Eine neuerliche Gewitterfront mit Starkregen hat am Montagabend vor allem im Pinzgau und Pongau erneut für Murenabgänge und Überflutungen gesorgt. Mehr als 100 Personen wurden in Sicherheit gebracht. Am Dienstag wurden die Aufräumungsarbeiten fortgesetzt, einige Straßen waren in der Früh noch gesperrt. Für die besonders betroffene Gemeinde Wald im Pinzgau wurde ein Assistenzeinsatz des Bundesheeres angefordert

Das Ausmaß der schweren Schäden wird nun bei Erkundungsflügen begutachtet. Die Lage hat sich mit den abklingenden Regenfällen am Dienstag etwas entspannt, auch an der Salzach im Oberpinzgau. Die Aufräumungsarbeiten werden vermutlich noch Wochen dauern, ebenfalls die Schadenserhebungen. Der Zivilschutzalarm für den St. Johanner Ortsteil Reinbachsiedlung wurde um 8.00 Uhr aufgehoben.

Rund 700 Einsatzkräfte von 40 Feuerwehren waren am Montag um 21.00 Uhr zu rund 300 Einsätzen ausgerückt. Später erhöhte sich die Zahl auf rund 500 Einsätze, 52 Feuerwehren und rund 1.400 Feuerwehrleute. Auch an die 70 Wasserretter standen im Einsatz. Auch sie halfen, Personen in Sicherheit zu bringen und sicherten die Bergearbeiten. "Es kann von großem Glück gesprochen werden, dass es bei diesen Wassermassen keine Vermissten oder Tote zu beklagen gibt", wurde seitens Salzburger Wasserrettung betont.

Linienbus im Dientenbach

Die Ereignisse am Montagabend überstürzten sich. In Dienten im Pinzgau riss eine Mure einen Linienbus in den Dientenbach, die zwei Insassen konnten gerettet werden. Während der Rettungsaktion bemerkten die Helfer, dass noch ein Pkw im Bach lag.

Laut Polizei konnte sich die 21-jährige Autofahrerin selbst befreien und ans Ufer retten. Alle drei Personen wurden bei den Unfällen in Dienten verletzt, eine davon schwer. Zudem saß eine deutsche Urlauberfamilie zwischen zwei Muren in ihrem Auto fest, sie konnte von den Einsatzkräfte in Sicherheit gebracht werden. Die Dientner Landesstraße war vorerst zwischen Lend und Dienten gesperrt.

In Dienten im Pinzgau riss eine Mure einen Linienbus in den Dientenbach, die zwei Insassen wurden gerettet. 
- © APA / LAND SALZBURG/KATASTROPHENSCHUTZ

In Dienten im Pinzgau riss eine Mure einen Linienbus in den Dientenbach, die zwei Insassen wurden gerettet.

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Evakuierungen im Pongau

Auch im Pongau waren mehr als 80 Personen in ihren Fahrzeugen eingeschlossen. Auf der B163 zwischen St. Johann und Wagrain gingen zwei Muren ab. Die 83 Autoinsassen, darunter auch Kleinkinder, wurden von Einsatzkräften in Sicherheit gebracht und im Kongresszentrum St. Johann versorgt. Ein Fahrzeug war von der Mure mitgerissen worden. Die drei Insassen konnten sich laut Polizei unverletzt retten. Ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten, Wasserrettern, Helfern des Roten Kreuzes, Bergrettern und Polizisten beteiligte sich an den Personenbergungen. Die rund 80 Ersthelfer konnten bis 22.00 Uhr die Evakuierungen abschließen, niemand wurde dabei verletzt. Die B163 blieb vorerst gesperrt.

Alleine in St. Johann gab es rund 140 Schadensstellen. Mehrere Autos wurden in Unterführungen vom Wasser eingeschlossen. Bürgermeister Günther Mitterer ersuchte die Bewohner der Reinbachsiedlung, in den oberen Stockwerken zu bleiben und Keller nicht zu betreten, nachdem der Reinbach über die Ufer getreten war und auch mehrere Muren abgegangen waren. Einsatzleiter Marcel Pfisterer erklärte gegenüber dem ORF, dass die Einsatzkräfte insgesamt 90 Personen vor den Wassermassen retten konnten. "In unserer Leichenhalle sind bei einer Trauerveranstaltung etwa 30 Personen von den Wassermassen eingeschlossen worden. So ein Einsatz ist niemals ohne - aber das geht nicht ohne Risiko für die Feuerwehr."

Wald im Pinzgau besonders schwer betroffen

In St. Johann-Alpendorf ging eine Mure auf die Großarler Landesstraße (L109) ab, und zwischen Schwarzach und Lend verlegte eine Mure die Pinzgauer Straße (B311). In Wagrain und Altenmarkt kam es ebenfalls zu Überflutungen. In Flachau wurde die Abfahrt von der Tauernautobahn (A10) wegen einer Mure gesperrt.

