormittag ging es bei den beschriebenen Szenen nicht um ein Konzert mit lauter Musik und großer Party, es ging um einen Platz im heiß begehrten Medizinstudium, den die Vizerektorin für Lehre der Medizin-Uni Wien, Anita Rieder als "Rolling Stones Konzert der Uni" bezeichnete. Die Aufnahmetests der Universitäten Graz, Innsbruck, Wien und Linz lockten am Mittwoch die Massen an angehenden Studierenden in die Landeshauptstädte.

Die Vorkehrungen für den Test waren dieses Jahr aufgrund der Pandemie penibel. Alleine in Wien wurden zusätzlich zu den 100 Mitarbeitern für die Aufsicht 500 Studenten rekrutiert, die ihre künftigen Kommilitonen einwiesen und kontrollierten. Und in Graz waren 200 Mitarbeiter damit beschäftigt, den 3-G-Nachweis der Bewerber zu kontrollieren. Es bestand auch die Möglichkeit, sich diesen nach dem Test langfristig zu sichern. Der Aufnahmetest in der steirischen Landeshauptstadt fand in der Stadthalle statt, gleich daneben hatten die Bewerberinnen und Bewerber die Gelegenheit sich nach der Prüfung mit dem Vakzin von Johnson und Johnson, ohne Voranmeldung impfen zu lassen. Peter Loidl, Vizerektor für die Lehre an der Medizin-Uni Innsbruck, appellierte an die Jugend das Angebot anzunehmen: "Eigentlich kann ich, ohne geimpft zu sein, gar nicht erst Medizin studieren".

Fragen über Chemie bis hin zu Zahlreihen

Wer sich einen Studienplatz sichern wollte, musste seinen Kontrahenten in den Bereichen Biologie, Chemie, Physik und Mathematik, Lesekompetenz und Textverständnis sowie kognitive Fertigkeiten einen Schritt voraus sein.

Dabei mussten die Bewerber die richtigen Antworten auf Fragen wie "in welchem Gewebe ist der Aktin-Myosin-Komplex zu finden?" wissen. Ein weiterer Testteil prüfte neben Zahl- und Figurenreihen die sozialen Kompetenzen der Bewerber ab. Dabei mussten die Prüflinge anhand der Beschreibung einer Situation feststellen, wie sich ihr Gegenüber fühlt, bzw. anstehende Entscheidungen hinsichtlich ihrer Bedeutung reihen. Angehende Zahnmediziner mussten statt Textverständnis und dem Erkennen von Implikationen manuelle Fertigkeiten nachweisen.

Kritik an beschränkten Plätzen

Auf das Ergebnis des fünf-stündigen Tests müssen die Bewerber nun bis Mitte August warten. Kritik an dem beschränkten Platzkontingent kommt von der "Österreichischen Hochschüler_innenschaft". In einer Aussendung forderte die ÖH einen Studienplatz für alle Bewerber: "Es kann nicht sein, dass motivierte und begabte junge Menschen von ihrer bevorzugten Studienwahl abgehalten werden, weil die Regierung die Hochschulen nicht ausreichend finanziert".

Rieder sagte dazu, dass es in nächster Zeit sicher zu Erhöhungen der Studienplätze kommen würde. Bereits seit Jahren fix ist, dass die Zahl der Anfängerplätze ab 2022/23, durch die Erreichung des Vollausbaus der Medizin-Fakultät Linz, um 60 auf 1.800 steigen wird.
Loidl machte indes auf ein drohendes "Versorgungsproblem" aufmerksam. Seit 2019 gilt die Quotenregelung, wonach 75 Prozent der Anfängerplätze an Personen mit österreichischem Maturazeugnis gehen. Diese Regelung gilt aber nur für Humanmediziner und nicht für Zahnmediziner. Das sorgte dafür, dass in Innsbruck im Vorjahr nur acht von 40 Zahnmedizin-Studenten aus Österreich kamen. Der Großteil stamme hingegen aus Deutschland. Diese Absolventen würden nach ihrem Abschluss wieder in ihre Heimat zurückkehren und keine österreichischen Stellen besetzen. Schon jetzt gebe es 40 offene Zahnarztstellen in Tirol, so Loidl.

Wie sich der Studienalltag für die Studierenden gestalten würde, lege Loidl zufolge in deren Händen. Er erwarte für den Herbst eine 95-prozentige Durchimpfungsrate unter den Studierenden, dann sei "auch aus epidemiologischer Sicht nichts gegen Präsenzlehre einzuwenden". (red)