Von kleinen Reparaturen am gestickten Ornat bis zur Komplettausstattung einer ganzen Pfarre kann man hier alles bekommen. Foto: bau
Von kleinen Reparaturen am gestickten Ornat bis zur Komplettausstattung einer ganzen Pfarre kann man hier alles bekommen. Foto: bau

Marktschreierische Werbung gibt es nicht, die Farben und das Mobiliar sind in gedeckten Tönen gehalten. Und der Chef selbst, der 56-jährige Heinrich Angelides, steht im mitternachtsblauen Anzug hinter dem Verkaufstisch.

Vom Ostgeschäft zum Kreuz

"Wie ich das Geschäft vor ein paar Jahren übernommen hab, war es eigentlich konkursreif", erinnert sich Angelides. Der Vorbesitzer suchte einen Nachfolger und Angelides eine Herausforderung. Genau das war es, das den studierten Nationalökonomen und Banker, der jahrelang das Ostgeschäft mehrerer Banken leitete, reizte: "Ich war damals bei einer großen Bank und wollte etwas ganz anderes machen", sagt Angelides. Das kleine Geschäft mit der außergewöhnlichen Ware hatte es ihm trotz der wirtschaftlichen Schieflage gleich angetan.

Mit viel Einsatz und Kraftanstrengung schaffte er es, das Geschäft wieder auf Kurs zu bringen, und beliefert heute Kunden im ganzen deutschsprachigen Raum. Vor allem Priester aus Pfarren und Orden sind es, die zu seinen Kunden gehören. Von kleinen Reparaturen am gestickten Ornat bis zur Komplettausstattung einer ganzen Pfarre kann man bei Hammerschmid alles bekommen. Schlichte Holzkreuze um wenig Geld sind ebenso zu haben wie Kelche und Monstranzen im vierstelligen Euro-Bereich.

Wobei sich dabei vor allem die Langlebigkeit der Dinge als Problem erweist: "Viele Sakristeien sind über die Jahrzehnte einfach voll." Doch auch Privatkunden schätzen die Dienstleistungen, sei es die Reparatur von wertvoller sakraler Kunst bis hin zu Skihütten, die ihre Sitze mit eigentlich für Kirchenbänke gedachten Filzauflagen ausstatten. Auch die meisten Universitäten wenden sich wegen Talaren an das kleine Wiener Fachgeschäft.

Was für Angelides und seine Kollegen aus der Branche ein etwas außergewöhnlicher, aber an sich normaler Handel mit Gegenständen ist, flößt vielen Menschen Respekt ein. Einmal ist der Händler bei einer Zollkontrolle in der Schweiz aufgehalten worden und musste den Kofferraum, in dem eine ganze Kollektion diverser sakraler Gegenstände geladen war, öffnen. "Der Zöllner ist richtiggehend erschrocken. Der hat sich die Sachen nicht einmal angreifen getraut", erinnert sich Angelides schmunzelnd.

Mitunter kommt es auch im eher ruhigen Handel mit Paramenten (wie liturgische Textilien heißen) zu Hektik. Etwa wenn ein ausländischer Bischof auf offiziellem Besuch sein Kalotte genanntes Käppchen zu Hause vergessen hat. "Am Sonntag um neun hab ich den Anruf bekommen, zur Mittagsmesse hat er es schon aufgehabt", sagt der praktizierende Katholik. Auch anlässlich des heurigen Papstbesuches hat sich so mancher hoher Herr der Geistlichkeit bei Hammerschmid mit neuem Gewand eingedeckt.

Priester gehen mit der Mode

Interessant ist für Angelides, dass auch die Messgewänder gewissen Modetrends unterliegen. Momentan werden etwa die Gewänder tendenziell schlichter, während dafür die früher eher einfachen Stolen zunehmend aufwendiger geschmückt werden. Zudem beobachtet Angelides bei vielen Priestern, dass das Tragen des Talars in der Öffentlichkeit eher "out" ist. Viele setzen hier auf ganz normale Anzüge. Zwar gebe es auch progressiv und bunt gestaltete Messgewänder in den Katalogen der Hersteller, doch entpuppen sich diese bislang in Österreich noch eher als Ladenhüter denn als Bestseller.

Von den Konfessionen her gibt es bei Hammerschmid kaum Unterschiede. Neben katholischen kaufen auch evangelische und orthodoxe Geistliche dort ein. Muslimische Gewänder könnte man zwar auch liefern, nur gab es in den vergangenen Jahren keine einzige Anfrage: "Obwohl ich sogar eine kleine Moschee gleich gegenüber habe", sinniert Angelides, und scherzt: "Aber vielleicht werden die auch von den vielen Kreuzen in meiner Auslage abgeschreckt."