Deutschland hat Österreich erneut auf die Liste der Corona-Hochrisikogebiete gesetzt, angesichts der stark steigenden Infektionszahlen durch die Virusvariante Omikron. Wie das Robert-Koch-Institut am Freitag auf seiner Homepage bekannt gab, gilt Österreich damit ab kommenden Sonntag als Hochrisikogebiet. Das bedeutet, dass eine Einreiseregistrierung sowie eine Quarantäne für Nicht-Immunisierte vorgeschrieben sind. Österreich war zuvor vom 14. November bis zum Christtag (25. Dezember) auf der deutschen Liste der Hochrisikoländer gestanden. 

Von der Maßnahme erneut ausgenommen sind die Gemeinden Mittelberg (Vorarlberg) und Jungholz (Tirol) sowie das Rißtal im Gemeindebiet von Vomp und Eben am Achensee (Tirol), die nur von Deutschland aus zugänglich sind.

Köstinger besorgt um Tourismus

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) wies in einer Aussendung zu der Entscheidung am Freitag darauf hin, dass die Einschränkung durch die Neueinstufung geimpfte Personen nicht betrifft: "Wer geimpft ist, kann jederzeit einen sicheren und erholsamen Urlaub in Österreich verbringen." Personen, die weder geimpft noch genesen sind, müssen allerdings eine zehntägige Quarantäne antreten, von der frühestens nach fünf Tagen freigetestet werden darf. Die Absonderungspflicht gilt auch für Kinder, wobei bei Kleinkindern unter sechs Jahren die Quarantäne nach fünf Tagen auch ohne Freitestung automatisch endet.

Köstinger zeigte sich besorgt für den Wintertourismus wegen der nun vorgeschriebenen Quarantänepflicht für ungeimpfte Kinder unter zwölf Jahren bei der Rückkehr nach Deutschland: "Auch wenn Familien mit Kindern unter 12 Jahren nur rund ein Fünftel unser ausländischen Gäste ausmachen, ist diese Regelung für Österreich problematisch, da alle Kinder, die noch nicht voll immunisiert sind, eine mindestens fünftägige Quarantäne antreten müssen, auch wenn deren Eltern voll immunisiert sind." Die ÖVP-Ministerin wolle sich deshalb "weiterhin dafür einsetzen, dass die Empfehlungen der Europäischen Union umgesetzt werden" - nämlich dass Deutschland Unter-12-jährige, die unter Aufsicht eines Erwachsenen reisen, von der Nachweispflicht befreit.

Köstinger verwies zudem auf die hohe Testrate in Österreich, die die Entscheidung Deutschlands ebenfalls beeinflusst haben könnte: "Diese Entwicklung ist enttäuschend, war aber erwartbar und eine logische Konsequenz. Denn die deutschen Kriterien für die Risiko-Einstufung basieren neben der Ausbreitungsgeschwindigkeit und Hospitalisierungsrate auch auf der 7-Tages-Inzidenz sowie der Testpositivrate. Hier muss man dazu sagen, dass in Österreich 32-mal so viel getestet wird, als in Deutschland."

16.822 Neuinfektionen und sieben Todesfälle

Die österreichweite Sieben-Tage-Inzidenz ist nunmehr vierstellig mit 1.004,1. Am Freitag meldeten die Ministerien 16.822 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das ist nach dem Mittwoch mit 17.006 neuen Fällen der zweithöchste Tageswert seit Pandemiebeginn vor beinahe zwei Jahren. Fast 5.000 weitere Infizierte meldete die Bundeshauptstadt Wien. 

Bei den Spitalspatienten gab es am Freitag wieder einen leichten Anstieg. Insgesamt 903 Covid-19-Kranke mussten stationär behandelt werden, um 14 mehr als am Donnerstag. Die meisten Spitalspatienten gibt es mit 290 in Wien, hier kamen allein seit dem Vortag 23 weitere Covid-19-Erkrankte hinzu, innerhalb der vergangenen Woche wurde eine Steigerung von 52 Patienten registriert. Die Bundeshauptstadt verzeichnete in der vergangenen Woche eine Verdoppelung der täglichen Fallzahlen. Bei den Schwerkranken gab es österreichweit einen leichten Rückgang. Hier lagen am Freitag 228 Patienten auf Intensivstationen, um acht weniger als am Donnerstag.

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden wurden sieben weitere Todesfälle gemeldet. Seit Pandemiebeginn sind bereits 13.905 Menschen an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Allein in der vergangenen Woche wurden 75 Tote registriert. Pro 100.000 Einwohner sind seit Beginn der Pandemie 155,7 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben.

