Der 29-jährige Vater der beiden Ende Dezember in Längenfeld (Bezirk Imst) getöteten Kleinkinder hat sich am Dienstag am Landesgericht Innsbruck des zweifachen Mordes schuldig bekannt. Nach dem geplanten - aber letztlich gescheiterten - Suizid habe er seine Frau nicht "überfordert" zurücklassen wollen. Die Tat habe er "minutiös geplant", so der psychiatrische Sachverständige. Der Angeklagte habe unter einem "echten Burn-out" gelitten.

Dieser Zustand "extremer psychischer Erschöpfung und Ermüdung" habe letztlich zu Suizidgedanken geführt. Seine beiden Töchter im Alter von neun Monaten und zweieinhalb Jahren sollten mit ihm sterben, weil er seine Frau nicht mit einer "Doppelbelastung" zurücklassen wollte, zitierte der Staatsanwalt im Eingangsplädoyer den Angeklagten. Er habe "Zeit mit den Kindern im Himmel verbringen" und dort "ohne Druck und ohne Belastung mit ihnen spielen wollen".

Staatanwalt: Tat aus Affekt kann ausgeschlossen werden

Der 29-Jährige habe den 28. Dezember bewusst als den Tag auserkoren, an dem alle drei sterben sollten. Über die Weihnachtsfeiertage hätten Verwandte noch die Gelegenheit gehabt, die beiden Mädchen zu sehen. Eine Tat aus Affekt könne deshalb ausgeschlossen werden, so der Staatsanwalt. Der zweifache Vater sei zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig gewesen, attestierte der psychiatrische Gutachter. Allerdings, so die Verteidigung im Anfangsplädoyer, habe ein "massiver Überforderungszustand" vorgelegen. "Bemerkenswert" und für ihn ein "besonderer Milderungsgrund" sei nicht nur die Tatsache, dass der 29-Jährige bis zum Tatzeitpunkt unbescholten war, sondern auch die Einvernahmen der Zeugen und Bekannten, im Zuge derer "kein böses Wort" gegen den Angeklagten gefallen sei.

Wehrlosigkeit der Kinder als Erschwernisgrund

Die Tat hatte sich im gemeinsamen Haus der jungen Familie ereignet, die Mutter war zum Tatzeitpunkt in der Arbeit, der Vater beaufsichtigte die beiden Kinder. Der Angeklagte gab an, seine beiden Mädchen nach dem gemeinsamen Frühstück mit einem Kopfpolster erstickt und erwürgt zu haben. Diese Angaben wurden vom Gerichtsmediziner bestätigt. Nach dem Tod der Mädchen habe der Vater drei Suizidversuche überlebt.

Die Geschworenen zogen sich am späten Vormittag zur Urteilsberatung zurück, der Anwalt des 29-Jährigen plädierte für ein mildes Strafausmaß von zehn bis 20 Jahren. Auch die Staatsanwaltschaft ortete Milderungsgründe, als Erschwernisgrund sah sie jedenfalls die Wehrlosigkeit und das Vertrauen der beiden Kleinkinder, das der Angeklagte zum Tatzeitpunkt ausgenutzt hätte. (apa)