Seit Wochen wird über den derzeit wenig ansehnlichen Gletscher am Dachstein und die Zukunft des "ewigen Eis" diskutiert. Während manche Menschen Massentourismus sehen, der unterbunden gehört, versuchen die Planai-Hochwurzen-Bahnen Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen. Die Zukunft des Eispalasts, der als touristisches Zugpferd gilt, ist dabei offen. Planai-Geschäftsführer Georg Bliem meinte: "Sieben bis zehn Jahre hat er noch. Darüber hinaus traue ich es mir nicht sagen."

Im vergangenen Jahrzehnt wurde am Dachstein kräftig gebaut: Neben dem Eispalast wurde auch eine Hängebrücke sowie die "Treppe ins Nichts" errichtet. Das lockte auch immer mehr Gäste an, aber "wir haben ein ruhiges Gewissen", sagte Bliem. Man setze "Maßnahmen wie kein anderes Gletschergebiet".

So wurde 2014 die Zahl der maximalen Tagesgäste von 3.500 auf 2.500 reduziert und auch der Zustrom von diesen wird über ein Online-Ticketsystem bei der Seilbahn über den Tag verteilt und gesteuert.

1.200 Besucher pro Tag

Nur an Spitzentagen mit schönem Wetter würden die 2.500 Tagesgäste am Dachstein überhaupt erreicht und 80 Prozent von ihnen würden sich gar nicht direkt am Gletscher, sondern rund um die Bergstation aufhalten. Über den Sommer verteilt, liegt die durchschnittliche Besucherzahl laut Bliem bei 1.200 pro Tag. Das Buchungssystem für die Seilbahn habe sich bewährt. Weiters wurde der Betrieb der Seilbahn von Diesel auf Ökostrom umgestellt und der Skibetrieb im Frühling ist statt bis zum Sommer nur noch bis 2. Mai möglich.

Wie der Landtagsabgeordnete Lambert Schönleitner (Grüne) in einem Bericht der "Kronen Zeitung" am Dienstag sagte, seien "Disneyland- und Heilewelt-Bilder mit touristischer Massenausrichtung der falsche Weg". Es brauche eine Neuausrichtung. So manchen Besucher störe es auch, dass der Eispalast gekühlt werden muss, während daneben der Gletscher wegschmilzt.

Bliem bestätigte, dass der Eispalast gekühlt werden muss, damit im Inneren konstant um die null Grad Celsius herrschen. Zudem wird er im Sommer mit Planen abgedeckt. "Das Problem haben aber alle Gletschergebiete mit Eisgrotten oder dergleichen", verteidigte der Geschäftsführer die Maßnahmen. Derzeit sei die Kühlung "noch wirtschaftlich darstellbar" und das dürfte auch in den kommenden paar Jahren noch so sein, aber wie lange, sei unklar, so Bliem. Es sei durchaus denkbar, dass der Eispalast in zehn Jahren nicht mehr erhalten werden kann.

Der Gletscher am Dachstein (Gipfel Bildmitte). 
- © apa / Barbara Gindl

Der Gletscher am Dachstein (Gipfel Bildmitte).

- © apa / Barbara Gindl

70 Arbeitsplätze am Gletscher

Weiße Planen werden am Gletscher auch für die Stützen der Schlepplifte verwendet, damit diese nicht zu sehr im Eis einsinken. Der Kritik von Schönleitner begegnete Bliem mit einer Einladung: "Ich zeige ihm da alles, was wir machen." Das Problem werde jedenfalls nicht mit populistischen Überschriften gelöst, so der Geschäftsführer. Es gelte auch rund 70 Arbeitsplätze am Gletscher zu erhalten. Von seinem Geschäftsführerposten zurücktreten werde er nicht.

Zur Debatte könnte künftig auch der Winterskisport am Gletscher stehen: Im kommenden Jahr will Bliem auch den Langlauf- und Skibetrieb am "ewigen Eis" ansprechen. Fachliche Grundlagen sollen klären, ob der Sport am Gletscher verträglich ist - besonders bei den Hanglagen. Der Touristiker betonte aber auch: "Ja, wir bespielen und inszenieren die Natur, dazu stehen wird - aber wir wollen es im Einklang mit der Natur."

In den vergangenen Wochen habe dem Gletscher besonders der Starkregen zugesetzt, mehr als in anderen Jahren, so Bliem weiter. Erst vergangene Woche wurden aktuelle Messergebnisse vom Hallstätter Gletscher am Dachstein veröffentlicht: 2050 dürfte er nur mehr 40 Prozent seines derzeitigen Volumens haben, im Jahr 2100 werden wohl maximal noch kleine Eisreste übrig sein, erwarten Experten. "Tatsache ist: Der Gletscherschwund findet statt", sagte auch der Planai-Geschäftsführer. Daher würden jetzt schon Szenarien für die Zukunft durchgespielt. (apa)