44,9 Prozent der Österreicher grundimmunisiert

6,38 Millionen Österreicher und somit 71,4 Prozent hatten am Freitag einen gültigen Impfschutz. Mehr als vier Millionen Menschen - exakt 4.006.363 - haben mit Stand Donnerstag die Drittimpfung erhalten und somit die Grundimmunisierung der Corona-Schutzimpfung abgeschlossen. Das sind 44,9 Prozent der Gesamtbevölkerung. Am höchsten ist die Rate der geboosterten Menschen - wie allgemein in Sachen Immunisierung - im Burgenland. Hier haben bereits mehr als die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner, genau 53 Prozent, die dritte Corona-Schutzimpfung erhalten.

Die 16.822 Neuinfektionen binnen 24 Stunden lassen den Wochenschnitt weiter steigen. Dieser betrug am Freitag bereits 12.814. Nunmehr gab es österreichweit 117.790 bestätigte aktive Fälle, um 10.973 mehr als am Tag zuvor. Allein in der vergangenen Woche sind österreichweit 89.696 Neuinfektionen registriert worden. Seit vergangener Woche haben sich die Fallzahlen durch die Dominanz der ansteckenderen Omikron-Variante beinahe verdoppelt. Vor sieben Tagen - am 7. Jänner - hatten die Ministerien noch 8.786 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet.

Die effektive Reproduktionszahl hat sich laut Update der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und der TU Graz auf 1,46 erhöht. In der vergangenen Woche lag sie noch bei 1,45. Das bedeutet, dass 100 Infizierte statistisch gesehen derzeit 146 weitere Menschen mit dem Coronavirus anstecken.

Seit Pandemiebeginn hat es in Österreich bereits 1.411.421 bestätigte Corona-Fälle gegeben. Als genesen gelten 1.279.726 Personen. Die meisten Neuinfektionen seit Donnerstag meldete Wien mit 4.932, in Niederösterreich waren es 2.548, in Tirol 2.425 und in Oberösterreich 2.030. Salzburg registrierte 1.861 weitere Infizierte, die Steiermark 1.387, Vorarlberg 821, Kärnten 561 und das Burgenland 257.

Das Bundesland mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz ist derzeit Salzburg mit 1.861,2, gefolgt von Tirol, Wien und Vorarlberg (1.556,9, 1.393,7 bzw. 943,5). Dahinter reihen sich Niederösterreich (778,8), Oberösterreich (774,1), die Steiermark (608,5), Kärnten (585,3) und das Burgenland (426,3).

Probleme mit PCR-Testsystem außerhalb Wiens

Seit Donnerstag gab es beinahe eine Million Corona-Tests. Doch das PCR-Testssystem hat in den vergangenen Tagen in weiten Teilen Österreichs für Probleme gesorgt, außerhalb von Wien könnte es künftig nicht mehr für alle diese aussagekräftigen Analysen geben. Generalmajor Thomas Starlinger, Mitglied der gesamtstaatlichen Covid-Krisenkoordination (GECKO), hatte in der "ZIB Nacht" eine Änderung der Teststrategie angekündigt.

Seit Donnerstag wurden österreichweit 774.748 aussagekräftige PCR-Tests eingemeldet, die Positivrate betrug 2,2 Prozent. Rund 60 Prozent der Analysen wurden in Wien durchgeführt, die Positivrate lag in der Bundeshauptstadt bei so hohen Testzahlen bei rund ein Prozent. In der vergangenen Woche wurden österreichweit täglich rund 651.000 PCR-Tests analysiert, davon lieferten zwei Prozent positive Resultate.

Im Vergleich dazu wurden vor genau einem Jahr 25.286 PCR-Tests eingemeldet. Am 14. Jänner 2021 lag die Positivrate bei dieser geringen Zahl an Analysen bei 13,85 Prozent. Die Ministerien hatten damals 3.510 Neuinfektionen und 53 Todesfälle binnen 24 Stunden registriert. Damals waren aber erst rund 68.000 Menschen erstmals gegen das Coronavirus geimpft worden, es gab noch einen Mangel an Impfstoffen. Im Krankenhaus mussten vor genau einem Jahr 2.086 Menschen behandelt werden, 361 benötigten eine intensivmedizinische Versorgung.

Am gestrigen Donnerstag wurden österreichweit 54.524 Impfungen verabreicht. Insgesamt haben laut den Daten des E-Impfpasses 6.677.304 Personen bereits zumindest eine Impfung erhalten. Genau 6.377.489 Menschen und somit 71,4 Prozent der Österreicher verfügen über einen gültigen Impfschutz. (apa)