Weltweit findet am Freitag der achte Klimastreik von "Fridays for Future" statt. Zentrale Forderung der Aktivisten sind verstärkte Klimaschutzmaßnahmen, damit der Temperaturanstieg noch auf eineinhalb Grad begrenzt wird - dem 2015 beim Pariser UN-Klimagipfel international vereinbarten Ziel. In Wien, wo es um 12.00 Uhr am Praterstern in der Leopoldstadt losging, steht auch der "Lobau-Protest" im Vordergrund. Insgesamt gab es in Österreich geplante Aktionen in 14 Städten.

Der Demozug setzte sich in Wien gegen 13 Uhr beim Praterstern in Bewegung. Er reichte über die ganze Praterstraße und querte gegen 13.45 Uhr den Donaukanal in Richtung Schwedenbrücke. Die Polizei schätzte die Zahl der Protestierenden auf rund 5.500. Die Organisatoren sprachen hingegen von 15.000 bis 20.000 Teilnehmern.

In Graz führte eine Fußgänger-Demonstration vom Griesplatz Richtung Norden entlang der Mur bis zur Keplerbrücke und weiter über das Glacis zur Oper, rund 1.200 Teilnehmer waren dabei. Die Rad-und Skater-Demo führte die etwa 200 Teilnehmer über den Eggenbergergürtel, den Kalvariengürtel und die Grabenstraße bis zur Oper. Bei einer Sitz-Demonstration in der Mandellstraße, wo ein Wohnzimmer aufgebaut wurde, waren etwa 20 Teilnehmer dabei. Die Demonstranten skandierten unter anderem "Beschützt unsere Erde", "The seas are rising, so are we" und "There is no Planet B".

Demos in Klagenfurt und Bregenz

In Klagenfurt startete bereits um 11 Uhr die Demonstration am Heiligengeistplatz. Nach einem eher verhaltenen Beginn mit rund 80 Teilnehmern wuchs die Zahl der Demonstrierenden - unter ihnen auch einige Erwachsene - auf 120, als sich der Zug in Bewegung setzte. Unter Sprechchören ging es eine Runde durch die Innenstadt, bevor die Schlusskundgebung vor der Kärntner Landesregierung stattfand. Nach rund eineinhalb Stunden löste sich die Demo auf - dem Vernehmen nach machten sich einige Teilnehmer nach Villach auf, wo für 14 Uhr die nächste FFF-Kundgebung geplant war.

In Vorarlberg trafen sich die Aktivisten gegen 10.30 Uhr am Bahnhof Bregenz. Die Menge wuchs laut Polizeiangaben in der Folge auf ihrem Protestzug durch die Bregenzer Innenstadt auf 500 Teilnehmer an. "Leider müssen wir sogar bei uns im reichen Ländle für Klimaschutz auf die Straße gehen, denn auch unsere Politiker nehmen ihre Verantwortung nicht ernst und vernachlässigen Klimaschutz massiv", so Aktivist und Mitorganisator Johannes Hartmann von Fridays for Future Vorarlberg.

Gegen 11.30 Uhr trafen die lautstarken Demonstranten am Vorplatz des Vorarlberger Landhauses ein, wo eine Abschlusskundgebung stattfand. Neben Rednern, die von der Politik unter anderem ein leistbares, klimagerechtes Leben für alle forderten, heizte eine Live-Band den Aktivisten mit Protestsongs ein. "Fridays for Future" wendet sich in Vorarlberg auch gegen das umstrittene Straßenbauprojekt S18.

Seit 2019 wird auf der ganzen Welt für das Klima gestreikt, die Initiatorin der Bewegung, die Schwedin Greta Thunberg, ist heute in Berlin. Wie "Fridays For Future" vor dem Auftakt in Wien in einer Aussendung berichtete, sind es diesmal mehr als 1.200 Städte auf der ganzen Welt, in denen für Klimagerechtigkeit demonstriert wird.

Weniger Teilnehmer seit Pandemiebeginn

Die bisherigen Streiks in Österreich riefen zum Teil Tausende Aktivisten und Aktivistinnen auf die Straße: Beim Auftakt, dem "Earth Strike" am 15. März 2019 waren es mehr als 20.000 Schüler und Studenten, als Ende Mai 2019 dann Thunberg in Wien zu Gast war, beteiligten sich allein in Wien 10.000 Personen. Doch im September vor fast genau zwei Jahren setzte bei der "Earth-Strike"-Demo die bisherige Rekordmarke: In Wien waren laut einer Schätzung der Polizei rund 30.000 Personen auf der Straße, in Innsbruck zählte man bis zu 18.000.

Vor dem Beginn der heutigen Demo hofften "Fridays For Future" erneut auf starken Zustrom, nachdem seit 2020 die Corona-Pandemie diesen doch minimiert hat. "Wir stehen jetzt an einem historischen Wendepunkt", so Aktivistin Katrin Hipmair in einem Statement am Freitag. "Wir können dabei zusehen, wie Politik und Wirtschaft durch ihr Nichts-Tun unsere Zukunft zerstören. Oder wir stehen gemeinsam für eine klimagerechte Welt auf, in der unser Überleben gesichert ist und niemand zurückgelassen wird."

In Wien stehen auch regionale Probleme auf dem Programm, denn seit Ende August blockieren Klimaaktivisten die Baustelle der Wiener Stadtstraße in Hirschstetten in der Donaustadt, aus demselben Grund haben Greenpeace-Aktivisten am gestrigen Donnerstag um 8 Uhr das Büro von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und den Westturm im Wiener Rathaus besetzt gehalten. Am Freitag zog die NGO zur symbolischen Uhrzeit "5 vor 12" dann Richtung Klimastreik ab, nicht ohne weiteren Widerstand gegen die Straßenbau-Projekte anzukündigen.

Insgesamt sind es in Wien über 100 Organisationen, Gewerkschaften und Initiativen, die am Klimastreik teilnehmen, neben den bekannten Umweltschutz-NGOs auch Rotes Kreuz, die Plattform für menschliche Asylpolitik oder die Gewerkschaft ÖGB. In der Bundeshauptstadt wartet auch ein Impfbus. Von 11.00 bis 20.00 Uhr kann man sich hinter dem Kunsthistorischen Museum ohne Anmeldung gegen das Coronavirus schützen lassen.

Der World Wide Fund for Nature (WWF) wies angesichts des Klimastreiks auf die zunehmende Bodenversiegelung hin und forderte einen Stopp der Verbauung wertvoller Naturräume. "Der Flächenfraß befeuert die Klimakrise - intakte Böden hingegen können ihre Folgen mindern und CO2 speichern. Anstatt unsere letzten verbliebenen Naturräume zu schützen, werden immer mehr Gewerbeparks auf die grüne Wiese gebaut, die wiederum neue Straßen brauchen, die Zersiedelung fördern und damit das Verkehrsproblem verschlimmern", kritisierte Hanna Simons, Programmleiterin des WWF Österreich. "Derzeit werden in Österreich täglich rund 11,5 Hektar wertvoller Grünflächen verbaut."  (apa)