Ein Video, das sich am Sonntagnachmittag auf Social Media verbreitete, ließ Schlimmstes annehmen. In dem wenige Sekunden langen Clip ist zu sehen, wie auf einer gesicherten Piste in Zürs einige Skifahrer von einer Lawine erfasst werden. Dann bricht das Video ab. Die Echtheit des Clips wurde der "Wiener Zeitung" vom Accountinhaber, der es nicht selbst filmte, der aber selbst an der Suche beteiligt war, bestätigt.

Die Folge war eine riesige Suchaktion mit mehreren Helikoptern und Lawinensuchhunden, die bis in die Nachtstunden andauerte. Eine teilweise verschüttete Person konnte recht schnell befreit werden. Der schwer verletzte Skifahrer wurde in ein Krankenhaus geflogen und liegt laut Auskunft der Tirol Kliniken auf einer Intensivstation. Der Zustand des deutschen Touristen soll stabil sein.

Von den übrigen Skifahrern fehlte über Stunden jede Spur, von alarmierten Quartiergebern kamen andererseits aber auch keine Vermisstenmeldungen. Das nährte Hoffnung. Nach und nach meldeten sich dann auch tatsächlich entkommene Skifahrer bei den Behörden, kurz vor Mitternacht die letzten. Sie zogen sich nur leichte Blessuren zu oder blieben gänzlich unverletzt.

Warum sich die Skifahrer nicht unmittelbar nach dem Lawinenabgang mit der Polizei oder Lift-Verantwortlichen in Verbindung setzten, war am Montag für Hermann Fercher von Lech/Zürs-Tourismus nicht zu erklären. "Wahrscheinlich war es eine Mischung aus Schock und Nachlässigkeit", mutmaßte er. Er appellierte an alle Wintersportler, sich in einem Fall so schnell wie möglich zu melden. Immerhin waren mehr als 200 Personen von Bergrettung und diversen Blaulichtorganisationen über Stunden im Einsatz, sieben Helikopter absolvierten zahlreiche Flüge. In Bezug auf die Kosten werde es wohl eine Aufteilung zwischen der Gemeinde und dem Land geben, so Fercher.

Rätseln über die Ursache

Die betroffenen Skigäste kamen nach Angaben aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Bosnien, Kroatien und aus den USA. Dass die allermeisten weitgehend unversehrt geblieben sind, bezeichnete Fercher als "großes Glück".

Montagfrüh wurde der gesamte Bereich der Lawine zur Sicherheit noch einmal abgesucht, zudem muss auch geklärt werden, wie es zu diesem Vorfall kommen konnte. In Lech/Zürs hatte am Sonntag zwar erhebliche Lawinengefahr der Stufe drei (von fünf) geherrscht, allerdings handelte es sich um eine gesicherte, rote Piste, die auf einer Länge von 500 bis 600 Metern verschüttet wurde. "Fakt ist, dass noch in der Früh genau an der Stelle des Lawinenabgangs gesprengt wurde", sagte Fercher. Offenbar sei nicht der ganze Schnee abgegangen. Für die genaue Aufklärung ist die Alpinpolizei zuständig, die in den kommenden Tagen den Lawinenabgang untersuchen muss. Die Piste ist relativ jung, da sie erst nach dem Zusammenschluss der Arlberg-Skigebiete Lech/Zürs und St. Anton entstand.

Die Lawinengefahr in Westösterreich blieb in höheren Lagen auch am Stefanitag heikel. Sowohl im Osten Vorarlbergs als auch im Westen Tirols galt oberhalb von 2.300 Meter Seehöhe erhebliche Lawinengefahr. "Große Vorsicht und Zurückhaltung sind nötig", mahnte der Tiroler Lawinenwarndienst. Klaus Drexel von der Bergrettung Vorarlberg betonte gegenüber zur APA, dass auch bei vergleichsweise geringer Schneelage Lawinenunglücke passieren können - wie eben am Sonntag in Zürs.(apa/sir)