Moore haben für den Klimaschutz eine besondere Bedeutung: Sie speichern in ihren Torfschichten ungeheure Mengen Kohlenstoff. Entwässerung oder Torfabbau zerstören diesen Speicher und setzen den gebundenen Kohlenstoff als klimaschädliches Kohlendioxid frei. Im Februar haben Bund und Länder eine Moorstrategie veröffentlicht, die Aktionspläne für alle Bundesländer enthält. Vorarlberg legt einen Fokus auf die Erhaltung der intakten und Renaturierung der geschädigten Moore.

Unter den Festland-Lebensräumen gelten Moore als die effektivsten Kohlenstoffspeicher. Sie bedecken drei Prozent der weltweiten Landoberfläche, speichern dabei aber ein Drittel des erdgebundenen Kohlenstoffs. Das ist doppelt so viel wie alle Wälder der Welt zusammen. Werden Moore trockengelegt, mutieren sie jedoch zu CO2-Schleudern: "Das Moor wird von der Kohlenstoff-Senke zur Treibhausgasquelle", wie es Christiane Machold, Vorarlberger Co-Autorin der Moorstrategie, formuliert.


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Nutzungsdruck

"Die Moorlebensräume sind insgesamt in Österreich in einem nicht sehr guten Zustand", sagt Machold, die als Biologin in der Umwelt-und Klimaschutzabteilung des Landes tätig ist. "In Vorarlberg haben wir sehr schöne Moorbereiche, aber der Druck ist groß." Gerade auf die Flachmoore im Rheintal sei der Nutzungsdruck über die vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte riesig gewesen. Große Flächen wurden nach dem Krieg landwirtschaftlich nutzbar gemacht, als Ackerflächen benötigt wurden. Dennoch seien in Rheintal und Walgau immer noch rund 1.000 Hektar Streuewiesen - Moorwiesen, die einmal im Jahr oder seltener für die Herstellung von Einstreu gemäht werden - vorhanden. 600 davon sind im Rahmen der Streuwiesenverordnung seit den 1990ern geschützt, weitere als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen.

Vorarlberg, das einen großen Anteil an den österreichischen Mooren beheimatet, weist eine riesige Vielfalt verschiedener Moortypen auf, berichtet Machold. Die wichtigsten Moorlandschaften befinden sich im Rheintal und im Bregenzerwald mit seinen vielen Hochmooren. Ob man von einem Hoch- oder einem Niedermoor spricht, hat übrigens nichts damit zu tun, auf welcher Seehöhe sich das Feuchtgebiet befindet, sondern mit seinem Aufbau. Hochmoore bilden einen eigenen Wasserkörper, der unabhängig vom Grundwasser ist und nur von Regenwasser gespeist wird. Die teilweise 5.000 Jahre alten Hochmoore weisen einen besonders großen Torfkörper auf und können damit auch besonders viel CO2 binden.

Moorschutz-Aktionsplan

Das größte Problem für Moore sind grundsätzlich Eingriffe in die Hydrologie. Bei Renaturierungen geht es demnach in erster Linie darum, wieder Wasser ins Moor bringen, zum Beispiel durch das Einziehen von Staudämmen in Entwässerungsgräben. In Sachen Renaturierung von Mooren durch Wiederherstellung des typischen Wasserhaushalts stehe man in Vorarlberg noch am Anfang, so Machold. Es tue sich aber auch hierzulande einiges. Der Schutz der wertvollen Feuchtgebiete soll durch im Moorschutz-Aktionsplan festgeschriebene Maßnahmen verstärkt werden, Renaturierungen in mehreren Bereichen sind in Planung. So setzt sich laut Machold beispielsweise der Naturpark Nagelfluhkette im Krumbacher Moor stark für das Thema ein. In den vergangenen Jahren konnten auch bereits umfangreiche Projekte im Hohenemser Gebiet Schollaschopf, wo 88 Stauwehre eingezogen wurden, im Fohramoos am Dornbirner Bödele und im Götzner Orsankamoos umgesetzt werden. Der Vorarlberger Aktionsplan ist derzeit in der finalen Ausarbeitung und Abstimmung. (apa)