Das ungarische Großprojekt am Neusiedler See in Fertörakos ist vorerst vom Tisch. Eine Ausschreibung war gescheitert, da die für den Vertragsabschluss notwendige Finanzierung nicht vorhanden war, wie auch die burgenländische Wochenzeitung "BVZ" berichtet hatte. Geplant waren laut Greenpeace Ungarn Investitionen in Höhe von umgerechnet 110 Millionen Euro. Die Umweltschutzorganisation zeigte sich über den "Riesenerfolg" erfreut, warnte aber vor einer Neuplanung. 

Das Projekt sollte nicht nur vorübergehend ausgesetzt, sondern endgültig gestoppt werden, sagte Greenpeace-Expertin Katalin Rodics der APA. Obwohl bereits auf einem großen Uferabschnitt Bauvorbereitungen liefen, hofft Greenpeace nun, "dass die Vegetation sich schnell zurückerobert, was ihr gehört".

Doskozil plant Gespräche

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) will nach dem - zumindest vorübergehenden - Aus für das ungarische Großprojekt am Neusiedler See in Fertörakos Gespräche mit dem Nachbarland aufnehmen. Bei einem Treffen mit dem ungarischen Außenminister Peter Szijjarto noch im Juli werde es um die Folgen dieser Entscheidung gehen sowie um die geplante Wasserzufuhr aus der Moson-Donau in den Seewinkel, die gemeinsam mit Ungarn umgesetzt werden soll.

Dass das Großprojekt vorerst vom Tisch sei, habe er aus den Medien erfahren, sagte Doskozil. Er hoffe aber, dass man in Hinblick auf die Wasserzuleitung aus Ungarn bei den Gesprächen einen Schritt weiter komme und "wir dann über die Finanzierung reden können", meinte der Landeshauptmann.

Hotelkomplex mit 100 Zimmern war geplant

Rodics bezeichnete das Aussetzen des Projekts jedenfalls als "Riesenerfolg". Zugleich erinnerte sie daran, dass es laut Regierung eine Neuplanung der Investition geben werde. Greenpeace hofft jedoch darauf, dass die Entscheidungsträger die Unrentabilität des Projektes und die drohenden ernsthaften Umweltschäden erkannt hätten und endgültig von den Plänen Abstand nehmen.

Rodics erinnerte weiter daran, dass bereits derzeit nicht genug Wasser im See sei, um eine solche enorme touristische Inanspruchnahme auszuhalten. Das Projekt umfasste einen Jachthafen für 850 Liegeplätze, einen Hotelkomplex mit 100 Zimmern, Fußballplatz, Sporthalle, Parkhaus. Hinter dem Stopp des Vorhabens stünde sicher nicht nur der Geldmangel, sondern auch die große Empörung der Gesellschaft über das Mega-Bauprojekt, betonte Rodics.

Anhaltende Trockenheit gefährdet See


Auch Greenpeace Österreich hatte von Beginn an gegen das Großprojekt gekämpft und stellte am Montag in einer Aussendung fest: "Der Widerstand hat sich gelohnt." Vergangenen Dezember wurde etwa eine Ausschreibung für die Baustelle juristisch bekämpft: "Durch das Hinauszögern der Betonierungsarbeiten konnte der schlimmste Schaden für die Natur und den See abgewehrt werden. Wir werden jetzt genau beobachten, wie es auf der Baustelle weitergeht", so Stefan Stadler, Scientific Expert bei Greenpeace in Österreich.

Die geringe Wassermenge und anhaltende Trockenheit im Seewinkel haben die Politik im Burgenland auf den Plan gerufen. Mit 1. Juli wurde vom Land die Seemanagement GmbH gegründet, die helfen soll, den See langfristig abzusichern und "die Region trotz Trockenheit nachhaltig am Leben zu erhalten", wie vom Land hieß. Zu dem vorerst gescheiterten Projekt in Ungarn nahm man am Montag nicht Stellung.

Allerdings gibt es mit Ungarn Gespräche über eine Wasserzuleitung aus der ungarischen Moson-Donau. Christian Sailer, Leiter der "Task Force Neusiedler See/Seewinkel", betonte, dass man den See nicht sich selbst überlassen könne. "See und Seewinkel wurden bereits vom Menschen verändert", sagte er. Dass das Interesse Ungarns an dieser Zuleitung größer ist, wenn es eine entsprechende touristische Entwicklung auf der ungarischen Seite des Sees gibt, lässt sich vermuten. (apa/red).