Drei Tage nach den schweren Unwettern ist es Montagabend im Tiroler Stubaital neuerlich zu mehreren Murenabgängen infolge von Starkregen gekommen. Der Parkplatz der Gletscherbahn wurde überflutet und ein geparktes Auto mitgerissen, teilte die Polizei Dienstagfrüh mit. Personenschäden seien keine gemeldet worden, die Stubaier Gletscherstraße wurde für den gesamten Verkehr gesperrt. Die Suche nach dem seit Freitag vermissten Pfarrer ist laut Wasserrettung derzeit unmöglich.

Die Aufräumarbeiten nach dem vergangenen Murenabgang waren noch im Gange, als es zu erneuten Erdrutschen kam. 
- © apa / Zeitungsfoto.at/ Daniel Liebl

Die Aufräumarbeiten nach dem vergangenen Murenabgang waren noch im Gange, als es zu erneuten Erdrutschen kam.

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"Wir haben aktuell keine Chance", schilderte Konrad Kirchebner von der Tiroler Wasserrettung der APA. Nach den neuerlichen Murenabgänge habe man im Wasser aufgrund der Verschmutzung keine gute Sicht, zudem sei der Wasserstand viel zu hoch, erklärte er. "Wir müssen besseres Wetter abwarten", meinte Kirchebner. Am Mittwoch werde die Lage neu beurteilt. Aber bei der Aufgabe handle es sich um die "Suche der Nadel im Heuhaufen", verdeutlichte er die Herausforderung.

Der Pfarrer wurde Freitagabend in seinem Auto sitzend von den Fluten mitgerissen. Bei einer Suchaktion am Samstag wurden lediglich private Gegenstände wie eine Bibel, Dokumente und eine Visitenkarte gefunden. Ein Teil des Fahrzeugs des 60-Jährigen war am Samstag in der Ruetz gefunden worden.

Aufräumarbeiten waren gerade im Gang

Die neuerlichen Unwetter ereigneten sich, während die Aufräumarbeiten nach den Elementarereignissen vom Freitag noch im vollen Gange waren. Nun müsse die Lage neu beurteilt werden, hieß es von der Polizeiinspektion Neustift.

Im Ortsteil Gasteig hielt die Brücke der L232 einem Murenabgang stand, doch wurde die Straße gesperrt. Auch der Radweg entlang der Ruetz musste gesperrt werden, ebenso wie die Gemeindestraßen Oberberg und Mühlenweg sowie der Uferweg ab der Einmündung des Oberbergbaches in die Ruetz bis zum Eingang ins Oberbergtal. Zudem musste in Neustift in einer Tischlerei und in einem Musiklokal Wasser abgepumpt werden. In der Gemeinde Schönberg kam es auf der B183 ebenfalls zu einem Murenabgang, weswegen die Straße für den gesamten Verkehr gesperrt werden musste.

Der Leiter der Abteilung Krisen- und Gefahrenmanagement des Landes Tirol, Elmar Rizzoli, hatte am Montag mit Blick auf die erwarteten Unwetter an die Bevölkerung appelliert, entsprechend Vorsicht walten zu lassen und "beispielsweise nicht unbedingt notwendige Autofahrten oder Spaziergänge zu vermeiden bzw. von gefährdeten Bereichen wie Fließgewässern Abstand zu halten". Das betreffe "allen voran die bereits am Wochenende stark betroffenen Gebiete", betonte Rizzoli in einer Aussendung. Die Tiroler Landesregierung wird am Dienstag in ihrer Regierungssitzung einen Beschluss fassen, dass private Elementarschäden aus dem Katastrophenfonds entschädigt werden.

Murenabgänge auch in Kärnten

Doch nicht nur im Stubaital kam es zu heftigen Gewittern. In Finkenberg im Zillertal stürzte laut Polizei ein Baum auf einen Hotelparkplatz. Dabei wurden drei Autos beschädigt, es wurde niemand verletzt.

Zwei massive Murenabgänge haben die Mölltalstraße in Oberkärnten verlegt. 
- © apa / Denise Gaschnig

Zwei massive Murenabgänge haben die Mölltalstraße in Oberkärnten verlegt.

- © apa / Denise Gaschnig

Zwei massive Murenabgänge haben am späten Montagabend außerdem die Mölltalstraße (B106) in Oberkärnten verlegt. Wie die Landespolizeidirektion Kärnten am Dienstag in der Früh mitteilte, löste sich zwischen Kilometer 37,8 und 39,5 "teilweise der gesamte südseitige Hang oberhalb der Bundesstraße". Drei Autos seien erfasst und teilweise mitgerissen worden, doch konnten sich alle Insassen selbst befreien und blieben unverletzt.

An den Fahrzeugen und Straßenleiteinrichtungen sei Sachschaden entstanden, hieß es. Die Mölltalstraße bleibe zwischen Tresdorf und Latzendorf (Bezirk Spittal an der Drau) bis zum Ende der Aufräumarbeiten am Dienstag gesperrt. Damit ist der oberhalb der Gemeinde Stall liegende Teil des Kärntner Gebirgstales, darunter die Orte Rangersdorf, Winklern oder Heiligenblut, nur über Osttirol, konkret die Großglocknerstraße (B107), erreichbar.

Auch Tiroler Reschenpass gesperrt

Ebenfalls nur eine großräumige Umfahrungsmöglichkeit gibt es für all jene, die vom Oberinntal in den Südtiroler Vinschgau fahren möchten. Nachdem eine Mure auf der italienischen Seite des Passes abgegangen war, ist die Reschenstraße (B180) am Grenzübergang komplett gesperrt. Ausweichen kann man nur über den Brennerpass oder die mautpflichtige Timmelsjoch Hochalpenstraße.

Die kürzeste Ausweichroute über das Schweizer Engadin scheidet nämlich aufgrund eines weiteren Erdrutsches aus. Wie die Nachrichtenagentur sda am Dienstag in der Früh meldet, verlegte eine Mure den Ofenpass, der das Engadin mit dem Münstertal und in weiterer Folge Südtirol verbindet. Das Münstertal im äußersten Osten der Schweiz war damit vom Rest des Landes komplett abgeschnitten, auch die Postbusverbindung in das Tal und nach Südtirol war bis auf weiteres unterbrochen.

Bauernhof im Lungau beschädigt

In Thomatal im Salzburger Lungau ist in der Nacht auf Dienstag ein Bauernhof während eines Unwetters von einer Mure beschädigt worden. Die Bewohner waren laut Polizei im Haus geblieben und sind unverletzt, die Tiere wurden aus dem Stall gebracht. Durch den Murenabgang im Bereich des Fischergrabens wurde ein Teil der Bundschuh-Landesstraße verschüttet.

Mitarbeiter der Straßenmeisterei Lungau sowie eines Erdbauunternehmens haben noch in der Nacht begonnen, die Straße von den Geröllmassen zu befreien. Im Einsatz standen auch 20 Feuerwehrleute der örtlichen Feuerwehr. Die Bundschuh-Landesstraße bleibt solange gesperrt, bis die Aufräumarbeiten abgeschlossen sind. (apa)