Das erste Opfer des Briefbomben-Terrors sagte auch im Prozeß zuerst aus: August Janisch erklärte, er habe von der Detonation am 3. Dezember 1993 "ein dumpfes Gefühl im Daumenballen" zurückbehalten

und gab eine eindrucksvolle Schilderung von sich: "Es war elf Uhr, ich bin gerade vom Schulgottesdienst zurückgekommen." Das explosive Kuvert sei ein "bisserl dicker" als ein normaler Brief gewesen.

"Plötzlich spritzt's in alle Gegenden, die Hand hat geblutet, die Brillen hat's mir hinuntergeschmissen."

Silvana Meixner, Redakteurin der Sendung "Heimat, fremde Heimat", hat seit dem Vorfall noch immer erhebliche Probleme. Sie habe den Schock bis heute nicht überwunden und befinde sich in psychischer

Behandlung, erklärte Meixner. Eingehende Fragen wurden an die Zeugin nicht gestellt.

Helmut Zilk erklärte den anwesenden Journalisten, "gelassen" zu sein und keine Gefühle des Hasses und der Revanche gegen den mutmaßlichen Bomber zu hegen. Auf eine Begegnung mit dem Mann aus Gralla

legte Zilk freilich keinen Wert: "Ich habe kein Bedürfnis, Fuchs zu sehen oder zu sprechen."

Der an ihn gerichtete Sprengsatz war am 5. Dezember 1993 in seiner Wohnung explodiert. Sein erster Gedanke beim Öffnen des verhängnisvollen Briefes: "Das war ein Fehler, das war die Bombe."

Anschließend beschrieb Helmut Zilk die Erstversorgung durch Ehefrau Dagmar Koller: "Ich wüßte nicht, was wäre, wenn ich allein gewesen wäre."

In der Folge sei er siebeneinhalb Stunden lang operiert worden, zweimal sei laut den Ärzten ein Herzstillstand eingetreten, später kamen die schmerzhaften Hauttransplantationen dazu. Ziemlich harsch

wandte sich Zilk dann an den Gerichtsmediziner Georg Bauer. Er finde es seltsam, daß ihn der Gutachter nie untersucht habe. Dabei entblößte er seinen Handstumpf.

Zur politischen Dimension meine Zilk, daß er sich insbesondere um die schulische Integration von Kindern aus Ex-Jugoslawien analog zum Reichsvolksschulgesetz 1869 eingesetzt habe. Daß er die

eingesessene Bevölkerung benachteiligen wollte, wies Zilk zurück und führte aus, daß im Gegenteil aus seiner Amtszeit die kritisierte Bestimmung stamme, wonach in Wien nur österreichische

Staatsbürger Gemeindewohnungen bekommen können.

Fuchs-Verteidiger Gerald Ruhri stellte weitere Beweisanträge. Er verlangte unter anderem die Beischaffung von Unterlagen, die sich mit Vergleichen zwischen der österreichischen und einer rumänischen

Briefbombenserie beschäftigt haben, sowie die Ladung von weiteren Zeugen. Das Gericht behielt sich eine Entscheidung vor.

Am Nachmittag sagten dann jene Personen aus, die "stellvertretend" zu Opfern geworden waren: Eine frühere Redaktionsassistentin der Moderatorin Arabella Kiesbauer, die das mit Rosenmotiven beklebte

Kuvert in der Gewißheit geöffnet hatte, einen Fanbrief zu öffnen. Bedenken hatte dagegen der Lübecker SPD-Fraktionschef Thomas Rother, der die Sendung für den stellvertretenden Bürgermeister Lübecks,

Dietrich Szameit öffnete: "Ich habe mit der Schere hineingebohrt, sogar ein kleines Stück abgeschnitten, in dem Moment hat es geknallt." Beide waren erheblich verletzt worden.