Spuren von Mineralöl in der Butter: Das fand das Deutsche Verbrauchermagazin "Öko-Test" in 19 von 20 untersuchten Buttersorten. Insgesamt 17 schnitten demnach "mangelhaft" oder "ungenügend" ab, fünf von diesen tragen ein Bio-Siegel. Allein die "Bio-Fassbutter" der Gläsernen Molkerei war mineralölfrei. Am allerschlechtesten wurde die "ÖMA Allgäuer Bauernbutter" bewertet: Diese überschreite den EU-Richtwert für die sogenannten alkylierten aromatischen Kohlenwasserstoffe (MOAH) um fast das Zehnfache, schrieb die Öko-Test-Redaktion. Der Richtwert vom Mai 2022 liegt bei zwei Milligramm pro Kilogramm für Fette und Öle. Lebensmittel, die nachweisbare Rückstände über diesem Wert aufweisen, sollen laut EU vom Markt genommen werden.

Auch in Schokolade und grünem Tee

Das Alarmierende für Österreich dabei: Sieben der kontaminierten, in Deutschland untersuchten Buttersorten stehen auch in den heimischen Supermarktregalen zum Verkauf, sagt Birgit Beck vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) zur "Wiener Zeitung". Darunter die am negativsten hervorstechende Sorte ÖMA sowie Alnatura, Andechser, Dennree, Landliebe, Meggle und die irische Kerrygold.

Beck könne zwar nicht bestätigen, dass auch die österreichische Butter Mineralöl enthält, schlichtweg, weil es noch keine Untersuchungen in diese Richtung gab - ausschließen könne sie es daher aber auch nicht. Die Zahlen aus Deutschland und der hohe Anteil des Mineralöls hätten sie jedenfalls "selbst erschreckt", sagt Beck. Eine Kontaminierung mit Mineralöl habe man generell auch schon in Schokolade oder grünem Tee entdeckt. Nun auch Butter danach zu untersuchen, wäre für Österreich laut Beck ebenfalls wichtig und interessant.

Die Quellen für das Öl - oder genauer gesagt die Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, die aus Erdöl(produkten) stammen - und die Wege, auf denen dieses in die Butter kommt, seien mannigfach. Direkt beigemengt werde es nicht, für die Kontamination von außen gibt es laut Beck aber genügend Möglichkeiten. Vor allem die bei Butter häufig verwendete Folie dürfte eine mögliche Kontaminationsquelle sein. Aber auch Jutesäcke können betroffen sein. Die Schmieröle der Maschinen während des Schneidprozesses können ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Genauso wie die sogenannten Weißöle, die bei der industriellen Produktion von Lebensmitteln zum Einsatz kommen, damit diese bei der Herstellung nicht an unterschiedlichen Oberflächen kleben bleiben. Mineralöl ist jedoch nicht gleich Mineralöl. "Öko-Test" fand konkret zwei Substanzen, und zwar besagte alkylierte aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH), wie man sie in der "ÖMA Allgäuer Bauernbutter" in hoher Konzentration gefunden hat, sowie gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH). Beide werden vom Körper aufgenommen - und können jeweils auf ihre Weise problematisch werden. "Von den MOSH weiß man, dass sie sich im Körper anreichern", sagt Beck, "wie bedenklich sie sind, ist aber noch nicht ausreichend bekannt." Bei Tierstudien lösten sie Entzündungen der Leber aus, heißt es dazu von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages). Besonders kritisch seien die MOAH, so Beck: Diese seien krebserregend "und sollten auf gar keinen Fall in Lebensmitteln sein".

Kohlenwasserstoffe in allen untersuchten Kartons

Die Ages untersuche Lebensmittel auf Mineralöl-Kohlenwasserstoffe im Rahmen von Schwerpunktaktionen, heißt es von dieser. 2017 nahm sie im Zuge dessen 20 kartonverpackte, trockene, lang haltbare Lebensmittel hinsichtlich der Belastung mit MOSH und MOAH unter die Lupe. "Sowohl MOAH als auch MOSH wurden in allen untersuchten Kartonproben festgestellt", so die Ages.

Eine 2012 veröffentlichte Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat laut Ages ergeben, dass Menschen täglich zwischen 0,03 und 0,3 Milligramm an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH) pro Kilogramm Körpergewicht über Lebensmittel aufnehmen. Kleinkinder und Kinder haben mit 0,2 bis 0,3 Milligramm MOSH pro Kilogramm Körpergewicht demnach die höchsten Aufnahmewerte innerhalb der Bevölkerung, vor allem Süßigkeiten wurden dafür verantwortlich gemacht. An den krebserregenden MOAH nimmt man der Studie zufolge um einiges weniger auf, und zwar zwischen 0,006 und 0,06 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.

Verbraucherschützer in Deutschland raten, Lebensmittel wie Butter nach dem Einkauf zuhause in eigene Gefäße umzufüllen, damit etwaiges Mineralöl aus der Verpackung nicht in diese eindringen kann. Tiefkühlprodukte sind laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung nicht betroffen: Mineralölbestandteile "gasen unter solchen Bedingungen nicht aus", heißt es. Deshalb sei nicht damit zu rechnen, dass sie in die Tiefkühlkost übergehen.