Nach einem Kohlenmonoxid-Unfall am Montag auf einem Bauernhof in Oberösterreich sind zwei Kinder - laut Polizei zwei und fünf Jahre alt - gestorben. Die Mutter der beiden musste ebenfalls reanimiert werden, über ihren Zustand war vorerst nichts bekannt. Den dreien dürfte zum Verhängnis geworden sein, dass nach dem Betanken eines Notstromaggregats, das in Folge eines Stromausfalls durch die jüngsten Gewitter zum Einsatz gekommen war, auf das Lüften vergessen wurde. Sie atmeten die giftigen Dämpfe ein und wurden später regungslos gefunden.

Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit

Das Heimtückische an Kohlenmonoxid (CO) ist nämlich, dass es ein völlig farb- und geruchloses Gas ist, aber in größeren Konzentrationen rasch tödlich sein kann. Die Bandbreite der möglichen Quellen reicht von Gasthermen über Notstromaggregate bis Shishas. CO bindet sich 200 bis 300 Mal stärker an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen als der in der Luft enthaltene Sauerstoff. Es verdrängt den Sauerstoff und blockiert dessen Aufnahme im Blut. Das führt zu Bewusstlosigkeit, bei höherer Belastung kann das Gas auch schon binnen Minuten tödlich sein. Aber auch geringe Dosen über einen längeren Zeitraum können langfristig Gedächtnis- und Bewegungsstörungen zur Folge haben.

Der menschliche Körper reagiert mit Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit, man wird rasch bewusstlos und letztlich kann eine Vergiftung zum Tod führen. "Man sieht es nicht, man riecht es nicht, man hat keine Atemnot", sagt dazu Armin Kaltenegger, Leiter des Forschungsbereichs Eigentumsschutz im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Da es farb-, geruch- und geschmacklos ist, braucht man ein Messgerät, um es festzustellen.

Rund 250 CO-Vergiftungen pro Jahr

Laut KfV erleiden in Österreich jedes Jahr rund 250 Personen eine CO-Vergiftung. Kohlemnomoxid entsteht unter anderem, wenn kohlenstoffhaltige Materialien wie Holz, Holzkohle oder Gas ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr verbrennen. Deshalb ist es unbedingt notwendig, für eine entsprechende Abluft zu sorgen. Mögliche Quellen sind laut KfV Klimaanlagen, Dunstabzugshauben in Verbindung mit Gasgeräten, Thermen oder sogar Shishas und Griller in geschlossenen Räumen. Besonders hoch ist die Gefahr im Sommer, weil es zum Erliegen der Thermik kommt, was einen Rückstau von CO bewirken kann. Moderne Fenster, die um ein Vielfaches dichter sind als alte Modelle, können zudem Luftaustausch verhindern. Gasthermen sollten deshalb regelmäßig von einem befugten Professionisten gewartet werden.

Corona, Unwetterkatastrophen und Klimawandel haben zuletzt den Fokus auf die Blackout-Vorsorge geschärft. Dazu zählt neben der Empfehlung, Nahrungsmittel, Wasser, Batterien etc. vorrätig zu haben, auch die Anschaffung eines Notstromaggregats. Wie viele Leute ein derartiges Gerät ihr Eigen nennen, sei nicht bekannt, so Kaltenegger und Günther Schwabegger von der Brandverhütungsstelle für Oberösterreich, aber Experten gehen davon aus, dass die Tendenz steigend ist. Prinzipiell sei das auch sinnvoll, betonen beide, man muss allerdings gewisse Sicherheitsaspekte beachten.

Notstromaggregate verfügen über einen Verbrennungsmotor, der je nach Modell mit Gas, Benzin, Diesel oder Heizöl betrieben wird, so Kaltenegger. Er empfiehlt, diese Geräte nicht in Räumen zu betreiben. Auch Schwabegger rät, das nur zu tun, wenn man eine gesicherte Abluftleitung hat "mit dicht angeschlossenen Abgasschläuchen oder einer direkten Abgasleitung ins Freie, etwa über ein fixes Metallrohr" - wobei man hier wieder auf die Temperaturentwicklung achten sollte und das Rohr keinesfalls etwa eine Holzwand berühren sollte.

CO-Warngerät - und vor allem: Lüften

Zudem lautet der Rat, sich ein CO-Warngerät anzuschaffen. Da Kohlenmonoxid fast gleich schwer ist wie Luft, soll im "Einatembereich" gemessen werden. Es empfiehlt sich daher eine Installationshöhe von etwa 1,5 bis 1,85 Meter über dem Fußboden. "Der Preis für einen CO-Melder liegt meist zwischen 30 und 50 Euro", erklärt Schwabegger, allerdings verfügt nur ein Viertel der Haushalte über einen solchen.

Generell ist die Gefahr laut einer Erhebung des KfV nicht ausreichend in den Köpfen der Menschen verankert: Mehr als die Hälfte der befragten Haushalte gaben an, keine oder nur minimale Vorsorgemaßnahmen getroffen zu haben, rund zwei Drittel mache sich auch gar keine Sorgen, dass ein Gasunfall geschehen könnte. 57 Prozent wiegen sich im irrigen Glauben, ein defektes Gasgerät am Geruch erkennen zu können.

(apa)