Wienerin übergab Tasche mit Bargeld und Gold an falsche Polizistin. Falscher Polizist brachte Tirolerin um fünfstelligen Eurobetrag. Falsche Interpolbeamte entlockten Opfern das Geld. Das sind nur einige der Schlagzeilen der vergangenen Wochen, die sich mit ähnlichem Inhalt häufen: Ein vermeintlicher Polizist in Zivil ruft an oder läutet direkt an der Tür und berichtet zum Beispiel von einer Einbruchserie in der Gegend. Daher werde man das gesamte Bargeld, den Schmuck und das Familiensilber abholen und an einen sicheren Ort bringen.

Aber: Diese Mission sei streng geheim, um die (in Wahrheit erfundenen) Einbrecher nicht misstrauisch zu machen und auf frischer Tat zu ertappen. In einem weiteren, ebenfalls boomenden Szenario ist der falsche Inter- oder Europolbeamte der neue Auftritt des Trickbetrügers. In perfektem Englisch teilt er seinem Opfer am Telefon mit, dass dieses im Zuge von Ermittlungen mit gravierenden Verbrechen in Verbindung gebracht worden sei.

Davor wurde der Anruf mitunter über ein vermeintliches Callcenter vermittelt, wirkt also authentisch. Der Angerufene laufe Gefahr, dass sein Erspartes konfisziert werde, daher solle er dieses auf "sichere", digitale Bitcoin-Konten transferieren, so der Betrüger. Und auch hier handle es sich um geheime, sogar internationale Ermittlungen, weshalb er auf keinen Fall die österreichische Polizei kontaktieren solle.

"Die Täter passen sich an"

"Die Täter gehen mit der Zeit und passen sich laufend an", sagt Gerald Rak, Leiter des Büros für Betrugsermittlungen im Bundeskriminalamt, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dahinter steckten "wohl kaum Einzeltäter". Systeme wie diese funktionieren vielmehr arbeitsteilig: Beim falschen Polizisten etwa ruft einer an, und der andere fungiert als Geldbote. Davor wurden das Haus, die Wohnungen und deren Bewohner genau beobachtet, die Gepflogenheiten ausgekundschaftet und die Telefonnummern recherchiert. Städter und Landbewohner vom Westen bis zum Osten Österreichs sind laut Rak gleichermaßen betroffen.

Die typischen Opfer seien auch nicht mehr zwingend ältere Semester wie einst beim klassischen Neffentrick. Ganz im Gegenteil. "Auf die Inter- und Europolbeamten fallen eher junge Menschen herein", so Rak. Die falschen Polizisten "suchen sich aber schon vor allem betagtere Opfer aus".

Die Masche, an das Geld zu kommen, sei immer die gleiche: "Man arbeitet mit professioneller Manipulation, Einschüchterung, Druck und dem Prinzip der Angst", sagt Rak. Dass die falschen Polizisten meist schlecht gefälschte Ausweise mitführen, sei daher irrelevant. Vielmehr würden die Opfer mit geschickten "Human Based Social Engineering"-Methoden getäuscht, so Rak - also basierend auf sozialer Manipulation. "Sie sind so eingeschüchtert und geschockt, dass sie gar nicht nachfragen, weil ihnen gesagt wird, dass das Ganze eine geheime, wichtige Operation ist."

Deshalb kontaktieren auch die wenigsten während der Tat die echte Polizei. Es gebe einige Festnahmen, sagt Rak. Diese seien mitunter einem glücklichen Zufall geschuldet, weil zum Beispiel bei der Abholung des Familiensilbers durch einen falschen Polizisten die Tochter oder der Sohn des Opfers unangekündigt zu Besuch kommt. Wird Geld an die falsche Inter- oder Europol überwiesen, sei die Verfolgung etwas einfacher: "Da folgen wir der Spur des Geldes und versuchen in Kooperation mit den Banken, entreicherte Gelder zurückzuholen", sagt Rak.

Zahlen zu angezeigten Fällen und Aufgriffen möchte er nicht nennen, nur so viel: "Der entstandene Schaden bewegt sich in Millionenhöhe." Ein Mitglied einer Industriellenfamilie wurde beispielsweise laut Ermittler Josef Janisch um eine halbe Million Euro gebracht.

Schlaflosigkeit und Flashbacks

Die Dunkelziffer ist jedenfalls hoch. Eine Tatsache, die Udo Jesionek, Präsident der Verbrechensopferhilfe "Weißer Ring", auf ein gesteigertes Schamgefühl zurückführt. "Die Opfer schämen sich dafür, dass sie auf diese Betrugsmasche hereingefallen sind. Das führt zu einer hohen Dunkelziffer, da es den Betroffenen sehr schwer fällt, das Geschehene zu erzählen", sagt er zur "Wiener Zeitung". Dazu komme, dass diese zwar keine sichtbaren Verletzungen davontragen. "Opfer von Trickbetrug zu werden, führt jedoch zu psychischen Folgen, die mit denen körperlicher Gewalt vergleichbar sind", sagt Jesionek. "Symptome wie Schlaflosigkeit und Flashbacks sind keine Seltenheit."

Bis zu zehn Jahre Haft drohen

Wesentlich sei daher, sagt Rak vom Bundeskriminalamt, Betrug wie diesen schon im Vorfeld abzuwehren, indem man ihn erkennt. Denn: "Die Polizei würde nie am Telefon Details zu einer Einbruchserie bekanntgeben. Und schon gar nicht Geld abholen oder jemanden zum digitalen Kryptoautomaten schicken." Wichtige Befragungen würden auch nie zwischen Tür und Angel, sondern immer am Präsidium durchgeführt.

Der Strafrahmen für Betrug bewegt sich von einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten oder einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen bis hin zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Letztere kann dann zum Tragen kommen, wenn der Schaden die Grenze von 300.000 Euro übersteigt.