An einigen Stellen kann es einen schon einmal reißen: Ist man unversehens in einen japanischen Film aus den 1950er-Jahren gerutscht, oder spielt man doch noch das Computerspiel "Trek to Yomi"?

Keine Farbe, keine computergestützte Technik - aufs Wesentliche beschränkt, schuf damals Filmikone Akira Kurosawa mit Streifen wie "Rashomon", "Die sieben Samurai" oder "Die verborgene Festung" Meilensteine, die die cineastische Welt bis heute prägen. Davon inspiriert, hat das polnische Entwicklerstudio Flying Wild Hog mit "Trek to Yomi" eine Hommage an das Werk des japanischen Ausnahmeregisseurs geschaffen.

Das Spiel in Schwarz und Weiß ist vollgepackt mit Motiven, die man aus Kurosawas Filmen kennt: Hier ist der Meister, der seinen Schüler auf kommende Aufgaben vorbereitet; dort der strahlende Held, der versucht, gegen eine Übermacht eine Ungerechtigkeit auszubügeln; an seiner Seite findet sich eine Yamato Nadeshiko, also jene Mischung aus Hausfrau, Samurai und Geisha, die für viele das Ideal der japanischen Frau ist.

"Trek to Yomi" besticht durch seine Einfachheit in allen Belangen. Die Erzählung ist prägnant und vermeidet störende Überlängen: Der junge Samurai Hiroki zieht aus, sein Dorf und seine Geliebte zu verteidigen. Angesiedelt in der frühen Neuzeit, führt ihn sein Weg auch nach Yomi - das Reich der Toten. Dabei wird der Spieler in moralische Dilemmata verwickelt und muss Entscheidungen treffen, die den weiteren Verlauf des Spiels beeinflussen.

Simpel, aber keinesfalls anspruchslos ist auch das Spiel, das primär aus Schwertkämpfen besteht. Die Schwierigkeitsstufen reichen dabei von angenehm bis frustrierend. Erfolgreiche Angriffe und die Verteidigung ergeben sich durch das Drücken der richtigen Knöpfe im richtigen Moment. Die Kämpfe finden dabei in einem schlichten zweidimensionalen Szenario statt, während die Welt an sich dreidimensional - aber nicht offen - ist. Mit Fortschreiten des Spiels werden zusätzliche Angriffskombinationen freigeschaltet, was grundsätzlich Abhilfe gegen monotones Knopfhämmern verschafft. Trotzdem kommt das Ende des kurzweiligen Spiels letztlich gerade rechtzeitig, um Überdruss zu vermeiden. Vor allem dann, wenn man draufkommt, dass simples Parieren und Zuschlagen bei Weitem effektiver sind als die gefinkeltsten Angriffskombos.

Die Grafik wiederum bietet alles, was man braucht, um sich wie in einem Kurosawa-Film zu fühlen. Kontraststarkes Schwarz-Weiß, Fuselhärchen auf Zelluloid, grobkörnige Nachtszenen, Knistern, Rauschen, Kringel für den Filmrollenwechsel - die Entwickler haben an so gut wie alles gedacht, um ein authentisches 50er-Jahre-Gefühl zu evozieren. Diese optische Zurückstufung hilft gleichzeitig immens dabei, Umwelt und Personen umso realistischer zu empfinden. So wie Kurosawas Filme gleichen auch hier die Szenen Gemälden.

Um jedes Detail an Authentizität bemüht

Passend zu den frühen Kurosawa-Filmen ist auch der Ton: Viele seiner Filme wurden erst spät synchronisiert. Das führte dazu, dass sie bei ihrem Erscheinen in Österreich auf Japanisch mit deutschen Untertiteln gezeigt wurden. Ebenso verhält es sich bei "Trek to Yomi".

Unterm Strich ist das Spiel eine bildgewaltige Hommage an Akira Kurosawa, mit einem simplen, aber unterhaltsamen Kampfsystem, von dem man sich nicht zu viel erwarten darf. Die Dauer kann man bei etwa zehn Stunden ansetzen. Derzeit auf Steam für 18 Euro erhältlich, kann man mit dem Kauf des Spiels nicht viel falsch machen.