Den Angriff auf Österreichs höchsten Berg organisierte und bezahlte Fürstbischof Salm-Reifferscheidt. Zu den "Honoratioren" seiner Expeditionen zählten Generalvikar Hohenwart (später Bischof von Linz), die geistlichen Naturwissenschafter Schiegg und Wulfen sowie die Pfarrer Horasch und Hautzendorfer. Mit von der Partie war Schieggs Assistent, der Mathematik- und Theologiestudent Stanig, später Domherr in Görz.

Den Spuren der Pioniere folgten alsbald weitere hochwürdige Herren. Der Heiligenbluter Pfarrer Francisci wagte die erste Winterbesteigung des Glockners. Der Franziskaner Steinberger schaffte "mit einem Seidel Wein und einem Stück Hausbrod" an einem Tag die Gewalttour von Heiligenblut über 2.600 Höhenmeter auf den Gipfel und wieder zurück.

Und dann kam der Salzburger Theologieprofessor Carl Peter Thurwieser. Dieser bedeutendste Alpinist der Frühzeit hat alle wichtigen Gipfel zwischen Dachstein und Ortler erstiegen, viele davon als der Erste. Er nahm seinen Schüler Schwarzenberg mit auf die Berge. Als Kardinal und Erzbischof von Salzburg glückte Schwarzenberg dann in Begleitung zweier Pfarrer die Erstbesteigung zweier Dreitausender.

Erforschung statt Alpinismus

"Unter den für die Physik der Erde wichtigeren Begebenheiten des 18. Jahrhunderts verdient auch das Unternehmen, den berühmten Berg Großglockner zu ersteigen, seinen Platz. Man hielt das für schlechterdings unmöglich. Das Jahr 1799 löste auch diesen Knoten." So selbstbewusst beginnt der Bericht über den ersten Angriff von 1799, der "für immer unterblieben wäre, hätte nicht des Fürstbischofes unternehmender Geist die Bahn gebrochen".

Dieser Bahnbrecher hieß Franz Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt (1749-1822), Nachfahre des erfolgreichen Wienverteidigers gegen die Türken 1529 und hochgebildeter Aufklärer, der Kärnten aus dem Schattendasein einer von den Habsburgern vernachlässigten Provinz heraus riss.

Dass die erste Expedition nur den um 28 m niedrigeren Kleinglockner erreichte, störte Salm weniger als die mäßige Ausbeute der fünf Naturwissenschafter in der 30-köpfigen Gruppe. Zweifelsfrei definiert das auch den Zweck beider Glockner-Expeditionen: wissenschaftliche Erforschung vor alpinistischer Erschließung des Hochgebirges. Das lag im Trend der Zeit, denn frühe alpine Großtaten erregten nur dann Aufsehen, wenn sie der Wissenschaft dienten. Dies traf auch auf die Erstbesteigung des Montblanc (4.807 m) 1786/87 zu, nicht aber für den Böcksteiner Bauern Patschg, der 1762 im Alleingang den Ankogel (3.262 m ) bezwang - den ersten vergletscherten Dreitausender der Ostalpen überhaupt.