Der klassische Eichensarg, der erst nach 20 Jahren verrottet, war einmal: Immer mehr Menschen halten Ökologie und Nachhaltigkeit bei der Bestattung für wichtig. Das hat eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von Aeternitas e.V., der Verbraucherinitiative Bestattungskultur, unter mehr als 1.000 Personen ergeben. Bereits 60 Prozent von diesen bezeichneten Ökologie und Nachhaltigkeit bei der Bestattung als "sehr" beziehungsweise "eher" wichtig, darunter etwas mehr Frauen als Männer. Die Befragten kamen aus Deutschland, in Österreich sei aber vieles zu diesem Thema in ähnlicher Form zu beobachten, heißt es auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" von Aeternitas. "Wir sehen schon seit längerem einen Trend zur naturnahen Bestattung", sagt auch Florian Keusch von der Bestattung Wien.

In der Vorwoche hat diese zum Beispiel ihren "lebenden Sarg" vorgestellt: für eine Naturbestattung ohne Verbrennung. Dieser besteht aus Pilzen, also aus deren Pilzgeflecht, das auf den ersten Blick wie Styropor aussieht. Ausgekleidet ist er mit Moos. Das Geflecht wurde in einer Passform in sieben Tagen ohne Einsatz von Wärme, Strom oder Licht herangezüchtet. Sobald der Sarg seine Grundform erreicht hat, wird das Geflecht getrocknet. Das Wachstum des Pilzes wird dabei unterbrochen, und er wird in eine Art Ruhezustand versetzt. Nach der Beisetzung belebt das Grundwasser das Geflecht, und dieses und der Verstorbene werden innerhalb weniger Monate zersetzt.

Aus Bambus und Bananenblättern

Der "lebende Sarg" ist aus einem Pilzgeflecht, das sich selbst und den Leichnam innerhalb weniger Monate zersetzt. 
- © APA / LOOP BIOTECH

Der "lebende Sarg" ist aus einem Pilzgeflecht, das sich selbst und den Leichnam innerhalb weniger Monate zersetzt.

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Was daran nachhaltig ist? Bei der Produktion des Sarges selbst entstehe kein klimaschädliches CO2, so die Bestattung Wien, und er verbrauche keine Ressourcen wie Holz. Und: Während der Kompostierung werden Giftstoffe neutralisiert, und der Boden wird regeneriert. Der Pilzsarg, den Architekt und Erfinder Bob Hendrikx aus den Niederlanden kreiert hat und der 990 Euro kostet, kann laut Bestattung Wien in einer eigenen Gruppe am Zentralfriedhof beigesetzt werden oder in jedem herkömmlichen Erdgrab.

Den ersten Fairtrade-Sarg hat 2018 der private Bestatter Marijan Martinovic nach Wien gebracht. Er ist aus Bambus, Weidenruten, Bananenblättern und Blättern der wilden Ananas unter fairen Arbeitsbedingungen gezimmert - oder besser geflochten. Im Inneren finden sich Maismatratzen und Decken aus ungebleichter Baumwolle. Hersteller des 1.400 Euro kostenden Fairtrade-Sarges ist die deutsche Boskamp Greencoffins GmbH. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bestand der Sarg schließlich auch den Dichtheitstest in Österreich durch einen externen Sachverständigen, den die MA 40 (Magistratsabteilung für Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht) durchführen ließ.

Dass auch Erdbestattungen mit Särgen nachhaltig sein können, ist eine junge Entwicklung, die vermutlich noch weiter perfektioniert werden wird. Als umweltfreundlichere Alternative zur Erdbestattung galt lange das Verbrennen von Leichnam und Sarg im Krematorium, das die katholische Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 erlaubt. Der Sarg muss davor zwar dennoch hergestellt werden, und die Kremierung braucht Energie - weil dabei aber ein Teil der Schadstoffe des Körpers wie Phosphor, Eisen und Zink gefiltert und entsorgt wird, stellt die Asche selbst eine geringere Belastung für Boden und Grundwasser dar.

Der Anteil der Feuerbestattungen in Wien sei zuletzt gestiegen, sagt Keusch von der Bestattung Wien: Lag dieser vor fünf Jahren noch bei 30 bis 32 Prozent, so seien es heute bereits 36 Prozent. Vor zehn Jahren waren es erst 25 Prozent. Den Waldfriedhof "Waldesruh" in Breitenfurt, ein Gemeinschaftsprojekt der Bestattung Wien und des Forst- und Landwirtschaftsbetriebes der Stadt, habe man bereits erweitern müssen, "weil das Interesse so groß ist". Auf diesem werden ausschließlich Urnen aus biologisch abbaubarem Material beigesetzt: nahe den Baumwurzeln, wodurch die Asche im Laufe der Zeit im Baum aufgehen soll. Biologisch abbaubare Urnen kosten ab 100 Euro aufwärts, die Kosten für einen Sarg kommen freilich noch dazu.

"In Vorarlberg sind wir bei mehr als 90 Prozent Feuerbestattungen", sagt Rainer Wernhart, Bestatter und Sprecher der Bestatterinnung in der Wirtschaftskammer Österreich. Vor zehn Jahren waren es 65 Prozent. Dass der Westen hier um vieles nachhaltiger als der Osten agiert, sei aber vermutlich auch der Topographie mit wenig Fläche für wachsende Friedhöfe geschuldet, meint Wernhart. Österreichs durchschnittlicher Anteil liege bei 45 Prozent Feuerbestattungen, im Vorjahr sind laut Statistik Austria insgesamt rund 92.000 Menschen verstorben.

Kompostierung der Leiche in Schweden und den USA

Die Asche muss aber nicht zwingend nahe einer Baumwurzel begraben werden, um wieder eins mit der Natur zu werden: Auch das Verstreuen in der Donau ist möglich. Allerdings nur in Niederösterreich, sagt Wernhart, und in Wien und Oberösterreich nicht. Denn Bestattungsgesetze existieren in Österreich so viele, wie es Bundesländer gibt. In den meisten sei es mit einer Bewilligung der zuständigen Behörde möglich, die Urne mit nach Hause zu nehmen, berichtet Wernhart. Will man die Urne im eigenen Garten begraben, muss zum Beispiel in Niederösterreich der Bürgermeister zustimmen.

Andere Länder sind hier schon weiter. In Schweden etwa ist eine Kompostierung der Leiche durch Gefriertrocknen und Zerkleinern möglich. In einigen Bundesstaaten der USA wie in Washington wiederum kann der Körper des Verstorbenen in einer speziellen Kiste mit Mikroorganismen zu Humus zersetzt werden. Dieser wird danach bestattet.