Energie sparen, um Wladimir Putin zu schaden - das empfahl der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) all jenen, die ihrer Solidarität mit der Ukraine Taten folgen lassen wollen. Und auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief im deutschen Frühstücksfernsehen dazu auf, Strom zu sparen. So könne jeder seinen kleinen Beitrag leisten, um den Bedarf an russischem Erdgas in der EU zu senken.

25 europäische NGOs forderten die EU vorige Woche in einem gemeinsamen Statement dazu auf, russische Energieimporte sofort zu stoppen, um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine nicht länger mitzufinanzieren. Doch derzeit ist Europa massiv abhängig von fossilen Energieträgern aus Russland. Laut der Statistikbehörde Eurostat stammten im ersten Halbjahr 2021 rund 47 Prozent des importierten Gases und knapp ein Viertel aller Rohöleinfuhren in die EU aus Russland.

Diese Abhängigkeit ist im Ukraine-Konflikt eine Achillesferse der europäischen Staatengemeinschaft, die diesen Sektor aus ihrem umfangreichen Sanktionspaket gegen Russland ausnehmen musste. Während die USA, die generell kein Gas aus Russland importieren, nun auch die Einfuhr von Rohöl aus Russland gestoppt haben, zeichnete sich beim EU-Gipfel am Freitag ab, dass die Europäer diesem Beispiel nicht folgen werden.

EU will russische Gasimporte deutlich reduzieren

Dabei würde ein Importstopp bei Öl und Gas die russische Wirtschaft massiv treffen: Mehr als ein Drittel der russischen Staatseinnahmen werden durch den Verkauf von Öl und Gas lukriert. Die EU will sich daher so schnell wie möglich aus der Energieabhängigkeit von Russland befreien. Bis Jahresende will die EU-Kommission die Gasimporte aus Russland um zwei Drittel senken. Noch vor 2030 möchte man völlig unabhängig von Russlands fossilen Energieträgern werden.

Kurzfristig soll Flüssiggas aus Ländern wie Katar, Ägypten oder den USA den europäischen Bedarf decken, längerfristig seien die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten gefordert, die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen zu forcieren, heißt es.

Doch auch ein allgemein niedrigerer Stromverbrauch würde den Bedarf an russischen Energieimporten verringern. "Frieren für den Frieden" wurde daher zu einer Parole auf Solidaritätskundgebungen mit der Ukraine. Die Heizung abschalten, damit sich Russland seinen Krieg nicht länger leisten kann: Was utopisch klingt, kann laut Harald Proidl von der österreichischen Energieaufsichtsbehörde E-Control durchaus effektiv sein, um den Gasbedarf in der EU zu drosseln.

Gas in Österreich nicht zentral für Stromerzeugung

Unterscheiden müsse man hier allerdings zwischen Strom- und Gasverbrauch, erläutert Proidl. Wer seine Gasheizung um 1 Grad zurückdreht, spart 5 bis 6 Prozent der Heizenergie ein. Hier können also auch Privathaushalte mit einfachen Mitteln tatsächlich einen merkbaren Beitrag leisten.

Weniger deutlich würde sich in Österreich hingegen ein generelles Stromsparen auswirken: Nur rund ein Fünftel des österreichischen Stroms wird aus Gas gewonnen, im Winter ist der Anteil tendenziell etwas höher. Der weitaus größere Teil der österreichischen Gasimporte, die derzeit noch zu mehr als 80 Prozent aus Russland stammen, fließt laut Proidl in industrielle Prozesse.