Ihr Vorwurf: Wegen mangelnder Obsorge hätten sie sich damals in den Firmenräumlichkeiten mit Hepatitis C infiziert. Im Wiener Zivillandesgericht einigte man sich gestern darauf, den Rechtsstreit

in einem "Musterverfahren" abzuwickeln.

In dieser Causa sind bei Richter Peter Nedwed derzeit 20 Klagen anhängig. Sechs weitere Verfahren dürfte das Handelsgericht demnächst an ihn abtreten. Rechtsanwalt Hans-Otto Schmidt, der die

ehemaligen Spender vertritt, bezifferte den momentanen Streitwert mit insgesamt 30 Mill. Schilling. Laut Univ.-Prof. Peter Ferenci, führender Heptaloge und vom Gericht zum medizinischen

Sachverständigen betraut, hätten sich allein in Österreich zwischen 2.500 und 5.000 Plasmaspender mit chronischer Hepatitis angesteckt. Er erwartet daher, daß hunderte weitere Infizierte den

Gerichtsweg beschreiten werden. Die Hepatitis-Liga empfiehlt den Betroffenen eine Antikörper-Untersuchung. Diese Vorsichtsmaßnahme sei dringend anzuraten, um bei Vorliegen von chronischer Hepatitis C

frühzeitig eine Therapiechance wahrnehmen zu können.

Der Richter entschied sich mit Einverständnis der Prozeßparteien auf folgende Vorgangsweise: Zunächst werden exemplarisch zwei Fälle ausjudiziert. Die übrigen Forderungen werden bis zu deren

rechtskräftiger Erledigung ruhend gestellt. Einer der Fälle betrifft Herbert N. (47). Der Mann ließ sich von 1970 bis 1972 in der Firma "Seroplas" Plasma entnehmen. Mittlerweile wurde ihm attestiert,

an chronischer Hepatitis zu leiden. Er erhält eine Versehrtenrente wegen 50prozentiger Invalidität. Die AUVA kommt für eine solche Rente nur auf, wenn für sie feststeht, daß die Infektion von einer

Blut- bzw. Plasmaspende herrührt.

Herbert N. begehrt von der Firma "Seroplas" 450.000 Schilling. Er ist überzeugt, sich in deren Räumlichkeiten infiziert zu haben. Die hygienischen Bedingungen hätten nicht den Regeln der ärztlichen

Kunst entsprochen. Bei mehreren Spendern waren nach Leberzirrhosen Organtransplantationen unumgänglich. Die Firma "Seroplas" geht davon aus, es sei nicht erwiesen, daß sich die Kläger beim

Plasmaspenden infiziert hätten.

Ein Primarius, der seinerzeit in Klagenfurt für das Unternehmen "Seroplas" Plasmaspender betreute, ließ die Vorwürfe der Kläger nicht gelten. Der Zeuge erklärte, der Spende-Vorgang sei ein

"vollkommen geschlossenes System" gewesen: "Eine Infektion war da meines Erachtens einfach nicht drinnen".

Ausschlaggebend sei "das Ausmaß des Bewußtseins", so der Gutachter: "Gab es Fehlerquellen? Hat das Personal bei jedem Spender die Handschuhe gewechselt? Wurden die Betten nach jedem Spender mit

Einmal-Papier überzogen?" Zum nächsten Verhandlungstermin am 17. August sollen zwei Ärzte geladen werden, die zu diesen Fragen angeblich nähere Auskünfte geben können.