Seit einigen Wochen bereitet Epidemiologen eine merkliche Häufung von Leberentzündungen bei Kindern Sorgen, deren Ursprung rätselhaft bleibt. Nun sind auch die ersten beiden Verdachtsfälle in Österreich gemeldet worden. Es handelt sich um zwei Kinder, die im St. Anna Kinderspital in Wien versorgt werden. Insgesamt sind es nur rund 170 Fälle in Europa.

In Großbritannien, wo in Schottland am 5. April erstmals eine Häufung von Hepatitis-Fällen bei Kindern auffiel, wurden in der Vorwoche insgesamt 108 derartige Fälle gemeldet. Wie die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC am Montag erklärte, ist die Daten- und Meldelage in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich, es könne daher auch eine Unterschätzung der tatsächlichen Zahlen vorliegen. Teilweise ist der Verlauf dieser Erkrankungen schwerwiegend, in Großbritannien erhielten sieben Kinder eine neue Leber, in den Niederlanden bei vier gemeldeten Fällen sogar drei Kinder.

Diverse Hypothesen


Unklar ist, was diese Hepatitis auslöst. Abgesehen von der leichten Häufung besteht die Auffälligkeit darin, dass nicht die klassischen viralen Auslöser (Hepatitis A bis E) vorliegen. Auch eine Covid-Impfnebenwirkung kann ausgeschlossen werden, von den 108 betroffenen Kindern in Großbritannien ist kein einziges gegen das Coronavirus geimpft worden. Mehr als 70 Prozent der Kinder wurden allerdings positiv auf Adenoviren getestet, in Dänemark, wo bisher sechs Fälle auftraten, jedoch keines.

Dass eine Adenovirus-Infektion zumindest eine Rolle spielt, eventuell gemeinsam mit anderen Faktoren, ist im Moment die am häufigsten genannte Hypothese. Die Covid-Schutzmaßnahmen, die das Infektionsgeschehen insgesamt reduziert haben, könnten Kinder anfälliger gemacht haben, das Adenovirus selbst könnte sich aber auch verändert haben und die Leber stärker angreifen. Bei diesem bekannten Virus handelt es sich um eine ganze Virengruppe, die unterschiedliche Erkrankungen auslösen können, der Augen, der Atemwege und auch des Magen-Darm-Traktes.

Auch eine Infektion mit Sars-CoV-2 wird als möglicher Co-Faktor genannt. Doch die Bandbreite des Denkbaren ist noch sehr groß, wie auch das ECDC bekannt gab. Selbst eine neue Corona-Variante kann demnach nicht ausgeschlossen werden wie Umwelteinflüsse (bestimmte Gifte). Das Gesundheitsministerium hat in einem Schreiben alle Ärztinnen und Ärzte darüber informiert, Verdachtsfälle zu melden. Laut Epidemiegesetz sind nur infektiöse Leberentzündungen  der Typen Hepatitis A, B, C, D und E meldepflichtig. (sir)