Menschen, die aufgefordert wurden, ihre Häuser nicht zu verlassen. Personen, die in ihren Wohnungen eingeschlossen waren. Sturzfluten nach Starkregen und Murenabgänge ließen die Bevölkerung in der Nacht auf Mittwoch speziell im Bezirk Villach-Land in Kärnten zittern. Im Laufe des Tages wurde nach Unwettern Zivilschutzalarm dann aber auch in Tamsweg im Salzburger Lungau ausgelöst. Die Bewohner wurden aufgefordert, daheim zu bleiben. Keller und Tiefgaragen sollten nicht betreten werden, um nicht von Geröll und Wassermassen dort überrascht zu werden.

An sintflutartige, oft kleinräumige Regenfälle, an Gewitter mit Hagelschlag und selbst an Murenabgänge und Vermurungen durch plötzlich reißende Bäche haben sich Einsatzkräfte in unterschiedlichen Regionen in Österreich beinahe schon gewöhnt. Neben enormen Sachschäden werden Unwetter und Starkregen allerdings auch zunehmend zur Gefahr für die Bevölkerung.

In Kärnten galten zunächst am Vormittag zwei Personen als vermisst. Am frühen Nachmittag herrschte dann traurige Gewissheit. Ein 82-jähriger Mann war mitten im Ort Treffen von Geröll- und Wassermassen in der Garage überrascht worden und ist ums Leben gekommen. Laut dem Villacher Bezirkshauptmann Bernd Riepan wurde noch eine weitere Person vermisst. Ein Autofahrer soll von den Fluten mit seinem Fahrzeug mitgerissen worden sein.

Regenmengen wie nur
alle 75 Jahre

Treffen am Ossiacher See wurde ebenso wie Arriach, das am Mittwoch von der Außenwelt abgeschnitten war, besonders in Mitleidenschaft gezogen. Allein ein Dutzend Bagger war damit beschäftigt, die Straßen freizubekommen. Das Bundesheer wurde zur Unterstützung angefordert.

Stellenweise habe es in Kärnten im Gebiet um den Ossiacher See innerhalb von vier bis sechs Stunden 100 Liter pro Quadratmeter geregnet, berichtet Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). "Das ist äußerst selten", meint er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das komme in dem Gebiet alle 75 Jahre vor.

Die jüngsten Unwetter und ihre dramatischen Folgen passen zu einem Phänomen, das Experten bereits seit längerem beobachten. Die Trockenphasen im Sommer werden zusehends länger, wenn es dann aber regnet, sind in einer kurzen Zeitspanne die Niederschläge viel intensiver als früher.

Eine andere Entwicklung findet im heurigen Juni eine Fortsetzung: Speziell der Juni werde im langjährigen Schnitt immer heißer. Erst am vergangenen Wochenende wurde in mehreren Bundesländern mit Temperaturen um oder über 35 Grad der Juni-Rekord gebrochen.

"Der Juni ist sehr warm geworden"

"Es ist schon eine andere Zeitrechnung", sagt Orlik: "Der Juni ist sehr warm geworden." Verglichen mit der Zeitspanne von 1930 bis 1990 sei der Juni ab dann fast schlagartig wärmer geworden, es habe ab 1990 einen richtigen Knick mit steigenden Mittelwerten gegeben. In der Klimaperiode ab 1991 seien die Juni-Temperaturen im Schnitt um 2,4 bis 2,5 Grad höher. 2019 war diesbezüglich noch einmal ein Ausreißer nach oben mit 3,8 Grad über dem Juni-Durchschnitt. Der heurige Juni wird ebenfalls unter den Top 5 seit 1990 liegen. Grund dafür ist vor allem eine längere Sonnenscheindauer.

Wenn die brütende Hitze unterbrochen wird, gibt es immer wieder bei Unwettern Meldungen über Hagelschlag. Das macht besonders den Bauern zu schaffen. Am Wochenende waren Gebiete in Oberösterreich davor betroffen.

Wetterextreme nehmen zu, Bauern speziell betroffen

Es handelt sich keineswegs um eine gefühlte Häufung von Unwettern und Schäden. "Was wir schon beobachten, ist, dass diese Form der Wetterextreme zunehmen", bestätigt Mario Winkler von der Österreichischen Hagelversicherung. Mehr Regen binnen kürzester Zeit, in mehr Gebieten versiegelte, oft zubetonierte Böden, die keinen Regen aufnehmen, orkanartige Stürme. Insgesamt sei diese Entwicklung "schon auf den Klimawandel zurückzuführen".

Besonders zu spüren bekommen die Wetterextreme Österreichs Bauern. Allein in der Landwirtschaft wurden bisher heuer rund 25 Millionen Euro an Schäden gemeldet, lautet die vorläufige Bilanz der Hagelversicherung bis zum Mittwoch. Hagel habe es zwar auch früher gegeben, aber auch da ist die Größe auffallend - mit Hagelkörnern groß wie Taubeneier oder wie Golfbälle.