Besonders schwer wurde die Gemeinde Wald im Pinzgau getroffen. Kritisch war die Situation laut Manfred Pongruber vom Katastrophenschutz der Bezirkshauptmannschaft Zell am See beim Bahnhof Krimml, der sich auf dem Gemeindegebiet von Wald befindet. Drei Mal in drei Tagen war dieser Bereich von Vermurungen betroffen. Am Montagabend musste das Gebiet großräumig evakuiert werden. Zur schnellen Räumung der Gefahrenstellen wurde am Dienstag ein Assistenzeinsatz des Bundesheeres angefordert. Eine Garnitur der Pinzgauer Lokalbahn war verschüttet worden, sie muss nun mit schwerem Gerät befreit werden.

Die Gemeinde Krimml war am Montagabend von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem Muren auf die Landesstraße (L113) und die Gerlos-Bundesstraße (B165) abgegangen waren. In Mittersill musste die Hubbrücke an der Salzach angehoben werden, um Verklausungen zu verhindern. Der Pegelstand lag um 22.00 Uhr bei 5,19 Meter, das bedeutete Alarmstufe zwei laut dem Hydrographischen Dienst des Landes Salzburg. Im Laufe der Nacht stieg der Pegelstand auf 5,30 Meter. Am Dienstag um 10.30 Uhr war er auf knapp drei Meter gesunken.

Die Feuerwehren hatten auch in anderen Salzburger Gemeinden wegen der Schäden nach dem Unwetter alle Hände voll zu tun. Durch den Sturm abgedeckte Dächer mussten befestigt und Keller ausgepumpt werden. Straßen waren überflutet oder waren wegen umgestürzten Bäumen vorübergehend nicht mehr passierbar.

"Nach den Sofortmaßnahmen ist es wichtig, den Menschen vor Ort zu helfen, wir werden da niemanden alleine lassen", erklärte Landeshauptmann Wilfried Haslauer, der sich am Dienstag selbst ein Bild von der Lage machte.

Gerald Valentin und Ludwig Fegerl vom Landesgeologischen Dienst konnten sich am Dienstag bei Erkundungsflügen einen ersten Eindruck von den Unwetterschäden im Pongau und Pinzgau machen. Es gibt große Schäden im Wald, Wildbach-Sperren wurden angefüllt und die Wagrainer Straße ist meterhoch vermurt, wie die Landeskorrespondenz informierte. Die Prognose ist optimistisch aufgrund des stabileren Wetters in den kommenden Tagen.

"Es gibt einen schmalen Unwetterstreifen, nur circa 500 Meter breit, von St. Johann bis Flachau", schilderte Landesgeologe Valentin, der sich im Pongau einen Überblick verschaffte. "In diesem sind die Schäden allerdings groß. Es hat hier extremen Niederschlag gegeben, viele Bäume sind geknickt, die Wildbach-Sperren angefüllt." Am schlimmsten habe es aus derzeitiger Sicht die Wagrainer Straße getroffen. "Sie wurde meterhoch vermurt, teils sogar weggerissen."

420 Feuerwehreinsätze in Niederösterreich

420 Feuerwehreinsätze wurden am Montagabend und in der Nacht auf Dienstag in Niederösterreich gezählt. Mehr als 200 überflutete Keller mussten ebenso ausgepumpt werden wie mehrere Straßenunterführungen. 150 Bäume waren in Strom- und Telefonleitungen gestürzt. Knapp 2.000 Helfer von 180 Feuerwehren rückten aus. Am stärksten betroffen waren die Bezirke Amstetten, St. Pölten, Melk, Tulln, Baden und Mödling. Bei Aufräumarbeiten in Guntramsdorf stürzte eine Person und verletzte sich so schwer, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Allein im Bezirk Tulln waren 680 Feuerwehrleute aufgeboten. Das Bezirkskommando meldete 152 Einsätze, nachdem es am Montagabend bis zu 70 Liter pro Quadratmeter geregnet hatte.

Aufräumarbeiten nachdem ein Gewitter zu Überflutungen der Krimmler Ache geführt hatte. 
- © APA / EXPA / JFK

Aufräumarbeiten nachdem ein Gewitter zu Überflutungen der Krimmler Ache geführt hatte.

- © APA / EXPA / JFK

Auch Teile Tirols waren von schweren Gewittern und vereinzelt Hagel betroffen, die Feuerwehr verzeichnete von Montagnachmittag bis -abend rund 200 Einsätze. Kleinere bis mittlere Muren gingen auf Straßen ab, lokal standen Garagen und Keller unter Wasser. Der Schwerpunkt lag im östlichen Mittelgebirge bzw. Bezirk Innsbruck-Land sowie im Raum Landeck und Paznauntal. Im Zillertaler Stummerberg setzte ein Blitzeinschlag zwei Wochenendhäuser in Vollbrand.

In der Steiermark zogen Gewitter vom obersteirischen Bezirk Liezen bis in die Oststeiermark und brachten Sturmböen, Starkregen und Hagel, vor allem im Raum Schladming. Keller waren überflutet und Tiefgaragen mussten ausgepumpt werden. Pkw blieben in überschwemmten Straßenunterführungen stecken. In Mandling im Bundesland Salzburg, gleich westlich von Schladming, wurde die Ennstal Bundesstraße (B320) von mehreren Muren und einem über die Ufer getretenen Bach verlegt. (apa)