Justament an dem Tag, an dem die Regierung ihr neues Maßnahmenpaket zur Eindämmung der stark steigenden Coronazahlen präsentiert, wurden erstmals seit Ende April wieder mehr als 2.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Seit Dienstag kamen österreichweit 2.268 weitere Infizierte hinzu. Innerhalb einer Woche mussten in den Spitälern 100 Patienten mehr aufgenommen werden, insgesamt sind bereits 645 Covid-19-Erkrankte hospitalisiert.

180 Schwerkranke müssen auf Intensivstationen versorgt werden - um neun mehr als am Vortag. Seit Dienstag wurden außerdem drei weitere Todesfälle gemeldet. Allein in der vergangenen Woche starben 40 Menschen an den Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion. Insgesamt hat die Covid-19-Pandemie seit Ausbruch bereits 10.815 Tote in Österreich gefordert. Pro 100.000 Einwohner sind somit 121,1 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben.

Die 2.268 Neuinfektionen liegen deutlich über dem Schnitt der vergangenen sieben Tage mit 1.580 Fälle. Mehr als 2.000 wurden in Österreich zuletzt mit 2.131 am 30. April gemeldet. Die Sieben-Tages-Inzidenz stieg nunmehr auf 123,8 Fälle auf 100.000 Einwohner. Am Mittwoch gab es in Österreich 18.256 bestätigte aktive Fälle, um 721 mehr als am Dienstag.

Damit ist einmal mehr klar: Der nicht nur politisch erhoffte "Sommer wie damals" ist es nicht geworden. Die vierte Infektionswelle ist in Österreich sogar noch deutlich früher gestartet als die zweite im vorigen Herbst.

Mit den durchschnittlich knapp 1.600 täglichen Neuinfektionen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell am Wert von Mitte Oktober 2020. Auch die Zahl der Patienten auf Intensivstationen ist vergleichbar. Betroffen sind vorwiegend Ungeimpfte. Auf sie dürfte die Regierung ihre Maßnahmen konzentrieren.

Die Neuinfektionen sind heuer schon im Juli und August merklich angestiegen. Die von der AGES zuletzt ausgewiesene Sieben-Tage-Inzidenz von 130 - das entspricht gut 1.600 täglichen Neuinfektionen - wurde im Vorjahr erst am 21. Oktober erreicht. Die Zahl der Intensivpatienten lag damals bei 145, aktuell sind 180. Und zwar trotz grundsätzlich verfügbarer Impfung, denn laut Meldungen aus den Bundesländern ist der Großteil der Intensivpatienten umgeimpft.

Geringer als im Vorjahr fällt in der vierten Welle der Anstieg der coronabedingten Todesfälle aus. Während in den ersten drei Wochen des Oktober 2021 täglich durchschnittlich acht Menschen nach einer Corona-Infektion gestorben sind, waren es in den letzten drei Wochen etwa drei pro Tag.

 

Die - gemessen an der Bevölkerungszahl - am stärksten von Neuinfektionen betroffene Altersgruppe waren im vorigen Herbst wie auch heuer Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24. Allerdings war die Inzidenz zu Schulbeginn im Vorjahr noch deutlich niedriger (62) als heuer (254). Bei den jüngeren Kindern zwischen fünf und 14 Jahren lag die Sieben-Tage-Inzidenz zum Schulstart in Ostösterreich am 7. September 2020 bei 22 - heuer waren es 210 Neuinfektionen pro 100.000 Kindern in dieser Altersgruppe.

Vor einer Entwicklung wie im vorigen Oktober hat am Dienstag auch Ex-Gesundheitsminister Rudolf Anschober gewarnt. Er plädierte via Twitter daher u.a. für eine Maskenpflicht in Innenräumen sowie für eine Impfkampagne, für Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Infektion bei Nichtgeimpften sowie für Schutzmaßnahmen für Kinder. (apa)