Einsamkeit betrifft alle Altersgruppen und sozialen Schichten - das hat die Corona-Krise besonders schmerzlich verdeutlicht. Auch wenn Videocalls, WhatsApp und virtuelle Spieleabende ein persönliches Treffen nicht ersetzen können, helfen sie dabei, miteinander in Kontakt zu bleiben.

Menschen mit Behinderung sind allerdings von vielen dieser Mittel gegen die Einsamkeit ausgeschlossen. "Viele glauben, dass Menschen mit Behinderung so etwas wie Computer oder Internet nicht brauchen", sagte Monika Haider im Zuge einer Podiumsdiskussion des Wiener Hilfswerks und der "Wiener Zeitung Mediengruppe" in der Vorwoche. Judith Belfkih, stellvertretende Chefredakteurin der "Wiener Zeitung", moderierte.

Haider ist Leiterin des Club 21, einer Freizeiteinrichtung für Menschen mit und ohne Behinderung. Viele Behinderte nutzen fast ausschließlich Orte wie diesen, um Bekannte zu treffen. Als der Club 21 während der Lockdowns schließen musste, war man bemüht, die Angebote in den digitalen Raum zu verlegen. Das gestaltete sich jedoch schwierig, da bei vielen Betroffenen die Endgeräte und das entsprechende Know-how, um sich im Internet zurechtzufinden oder Laptops zu bedienen, fehlen. In Wohnheimen oder -gemeinschaften gibt es oft keine Computer oder gar WLAN. "Mir ist wenig zugetraut worden", sagte dazu Gitti Eigner, Besucherin des Club 21.

Zutritt zur Zukunft

Das müsse sich ändern: "Wer von der Digitalisierung ausgeschlossen ist, ist von der Zukunft ausgeschlossen", sagte Anita Bauer, Geschäftsführerin des Fonds Soziales Wien und Initiatorin der Plattform gegen Einsamkeit in Österreich. In Zukunft brauche es daher entsprechende Schulungsangebote für Menschen mit Behinderung. Zentral dabei sei, dass diese auf Vertrauensbasis passieren und ohne Belehrungen auskommen. Denn viele hätten Angst, ausgelacht zu werden, wenn sie Unwissen zeigen.

Wichtig sei für diese Menschen, dass Freizeit- und Kontaktangebote niederschwellig in Anspruch genommen werden können, hieß es: ohne Anmeldung, Terminvereinbarung oder Bürokratie. All das stelle für viele behinderte Menschen eine neue Barriere dar - nicht nur beim Knüpfen sozialer Kontakte, sondern beispielsweise auch bei der Impfung gegen Covid-19. Die Türen sollten immer offenstehen, betonte Haider: "Wir müssen Menschen in verschiedenen Ecken der Stadt ermöglichen, einander zu begegnen."

Aktive Kontaktaufnahme

"Digitale Angebote sollten kein Ersatz für den persönlichen Kontakt sein, sondern ein Türöffner dazu", sagt Bauer. Insbesondere, wenn jemand nach einem Lockdown nicht mehr in die Einrichtung zurückkehrt, gelte es, aktiv Kontakt aufzunehmen. Viele Leute haben das Gefühl, nicht gewollt oder gebraucht zu werden, und ziehen sich deshalb zurück. Was diese Menschen brauchen, um aus der Isolation heraus und wieder in die Gemeinschaft hineinzufinden, ist laut Bauer zweierlei: "Sanftheit, gepaart mit Nachhaltigkeit in den Versuchen."