Bis zu zehn Prozent der Corona-Patienten leiden nach Schätzungen von Experten an Langzeitfolgen der Viruserkrankung. Insgesamt 1.972 Post-Covid-Patienten haben von Februar 2020 bis August dieses Jahres in einem der Rehabilitationszentren der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) die Möglichkeit genützt, Heilung zu suchen. Diese aktuellen Zahlen gehen aus einer Aufstellung der PVA, die der "Wiener Zeitung" vorliegt, hervor.

Die Pensionsversicherungsanstalt, über die in Kooperation mit der Gesundheitskasse die meisten Kuren und Rehabilitationsaufenthalte bei Langzeitfolgen nicht nur bei Corona-Erkrankten abgewickelt werden, spürt die Covid-Wellen ebenfalls. Nach der dritten Welle ist die Zahl der Anträge etwas abgeflaut. Im August sei die Zahl aber gestiegen, so PVA-Vizegeneraldirektorin Canan Aytekin zur "Wiener Zeitung".

In den Rehabilitationseinrichtungen der PVA werden Corona-Patienten, die unter Langzeitfolgen der Viruserkrankung leiden, vor allem in zwei Häusern betreut: in Hochegg im südlichen Niederösterreich und im oberösterreichischen Weyer im Ennstal. In Hochegg wurden bisher 937 Post-Covid-Patienten behandelt, in Weyer waren es 640 Fälle, wie aus der Statistik hervorgeht.

Einen Vorteil sieht man in der PVA-Zentrale in Wien bei der Rehabilitation. Das Angebot ist "maßgeschneidert" und damit so gut als möglich auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten ausgerichtet. Menschen mit Langzeitbeeinträchtigungen kämpfen mit unterschiedlichen Problemen. So kann das tägliche Leben durch eine deutlich geminderte Lungenfunktion samt rasch eintretender Ermüdung eingeschränkt sein, was häufig vorkommt. Aber auch psychische Probleme, die Burn-Out-Symptomen, ähneln, können auftreten. Häufig haben die Post-Covid-Betroffenen bereits eine längere Behandlung in einer Intensivstation hinter sich.

Maßgeschneiderte Therapieangebote

Laut PVA wird der Therapieplan in den Rehab-Einrichtungen des mit Abstand größten österreichischen Pensionsträgers für Arbeiter und Angestellte auf den jeweiligen Patienten abgestimmt. Dabei werden Einflussfaktoren unabhängig von der jeweiligen Krankheitsursache berücksichtigt.

Das ist auch jene Schiene, die die PVA bei ihrer künftigen Strategie ausbauen will. Daher, so wird seitens der PVA betont, seien auch keine eigenen Rehab-Zentren für Long-Covid-Patienten notwendig. Martin Skoumal, Chefarzt der Pensionsversicherungsanstalt, sagt: "Nur mit einer maßgeschneiderten Rehabilitation ehemaliger Corona-Erkrankter unterstützen wir die möglichst rasche Genesung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit dieser Patientinnen und Patienten."

Die stellvertretende PVA-Generaldirektorin Aytekin macht noch auf eine Entwicklung aufmerksam, die Post-Covid-Patienten mit den Wunsch nach Rehabilitation zugute kommt. Die Zahl der "klassischen Reha-Anträge" ist seit Beginn der Pandemie im Spätwinter des vergangenen Jahres stark rückläufig, weil sogar schon geplante Reha-Aufenthalte oft nicht angetreten werden. Daher gebe es auch "keinen Engpass" beim Rehabilitationsangebot in den ambulanten Zentren in Wien und Graz und auch nicht in den stationären Reha-Zentren, die für Post-Covid-Patienten zur Verfügung stehen.

Mehr Männer als Frauen betroffen

Was die Aufteilung der Reha-Aufenthalte aufgrund von früheren Corona-Erkrankungen betrifft, so sind gibt es ein Übergewicht der Männer mit 1.156 Reha-Behandlungen gegenüber 816 Frauen. Der Großteil davon ist zwischen 45 und 65 Jahren alt. Gerade bei Menschen in dieser Altersgruppe ist die PVA bemüht, sie weiter im Erwerbsleben zu halten beziehungsweise sie generell nach Erkrankungen auf den Arbeitsmarkt zurückzubringen.  

Wie der ORF Oberösterreich am Freitag berichtete, leiden auch zahlreiche Pfleger an "Long Covid". In nahezu allen oberösterreichischen Spitälern gebe es mittlerweile Betroffene. So seien allein am Klinikum Steyr fast ein Dutzend Fälle bekannt.