Auch Mittwoch war noch Aufräumen angesagt. Nach hunderten Feuerwehreinsätzen wegen Muren und Überflutungen in der Nacht auf Dienstag waren Dutzende freiwillige Helfer damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen. Im heurigen Sommer ist das schon eine Art Regelfall. Das zeigen auch aktuelle Statistiken des Bundesfeuerwehrverbandes, die der "Wiener Zeitung" vorliegen.

Besonders drastisch sind die Auswirkungen im heurigen Sommer durch Gewitter und Unwetterschäden in Oberösterreich. Wie Andreas Rieger, der Sprecher der Bundesorganisation der Freiwilligen Feuerwehren, mit Hinweis auf ihm vorliegenden Zahlen erklärt, hat sich die Zahl der Einsätze von 1. Mai dieses Jahres bis zum 17. August mehr als verdreifacht.

Im Vorjahr wurden in diesem Zeitraum 1.890 Einsätze verzeichnet, heuer waren es bereits 6.320. Ebenfalls mehr als verdreifacht hat sich die Zahl der Feuerwehrleute, die in Oberösterreich im Einsatz gestanden sind: von 16.250 im Sommer 2020 auf heuer 52.920. Nach Personalstunden gerechnet, fällt der Vergleich noch dramatischer aus: 25.430 Stunden waren es alleine in Oberösterreich im Vorjahr, heuer schnellte die Zahl der Einsatzstunden auf 138.595 hinauf.

Anstieg auch in Wien

Dem Bundesfeuerwehrverband lagen darüber hinaus noch aktuelle Zahlen aus der Bundeshauptstadt Wien, wie viele Berufsfeuerwehrleute im Einsatz sind, vor. Auch in Wien zeigt die Bilanz im Vergleich zwischen 2020 und 2021 für den Zeitraum Anfang Mai bis 17. August ein ähnliches Bild. In Wien wurden in dieser Zeit im Vorjahr 1.400 Einsätze registriert, heuer waren es rund 3.000 Einsätze nach Unwetterschäden, wobei allein knapp die Hälfte heuer auf die Folgen des Starkregens am 17. und 18. Juli entfiel.

Viel mehr Sturmeinsätze verzeichnete heuer auch die Feuerwehr in Salzburg. Dort hat sich die Zahl von 590 Unwettereinsätzen im Vorjahr auf 923 ebenfalls deutlich erhöht.

Eine deutliche Zunahme wurde bei Unwettereinsätzen auch von den Feuerwehren in Niederösterreich verzeichnet. Im Vorjahr wurden dort von Mai bis August 882 Fälle registriert, bei denen Florianijünger bei Unwettern ausrücken mussten. Heuer gab es mit 1239 deutlich mehr Einsätze bei Unwettern.

Südösterreich war wetterbegünstigt

Die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren zeigen auch an, dass die südlichen Bundesländer im heurigen Sommer insgesamt betrachtet wetterbegünstigt waren, auch wenn es etwa in Graz wegen Überflutungen viel Arbeit gab. Insgesamt weist die Statistik für die Steiermark aber einen Rückgang von 3.097 im Vorjahr auf 1.301 im heurigen Jahr aus. Ähnlich der Trend in Kärnten: 1.416 Einsätze waren es im Vorjahr, heuer musste die Feuerwehr hingegen erst 622-mal bei Unwettern ausrücken.

Aber nicht nur die zunehmende Zahl an Unwettern mit Schäden aufgrund orkanartiger Winde und kleinräumiger Überflutungen bereitet den Freiwilligen Feuerwehren zunehmend Probleme, wie Sprecher Rieger betont. Dazu kommt, dass auch die finanzielle Situation für die freiwilligen Helfer schwieriger wird.

Schon seit 2013 wird deswegen von der Bundespolitik gefordert, dass die Deckelung der Auszahlungen aus dem Katastrophenfonds auf Bundesebene angehoben wird. Derzeit liegt diese bei 95 Millionen Euro, wobei dieses Limit bisweilen nicht ausgeschöpft wird. Aber der Bundesfeuerwehrverband drängt seit Jahren auf eine Anhebung des Deckels der möglichen Zahlungen aus dem Katastrophenfonds auf jährlich 110 Millionen Euro.

Schon in den vergangenen Jahren sind Vertreter der Feuerwehren bei Bundesregierungen unterschiedlicher Zusammensetzung vorstellig geworden. Dieses Mal hat nach Auskunft des Bundesfeuerwehrverbandes Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka für Ende August zu einer Aussprache eingeladen. Von ihm wird Unterstützung bei einer Ausweitung der Finanzierung für Gerätschaften der freiwilligen Feuerwehren erwartet.