Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei. Doch nun gibt es in Europa auch noch einen Krieg. Für Caroline Culen, klinische Psychologin und Geschäftsführerin der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, ist es in dieser Situation wichtig, Kindern Stabilität zu geben. Informationen sollten nicht vorenthalten, aber gefiltert und alters- und situationsgerecht vermittelt werden.

Ein Kindergarten- oder junges Volksschulkind sollte man nicht aktiv auf die Kriegssituation ansprechen: "Es hat noch keine Vorstellung von den Entfernungen, vom Kontext, von der realen Bedrohung." Wenn Kinder Nachrichten in den Medien oder Gesprächsfetzen von Erwachsenen aufschnappen und bei den Eltern nachfragen, heißt es, bereit zu sein für das Gespräch und Antworten zu geben: "Bei jugendlichen Kindern kann man nichts mehr schönreden", sagt Culen.

Eigene Panik nicht durchdringen lassen

In jedem Fall sei es wichtig, nicht die eigene Panik durchdringen zu lassen, sondern Ruhe, Zuversicht und Gelassenheit zu vermitteln, so die Psychologin. Dazu sollten die Erwachsenen zwischen der eigenen Betroffenheit und der Betroffenheit des Kindes unterscheiden: "Zuerst sollte ich meine Unsicherheiten, meine Ängste kennen, sonst kann man sich nicht auf das Kind konzentrieren, weil man mit den eigenen Gefühlen beschäftigt ist." Oft meinen es die Eltern gut, wenn sie "ihre Themen" mit den Kindern teilen wollen, für die Kinder sei das aber manchmal weder hilfreich noch relevant noch können sie etwas tun.

Es sei auch darauf zu achten, mit der Antwort nicht an der Frage vorbeizuschießen. Daher sollte man nachfragen, um herauszuhören, was das Kind daran beschäftigt, was es denn wissen will. Hat das Kind Ängste oder geht es um Begriffe, die unverständlich sind, oder geht es darum, "dass alle in der Schule über etwas sprechen, und ich möchte auch etwas dazu sagen"?

Bei der Erklärung der Situation ist es gut, Bilder zu finden, die das Kind kennt. Ein Vergleich mit einem Streit zwischen Kindern sei bei einer kriegerischen Auseinandersetzung aber nicht zielführend: "Streits zwischen Kindern gehören dazu, das darf und muss sein. Ein Krieg aber sollte nicht sein." Eine Möglichkeit wäre, Kinder an Situationen zu erinnern, in denen jemand, der stärker war als sie, das ausgenutzt hat, erklärt die Psychologin.

Ohnmachtsgefühle verhindern

Bei jungen Kindern ist es wichtig, zu vermitteln, dass sie nicht verantwortlich sind. Auch bei älteren Kindern geht es darum, zu verhindern, dass sie sich bedroht fühlen und in ein Ohnmachtsgefühl kommen: "Diese Ohnmachtsgefühle, nichts tun zu können, können überwältigend sein, wie auch die Corona-Pandemie gezeigt hat." Daher sei es wichtig, Stabilität zu vermitteln.

"Man kann Kindern sagen, dass Kriege immer schrecklich sind und alles versucht wird, um sie zu vermeiden, manchmal gelingt das nicht. Dann schaut man, dass es möglichst schnell vorbei ist, was man aber natürlich nicht versprechen kann", führt Culen aus. Gleichzeitig könne man das in einen Kontext setzen und auf die gut bewältigten Krisen in der Menschheitsgeschichte hinweisen. Und damit darauf, dass es sehr viele Menschen gebe, die alles tun, um einen Krieg zu verhindern, und dass diese Menschen Expertinnen und Experten auf ihrem Gebiet seien.

"Zum Schluss kann es sinnvoll sein, anzubieten, demnächst wieder über das Thema zu sprechen, falls das Kind das möchte. Denn die Situation verändert sich laufend, und damit verändern sich auch die Gefühle und Fragen dazu", ergänzt Culen.