Nicht nur Rasul hat es getroffen: Die Behörden vernichten dieses Jahr nach Einschätzung der Vereinten Nationen weit mehr Schlafmohnfelder als in der Vergangenheit. Doch trotz aller Bemühungen hat der Mohnanbau am Hindukusch zur Herstellung von Rohopium, dem Grundstoff für Heroin, wieder zugenommen.

Dabei hatte es im vergangenen Jahr erstmals Erfolgsmeldungen gegeben - die sich nun allerdings als kurzlebig herausstellen. Um 21 Prozent war die Anbaufläche 2005 zurückgegangen, in früheren Drogenprovinzen wie Nangarhar im Osten des Landes war so gut wie kein Schlafmohn mehr gewachsen. Die Händler allerdings nutzten die Reduktion, um die Preisspirale nach oben zu drehen und gleichzeitig ihre Lagerbestände abzubauen. Inzwischen blüht der Mohn in weiten Teilen Afghanistans wieder. "In den meisten Provinzen erwarten wir in diesem Jahr einen Anstieg", sagt die Afghanistan-Vertreterin des UN-Büros für Drogen und Kriminalität (UNODC), Doris Buddenberg. So bleibt Afghanistan weiterhin unangefochten Mohnanbauland Nummer eins.

Weizen bringt Zehntel

Nach UNODC-Angaben stammen weltweit 87 Prozent allen Heroins aus Afghanistan. Zwei Millionen der rund 23 Millionen Afghanen sind in den Drogenanbau verwickelt. Den Exportwert des Suchtgifts schätzte UNODC im vergangenen Jahr auf 2,7 Milliarden Dollar - mehr als die Hälfte des offiziellen Bruttosozialprodukts Afghanistans von 5,2 Milliarden Dollar. Ein Hektar Mohn erbrachte im vergangenen Jahr 5.500 Dollar. Mit Weizen ließ sich nur ein Zehntel davon verdienen. Der Anbau der Opiumpflanze gilt inzwischen als ähnlich große Bedrohung für Sicherheit und Stabilität wie der Terrorismus in  Afghanistan - wobei beides nicht klar zu trennen ist. Die Drogenhändler hätten Verbindungen zu den Taliban und zu Milizen, sagt der EU-Sondergesandte Francesc Vendrell - und zu lokalen Behörden. Ein anderer Vertreter der Internationalen Gemeinschaft beklagt: "Die Korruptionsmöglichkeiten sind geradezu überwältigend." Trotz aller Anti-Korruptions-Bemühungen seien "die Strukturen nicht gebrochen". Mächtige Drogenhändler erkauften sich ihre Protektion.

Im Kampf gegen den Mohnanbau in Afghanistan müsse man einen langen Atem behalten, sagt Buddenberg: "Das Problem ist in 20 Jahren gewachsen, das lässt sich natürlich nicht in ein, zwei Jahren erledigen." Während sich der Absatz in Europa und den USA stabilisiert habe, wüchsen die neuen Märkte in Russland und China. "Das ist eine große Gefahr", sagt Buddenberg.

Auf Mohn angewiesen

Die Vernichtung der Felder allein wird den Mohnanbau nicht stoppen. Zu groß ist der Profit, zu gering sind die Mittel jener, die gegen die Drogen kämpfen. Im vergangenen Jahr gelang es lediglich, 5000 der 104.000 Hektar Schlafmohn zu vernichten. In diesem Jahr wird zwar mehr zerstört - aber eben auch wieder mehr angebaut. Immer noch ist es nicht gelungen, den Lebensstandard der weitgehend armen Bauern zu heben und sie von Alternativen zum Mohn zu überzeugen. Der Preis für Weizen macht das deutlich. Das Umpflügen der Schlafmohnäcker macht allerdings doch erheblichen Druck auf die Drogenbauern. "Uns reicht es jedenfalls, sagt Rasul, "wenn uns die Regierung Saatgut gibt, werden wir nächstes Jahr Weizen anbauen."