Die Leiche der oberösterreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr wurde am Mittwoch nun doch obduziert. Die Autopsie bestätigte vorerst den vermuteten Suizid. Angehörige hatten die Obduktion Kellermayrs bei der Staatsanwaltschaft Wels verlangt, das zuständige Gericht genehmigte danach diesen Antrag. Das Obduktionsergebnis ist jedoch ein vorläufiges. Ein schriftliches Gutachten und die chemisch-toxikologischen Untersuchungsergebnisse würden allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, hieß es von der Staatsanwaltschaft Wels.

Im Fall der Morddrohungen gegen Kellermayr ermittelt nun die Staatsanwaltschaft in München, konkret gegen eine männliche Person wegen des Verdachts der Beleidigung und Bedrohung. Nähere Details gab es dazu nicht. Die Anklagebehörde in Wels hatte die Ermittlungen gegen einen deutschen Verdächtigen mangels territorialer Zuständigkeit eingestellt. Eine Hackerin aus Deutschland hatte zwei Deutsche ausfindig gemacht, die Droh-E-Mails verfasst haben sollen. Da das aber bedeuten würde, dass der Tatort nicht in Österreich liegt, mussten die Ermittlungen in Österreich eingestellt werden.

Neue EU-Verordnung soll Ermittlungen erleichtern

Das Justizministerium bestätigte der APA, dass gerade eine neue EU-Verordnung ("E-Evidence") finalisiert werde, die nationale Regelwerke ergänzen soll. "Damit soll ermöglicht werden, dass die österreichischen Staatsanwaltschaften bei Onlinedienst-Anbietern Auskünfte über Teilnehmer-, Zugangs-, Verkehrs- oder Inhaltsdaten einholen können, ohne zuvor um Rechtshilfe bei einer Behörde im Ausland ansuchen zu müssen", teilte das Ministerium mit. Das könnte auch die Ermittlungsarbeiten im Fall der oberösterreichischen Ärztin beschleunigen, "da auch hier Täter aus dem Ausland ihre Hassbotschaften versendet hatten".

Dass die gegen Kellermayr gerichteten Drohungen nun von der Staatsanwaltschaft München strafrechtlich geprüft werden, da der Tatverdächtige in Deutschland wohnt, hat aus Sicht des Justizministeriums Vorteile: "Diese hat üblicherweise eine bessere Handhabe, um vor Ort der Polizei Ermittlungsmaßnahmen anzuordnen." Man prüfe aber derzeit, ob durch eine Ausweitung der inländischen Zuständigkeit eine raschere Ermittlungstätigkeit ermöglicht werden könnte.