Aktionen von Impfgegnern im Umfeld von Spitälern, polizeilich notwendiges Einschreiten bei der Demonstration von Kritikern der Corona-Einschränkungen am Samstag in Wien, eine Schmieraktion in Wien-Ottakring, Morddrohungen gegen Mitglieder der Tiroler Landesregierung: Das waren bisher Zeichen für sich mehrende Aktionen bei Protesten gegen Coronamaßnahmen und Impfpflicht. Am Mittwoch hat nun die Landespolizeidirektion Oberösterreich einen Vorfall in Braunau am Inn bestätigt. Laut Aussage einer Frau, die als mobile Pflegekraft bei der Volkshilfe beschäftigt ist, wurde diese von einem Impfgegner auch mit Kaffee überschüttet.

Die Betroffene wurde am Mittwoch zum Sachverhalt einvernommen. Am Zug ist jetzt die Staatsanwaltschaft Linz, an die der Polizeibericht weitergeleitet worden ist. "Es ist natürlich ein Schockerlebnis", erklärte Andreas Schmolmüller, Pressesprecher der Volkshilfe Oberösterreich, der "Wiener Zeitung". Gleichzeitig forderte der Vorsitzende der OÖ-Volkshilfe, Michael Schodermayr: "Die geimpfte Mehrheit darf nicht länger schweigen."

Stelzer:"Klare Grenzüberschreitung"

Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) verurteilte derartige Übergriffe im Rahmen der Budgetdebatte im Landtag scharf. Es handle sich um eine "klare Grenzüberschreitung", die Organisatoren müssten alles unternehmen, um solche Übergriffe zu unterbinden. Aus der FPÖ Oberösterreich, die Koalitionspartner der ÖVP ist, hat es in den vergangenen Wochen allerdings ebenfalls Kritik an Coronaeinschränkungen durch die Bundesregierung gegeben.

Passiert ist die Attacke bereits am Sonntagabend auf dem Stadtplatz in Braunau, wo eine Versammlung im Zusammenhang mit Covid-Maßnahmen stattfand. Die Pflegerin, ausgestattet mit einer Jacke der Volkshilfe, war laut Polizeibericht nach dem Besuch bei einem Patienten plötzlich Ziel einer Gruppe von vier bis fünf Männern. Einer der Männer habe ihr bereits von weitem zugerufen, dass ihre Berufsgruppe für die Impfpflicht verantwortlich sei. Derselbe schüttete danach einen Becher kalten Kaffee über sie aus, Haare und Oberkörper wurden durchnässt. Daraufhin verschwand die Gruppe in Richtung Stadtpfarrkirche. Einer der Männer hatte laut den Angaben der Frau ein selbstgebasteltes Schild mit der Aufschrift "Mein Körper gehört mir" dabei.

"Hilfeschrei" der Ordensspitäler in Linz

In Linz gingen am Mittwoch sowohl Gegner der Corona-Maßnahmen, aber auch rund 1.000 Bedienstete von acht Ordensspitälern und zehn Pflegeheimen in Oberösterreich auf die Straße. Bei dem von der Gewerkschaft mitorganisierten "Hilferuf" standen Forderungen nach einer besseren personellen Ausstattung bis hin zu einer 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich im Vordergrund. Vor einem Spital in der Landeshauptstadt wurde ein Christbaum mit Wünschen an die Landespolitik aufgestellt. Später kam es in der Linz begleitet von rund einem Dutzend Traktoren zur Kundgebung von Gegnern der Corona-Maßnahmen.