Schwere Unwetter haben in der Nacht auf Mittwoch für Verwüstung im Großraum Villach gesorgt. In Treffen starb ein Mann bei einem Murenabgang. Ein zweiter Vermisster wurde lebend geborgen. Die Gemeinde Arriach war weiter von der Außenwelt abgeschnitten, alle Zufahrtsstraßen waren unpassierbar. Im Gegendtal standen Ortschaften unter Wasser, Straßen und Häuser waren vermurt. Zahlreiche Feuerwehren waren im Einsatz, außerdem das Bundesheer mit Hubschraubern und schwerem Gerät.

 Enorme Regenmengen hatten für die massiven Überschwemmungen gesorgt. In Treffen am Ossiacher See und in der Gemeinde Arriach war noch in der Nacht eine Zivilschutzwarnung ausgegeben worden. Diese bleibt vorerst aufrecht, hieß es bei einer Pressekonferenz des Einsatzstabs am Mittwochabend in Treffen. In der gesamten Region waren Straßen unpassierbar oder teilweise weggerissen. Eine Öffnung für den Zivilverkehr dauert voraussichtlich noch mehrere Tage.

In Treffen am Ossiacher See (Bild) und in der Gemeinde Arriach wurde noch in der Nacht eine Zivilschutzwarnung ausgegeben.  
- © apa / Gert Eggenberger

In Treffen am Ossiacher See (Bild) und in der Gemeinde Arriach wurde noch in der Nacht eine Zivilschutzwarnung ausgegeben. 

- © apa / Gert Eggenberger

"Derzeit haben wir noch nicht das gesamte Schadensausmaß", sagte Stabschef Thomas Enenkel. Am Donnerstag werden weitere Erkundungsflüge starten. Außerdem sollen mit den fünf Hubschraubern, die zur Verfügung stehen, Monteure des Stromversorgers Kelag zu Schadstellen geflogen werden, damit die Stromversorgung wieder hergestellt werden kann. Bei den Einsatzkräften am Boden lag der Fokus auf der Wiederherstellung der Straßeninfrastruktur. 

Zehn bis 15 Menschen, die in ihren vermurten Häusern eingeschlossen waren, wurden am Mittwochvormittag mit Hubschraubern geborgen, sagte Riepan. Andere vom Unwetter Betroffene zogen es vor, in ihren Häusern zu bleiben, etwa wenn die oberen Stockwerke weiter bewohnbar waren. Wie viele Menschen in der Region durch die vermurten Straßen zuhause festsaßen, könne man nur schätzen, sagte der Bezirkshauptmann. Notquartiere brauche es derzeit nicht.

Bundespräsident Van der Bellen: "Passen Sie auf sich und Ihre Mitmenschen auf"

Angesichts der Zerstörungen meldete sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen via Twitter zu Wort. Er appellierte an die Bevölkerung "Passen Sie auf sich & Ihre Mitmenschen auf" und dankte den Einsatzorganisationen. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) brach eine Brüssel-Reise ab, "um den Leuten, so gut ich es vermag, beizustehen". Er werde am späten Abend zu den Einsatzkräften stoßen, sagte Kaiser in deiner Videobotschaft.

Der für Katastrophenschutz zuständige Landesrat Daniel Fellner (SPÖ) sagte gegenüber der APA, dass sich über das Internet Freiwillige formieren würden, um mit Schaufeln ins Katastrophengebiet helfen zu kommen. Er appellierte, dies in der momentanen Situation bleiben zu lassen.

Arriach weiterhin nicht erreichbar

Nicht erreichbar war weiterhin die Gemeinde Arriach. Bis spätestens Freitag soll es gelingen, eine Behelfsstraße von Himmelberg aus zu errichten, um die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten zu gewährleisten. Falls dies nicht gelingt und für Notfälle steht eine Versorgung wäre eine Versorgung via Hubschrauber möglich, sagte Enenkel.

In Treffen wurde die Wasserversorgung am Nachmittag wieder hergestellt. Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner (SPÖ) appellierte an die Bevölkerung, das Wasser aus der Leitung aber vorerst abzukochen. Eine Verkeimung sei möglich.

Bei dem Todesopfer handelte es sich laut Polizei um einen 82-jährigen Mann aus Treffen. Er wurde unmittelbar vor seinem Wohnhaus von einer Mure 300 Meter mitgerissen. Ein zweiter Mann galt den Mittwoch über als vermisst. Er dürfte von den Wassermassen mit seinem Auto mitgerissen worden sein. Seine Bergung gelang, er wurde per Polizeihubschrauber aus dem Gefahrenbereich geflogen, teilte eine Behördensprecherin mit.

Fokus auf Straßeninfrastruktur

Der Fokus liege momentan darauf, die Hauptverkehrsverbindungen wieder befahrbar zu machen, um Trinkwasser zu den Menschen zu bringen, sagte der Bezirkshauptmann. Laut Energieversorger Kelag waren am Nachmittag noch rund 2.000 Kundenanlagen ohne Strom, betroffen waren unter anderem Arriach und das Gegendtal. Riepan sagte, dass man am Donnerstag Kelag-Monteure zu den Schadstellen im Netz fliegen werde.

Ausgelöst worden waren Muren und Überflutungen durch heftigen Regen in der Nacht. In nur drei bis vier Stunden hatte es auf der Flattnitz 93 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben. In Villach waren es 97 Liter und in Arriach 118 Liter, sagte Gerhard Hohenwarter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Klagenfurt: "Damit hat es hier in nur wenigen Stunden so viel geregnet wie in einem durchschnittlichen gesamten Juni."

Größte Regenmengen seit Messbeginn

Seit Messbeginn der jeweiligen Wetterstation gab es laut ZAMG noch nie so große Regenmengen in so kurzer Zeit. In Villach wird seit dem Jahr 1930 gemessen, auf der Flattnitz seit 1971 und in Arriach seit 1990. Statistisch gesehen könne man von einem Ereignis sprechen, das ungefähr alle 100 Jahre zu erwarten ist, erklärte Hohenwarter. Der Wetterausblick für das betroffene Gebiet war vorerst nicht optimal: Bevor sich das Wetter am Donnerstag beruhigt, sind in Kärnten, der Steiermark und Teilen von Ober- und Niederösterreich noch weitere Regenschauer und Gewitter möglich.

Bereits am Dienstagabend hatten die Unwetter in Kärnten begonnen. In Villach, den Bezirken Villach-Land und Feldkirchen sowie rund um den Millstätter See und in Bad Kleinkirchheim rückten 70 Feuerwehren zu 150 Einsätzen aus. Besondere Probleme bereitete Sturm mit teilweise orkanartigen Böen bis 128 km/h. Bäume stürzten um und ganze Dächer wurden abgedeckt. Laut Polizei wurden auch Stromkabel gekappt. Wie zum Beispiel in Ferlach: Durch einen Blitzschlag stürzte eine 15 Meter hohe Linde auf eine Oberstromleitung. Durch die Zugkraft der niedergedrückten Stromleitung wurden die Dächer von zehn Gebäuden beschädigt indem die Dach-Stromhalterungen ausrissen. (apa)