Vor 2007, als etwa Tschechien oder Polen noch nicht dem Schengen-Raum angehörten, stellte Österreich für Schmuggler eine wichtige Verbindung zwischen den Oststaaten und Deutschland dar. Auf diese Weise gelangten hauptsächlich Reptilien aus illegalen Nachzucht-Stationen zum Bestimmungsort. Heute hat diese Route an Bedeutung verloren - die Geschäfte mit Reptilien sind in Österreich zu Auftragsarbeiten für Sammler avanciert, die bereit sind, horrende Summen für ein gefährdetes oder vom Aussterben bedrohtes Tier zu zahlen.

Für diese Beträge schrecken Schmuggler laut dem Sicherheitsbeamten Richard Vrzal, Präsident der Herpetologischen Terraristischen Vereinigung Österreich, auch vor Mord nicht zurück. "Bei einem Überfall auf die Aufzuchtstation einer der seltensten Schildkrötenarten der Welt, der madagassischen Schnabelbrustschildkröte, ist in Madagaskar ein Mann getötet, und einem weiteren ein Auge ausgeschossen worden." Alle Tiere, etwa 70 Exemplare, seien geraubt worden. "Sie traten vermutlich eine lange Reise auf dem Landweg zu den Käufern an - die Flughafenpolizei kontrolliert mittlerweile zu streng", weiß Vrzal.

Allerdings könne sich der Sammler häufig nicht lange über das heiß ersehnte Stück freuen: Aufgrund der meist schlechten Transportbedingungen kommen laut Vrzal die geschmuggelten Tiere geschwächt und krankheitsanfällig an ihrem Ziel an - wo sie oft nach kurzer Zeit versterben.

Doch auch der Tod eines teuren Tieres kann gewinnbringend sein: Die seit 1982 in Österreich erforderlichen Cites-Papiere für den Handel artengeschützter Tiere, die laut Vrzal für geschmuggelte Reptilien häufig gefälscht werden, können illegal verkauft werden. "Eigentlich sollten nach dem Tod eines Tieres diese Papiere an die Behörde zurück gegeben werden", sagt Vrzal, "im Vorjahr wurde kein einziges retourniert."

In Briefen verpackt

Vor diesen komplizierten Behördenwegen, die mit einem legalen Kauf verbunden sind, schrecken laut Vrzal viele Interessierte zurück - was den Weg zu scheinbar bequemen Internet-Käufen ebne. "Viele Reptilien werden in Packerln oder Briefen verschickt", bestätigt Tomek. Die Kunden dieser Tiere seien weniger Sammler als unwissende Gelegenheitskäufer - die sich mit dem stetig wachsenden Tier bald überfordert fühlen.

"Diese Käufer kommen dann zu mir", meint Evelyn Kolar, die den "Blauen Kreis" im Haus des Meeres, das Tierheim für beschlagnahmte und ausgesetzte Reptilien, betreut. "Denn viele ahnten nicht, dass ein kleiner Leguan zu zwei Metern Länge heranwächst."