Major Drew Stathis, der als Angehöriger einer Reisegruppe im November 2000 in Kaprun war, habe schon am Tag des Unglücks (11. November, Anm.) angeboten, bei den Ermittlungen zu helfen, weil auch Leute aus seiner Gruppe vermisst gewesen seien, schilderte Lang. Gemeinsam mit Salzburger Kriminalbeamten habe Stathis deshalb im Hotel DNA-Vergleichsmaterial der Vermissten Amerikaner geholt, etwa einen Haarkamm. Stathis habe auch Hilfe bei der Bergung im Tunnel angeboten, diese habe er, Lang, abgelehnt. Man habe dem Major aber Fotos gezeigt. Außerdem habe man Pathologen der US-Army bei der Identifizierung der Leichen zur Unterstützung eingesetzt, so Lang.

Stathis behauptete jedenfalls später in einer eidesstattlichen Erklärung, dass kurz nach dem Feuerinferno ein Team der US-Armee im Tunnel gewesen sei und Aufnahmen gemacht habe. Darauf stützt sich auch die Behauptung des US-Anwaltes Ed Fagan (er kämpft in den USA um Schadenersatz für die Hinterbliebenen), Beweismaterial sei beiseite geschafft worden. Im Auftrag des Gerichts hat Lang über das FBI Ermittlungen angestellt, weil die Gegenzeichnung, ein Siegel, auf der Erklärung fehlte.

Am 6. September 2002 habe er telefonisch erfahren, dass die Erklärung beim genannten Gericht gar nicht vorliege, schilderte Lang im Zeugenstand. Ob diese nun echt oder eine Fälschung sei, wollte ein Verteidiger wissen. "Für mich ist es nicht vorstellbar, dass ein US-Team Aufnahmen gemacht hat." Und Lang weiter: "Eines muss ich festhalten: In den Tunnel ist weder Drew Stathis noch sonst einer seiner Leute gekommen."

Filmvorführung abgelehnt

Für heftige Diskussionen sorgte der Polizeifilm, den Lang mitgebracht hatte. Privatbeteiligten-Vertreter Gabriel Lansky beantragte auf Wunsch aller Angehörigen, den Film zu zeigen, und zwar in ungekürzter Fassung, was zur Debatte zwischen den Privatbeteiligten-Vertretern und den Verteidigern der Beschuldigten führte.

Alle Verteidiger sowie Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat sprachen sich gegen die Vorführung aus, alle Angehörigen und Privatbeteiligten-Vertreter stimmten dafür. Richter Manfred Seiss lehnte schließlich die Vorführung ab.

Der Film trage zur Wahrheitsfindung nach dem Unfall bei, damit könnten Rückschlüsse auf die Unfall-Ursache gezogen werden, betonte Rechtsanwalt Lansky. Es handle sich dabei um die einzige unmittelbare Dokumentation nach der Katastrophe. Außerdem werde der Film von vielen Angehörigen als Teil ihrer Trauerarbeit empfunden.

Für die Verteidiger bringe der Film kein Beweisthema, entgegnete Rechtsanwalt Klaus Perner nach Fortführung der Verhandlung. Nur die Sachverständigen könnten mit den Bildern etwas anfangen. Bereits am ersten Prozesstag habe Richter Manfred Seiss betont, dass dieser Prozess keine Trauerveranstaltung sei, hieß es.