Battlefield ist ein wenig wie Prinz Harry: eine ursprünglich gefeierte Größe, der man auch einmal das Schlüpfen in ein Nazi-Kostüm nachsah. Doch dann folgte ein Absturz, der aktuell zum Fremdschämen ist.

2016 schufen die Entwickler von EA Dice den im Ersten Weltkrieg angesiedelten Ego-Shooter "Battlefield 1". Dafür sollen sie sogar von der Konkurrenz mit stehenden Ovationen bedacht worden sein. Der Nachfolger "Battlefield V" spielte im Zweiten Weltkrieg. Es gelang hier, vor allem grafisch noch einen draufzusetzen: Von Umgebung bis hin zu den Fahrzeugen wirkte alles noch realistischer. Besonders wertvoll wurde "Battlefield" dadurch, dass relativ frühzeitig auf die weltweit kritisierten Lootboxen verzichtet wurde. Durch den Erwerb derselbigen kann man sich in glücksspielähnlicher Manier Vorteile im Spiel verschaffen.

Amerikaner gegen Russen

Das neu erschienene "Battlefield 2042" führt in eine nahe Zukunft, in der einander die letzten verbliebenen Großmächte USA und Russland gegenüberstehen. (Europa ist ohnedies nicht mehr so martialisch, aber was mag aus den Chinesen geworden sein?) In diesem modernen Kampfszenario fliegt einem alles um die Ohren - und zwar buchstäblich. Denn bei Erscheinen war das Spiel stark fehlerbehaftet. Bodenfahrzeuge wirbeln unkontrolliert durch die Gegend oder fahren vertikale Hausmauern empor, Spielfiguren zischen erratisch über das Kampffeld - Schnitzer, die man zwar von anderen Spielen gewohnt ist, die aber nicht eines "Battlefield"-Titels würdig sind. Wirklich störend wird es aber dort, wo klare Treffer nicht gegeben werden. Das verzerrt nicht nur das Ergebnis. Auf größere Distanzen verunsichert es auch: Hat man nun wirklich zu wenig vorgehalten und muss künftig anders zielen? Oder war es doch nur ein Computerfehler?

Das Tragische dabei ist, dass das Spiel ohne diese Fehler eigentlich sehr gut ist. Denn die inneren Werte haben sich seit "Battlefield 1" nicht geändert. Die Serie lebt von ihrem guten Spieldesign, in dem eine erquickliche Vielzahl an Ausrüstungsmöglichkeiten und Spielvarianten eine differenzierte und individuell angepasste Spielweise erlaubt. So ergeben sich unzählige taktische Möglichkeiten in dem Präzisions- und Reaktionsfähigkeitsspiel. Hinzu kommen Details wie Munition, die der Erdanziehungskraft unterliegt und nicht in Lasermanier über tausende Meter Distanz zielpunktgenau verschossen wird.

Konsolenübergreifend

"Battlefield 2042" bietet zudem erstmals in der Serie die Möglichkeit, konsolenübergreifend online zu spielen. Zwar hat man auch die Wahl, sich auf seine eigene Spieleplattform zu beschränken, doch wer eine größere Fülle an Gegnern und geringere Wartezeiten wünscht, kann sich auf das bunte Mischen von PC, Xbox und Playstation einlassen.

EA Dice hat versprochen, die Fehler mit den kommenden Updates zu beheben. Umso mehr ist es schade, dass ein eigentlich gutes, aber unfertiges Spiel auf dem Markt gekommen ist - wohl unter dem Druck in zeitlicher Nähe erscheinender Konkurrenzprodukte. Glaubt man EA, so ist das den Kunden offenbar egal: Dem Spieleverlag zufolge verkauft sich "2042" besser als dessen Vorgänger zu dieser Zeit.

"Battlefield 2042" ist für PC, Playstation und Xbox erschienen. Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt.