Paris/Wien. Die prähistorischen Pfahlbauten der Alpen genießen künftig als Weltkulturerbe besonderen Schutz. Das Welterbekomitee der UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) stimmte am Montag einem Gemeinschaftsantrag mehrerer europäischer Länder, darunter Österreich, zu.

Insgesamt waren 111 Pfahlbauten und Relikte prähistorischer Siedlungen - aus der Stein- und Bronzezeit - aus sechs Alpenländern für die Weltkulturerbeliste nominiert worden, darunter fünf aus Österreich. Die Fundstellen sind die ersten archäologischen Unterwasser-Denkmäler mit dem begehrten Titel.

Die Pfahlbaureste stammen nach Angaben von Archäologen aus der Zeit von 4300 bis 800 vor Christus und haben unter Wasser oder in feuchten Böden bis heute überdauert. Von dem Titel versprechen sich Experten unter anderem eine bessere Erforschung. Nur ein sehr kleiner Teil der Pfahlbausiedlungen ist bisher wissenschaftlich untersucht worden. Eingriffe des Menschen wie die Uferverbauung oder der Klimawandel beispielsweise am Bodensee führten hingegen dazu, dass Pfahlbau-Reste freigespült und damit zerstört würden.

Die Siedlungsspuren aus der Stein- und Bronzezeit befinden sich nach Angaben der deutschen Unesco-Vertretung in Paris in Seen und Mooren. Anders als in normalen Trockenbodenfundstellen sind dort organische Materialien wie Holz, Textilien, Pflanzen und sogar Essensreste erhalten. In der Siedlung Hornstaad-Hörnle - an der Spitze der in den Bodensee ragenden Halbinsel Höri gelegen - ist der älteste Hausgrundriss aus dem Jahr 3915 vor Christus nachweisbar.

Die Fundstellen aus Österreich sind die Pfahlbausiedlung inmitten des Keutschacher Sees südlich des Wörthersees in Kärnten sowie weitere vier Stätten in Oberösterreich, drei im Attersee in den Gemeinden Attersee und Seewalchen (Abtsdorf I und III, Litzlberg Süd) und eine im Mondsee (See im Mondsee). Die Pfahlbauten in Österreich gehen auf die Jungsteinzeit beziehungsweise auf die Bronzezeit zurück.