Das Leben wird teurer. Nach ersten Schätzungen der Statistik Austria wird die Inflation im Februar in Österreich auf rund 6 Prozent steigen. Auch die Sorge, dass Russland als Reaktion auf die EU-Sanktionen seine Öl- und Gaslieferungen einstellen könnte, treibt die Energiepreise nach oben. Für Autofahrer sind die Folgen bereits spürbar: Ein Liter Diesel kostet an manchen Tankstellen schon mehr als 2 Euro. Die SPÖ forderte daher am Donnerstag eine Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Treibstoffe.

Neben Tanken, Strom und Heizen ist auch der Lebensmittelsektor von den Teuerungen betroffen: So benötigt beispielsweise die Erzeugung von Fleisch viel Energie, vom Anbau des Tierfutters bis hin zur Kühlung im Supermarkt. Auch Flugtickets könnten teurer werden: Der Grund sind neben höheren Kerosinpreisen auch Umwege auf dem Weg nach Asien, um den für bisher 36 Staaten gesperrten russischen Luftraum zu umfliegen.

Werden Energie und Treibstoffe teurer, wird es auch der Ausstoß von CO2. Dass klimaschädliche Emissionen zukünftig ins Geld gehen sollen, ist der Gedanke hinter der CO2-Steuer, die in Österreich mit heurigem Juli eingeführt wird. Doch nun könnte es der Ukraine-Konflikt sein, der die heimischen Konsumenten zu leistbaren - und damit klimafreundlicheren - Alternativen zwingt.

Auf der Suche nach leistbaren Alternativen

Derzeit seien die Energiekosten so hoch, dass den Menschen keine andere Wahl bleibt, als nach Sparmöglichkeiten zu suchen, sagt Verhaltensökonomin Katharina Gangl. In vielen Familien werde wohl derzeit diskutiert, wo Kosten gesenkt werden könnten, sei es bei der Heizung, durch kürzeres Duschen oder den Verzicht auf nicht notwendige Autofahrten.

Damit die aktuelle Krisensituation die Österreicher längerfristig zu ressourcenschonendem Verhalten hinführe, sei es essenziell, den Menschen geeignete Alternativen anzubieten, meint die Verhaltensökonomin. Wenn die Spritpreise in die Höhe schießen, wäre das der ideale Zeitpunkt, um massiv in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zu investieren und diesen zu bewerben, so Gangl. Als rasche Maßnahme kann sich die Verhaltensökonomin beispielsweise Gutscheine für den öffentlichen Verkehr vorstellen, um langjährige Autofahrer in Bus, Zug und U-Bahn zu locken. Sollte sich die Situation in der Ukraine wieder entspannen und die Energiepreise sinken lassen, könnten die Menschen die neuen Angewohnheiten durchaus beibehalten - sofern sie diese als praktisch wahrgenommen haben.

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht die Entwicklung dennoch kritisch. "Diese explodierenden Preise kann man nicht wollen", sagt Jasmin Duregger von der Umwelt-NGO. Noch würden vielerorts Alternativen fehlen, nicht jeder Pendler könne einfach auf den öffentlichen Verkehr umsteigen.

Greenpeace hält CO2-Steuer weiter für sinnvoll

Hingegen befürwortet Greenpeace nach wie vor die Einführung der CO2-Steuer: Hier würden die Emissionen stufenweise teurer werden, die Menschen hätten Zeit, ihr Verhalten anzupassen. Anstatt, wie zuletzt von der Wirtschaftskammer gefordert, auf die Abgabe zu verzichten, müssten finanziell schwache Haushalte jetzt treffsicher unterstützt werden. Diesen machen die Teuerungen aktuell besonders zu schaffen. Dabei wächst der CO2-Fußabdruck mit dem Einkommen, wie ein Greenpeace-Report aus dem Jahr 2020 offenlegt. So verursacht das einkommensstärkste Zehntel aller Haushalte in Österreich viermal so viele Emissionen wie die untersten 10 Prozent.