In Pfarrer Friedls Gemeinde ist diese Offenbarung keine Neuigkeit. "Seit etwa 15 Jahren lebe ich schon mit meiner Freundin zusammen", sagt der 65-jährige Geistliche gegenüber der "Wiener Zeitung". Am Anfang sei im Ort darüber diskutiert worden, mittlerweile längst nicht mehr.

Warum sich Friedl gerade jetzt bei einer Podiumsdiskussion mit den Grünen öffentlich dazu bekannte, erklärt dieser so: "Es war ohnehin kein Geheimnis mehr."

Für die nun neu aufkeimenden Gerüchte macht Friedl das Umfeld von Gerhard Maria Wagner verantwortlich: Der Pfarrer von Windischgarsten hat im Februar auf seine Nominierung zum Linzer Bischof verzichtet, nachdem ihm dieser Schritt von den Dechanten der Diözese nahe gelegt worden war - zu denen auch Friedl zählte. Die Gerüchte werten manche als Retourkutsche. "Er vertritt ein völlig anderes Kirchenbild als wir", formulierte Friedl damals nach Wagners Behauptung, dass Homosexualität heilbar sei.

Friedl vertritt liberalere Ansichten, indem er etwa die Einführung des Zölibates auf Zeit fordert. Die 25-jährigen Absolventen des Priesterseminars sind seiner Ansicht nach zu jung, um sich endgültig für ein zölibatäres Leben zu entscheiden. "Dieses Gelübde sollten sie nach einer gewissen Zeit widerrufen dürfen", fordert der Pfarrer von Ungenach. Außerdem setzt er sich für die Einführung von Priesterinnen ein.

Gespräch mit Bischof

Welche Konsequenzen auf Friedl nach seinem Bekenntnis zur Freundin zukommen, wird sich nach einem persönlichen Gespräch mit Bischof Schwarz zeigen. Dieser kehrt laut Sprecher Ferdinand Kaineder erst am Donnerstag von der Österreichischen Bischofskonferenz in Innsbruck nach Linz zurück. "Dann wird der nächste freie Termin für das Treffen reserviert", meint Kaineder.

Der Bischof werde zwar nicht darüber hinwegsehen können, dass Friedl gegen die ihm vorgeschriebene Lebensform verstoßen hat. Andererseits habe er sich als hilfsbereiter Seelsorger einen Namen gemacht.